Wer in diesen Sommerwochen an den Ostseestränden in Mecklenburg-Vorpommern spazieren geht, stößt immer häufiger auf abgezäunte Abschnitte im Sand. Die sogenannten „Strandinseln“ in Börgerende, Elmenhorst oder der Wismarbucht wirken auf den ersten Blick wie ein Hindernis für Badegäste – retten aber eine der seltensten Arten Deutschlands vor dem Aussterben: den Sandregenpfeifer. Nach drei Jahren intensiver Schutzarbeit zeigen sich an der Küste nun sensationelle Erfolge.
Bundesweit gibt es weniger als 1000 Brutpaare der Art. Seit 2024 arbeiten der Zoo Rostock, der NABU und Ornithologen gemeinsam daran, die Art an der mecklenburgischen Küste zu stabilisieren.
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Unsichtbar im Sand: Warum Badegäste zur Gefahr werden
Der Sandregenpfeifer brütet in flachen Mulden direkt im Sand oder Kies – ohne erkennbares Nest. Seine Eier und Küken sind sandfarben und für ungeübte Augen kaum zu erkennen.
Was als Tarnung gegen Fressfeinde dient, wird an belebten Stränden zur Gefahr: Gelege und Jungvögel werden von Badegästen leicht übersehen und versehentlich zertreten. Auch freilaufende Hunde und die bloße Nähe von Menschen stören den Brutvorgang erheblich. Weil störungsfreie Plätze an der Küste immer seltener werden, gilt die Art als vom Aussterben bedroht.
Die Eier des kleinen Strandvogels sind leicht zu übersehen. (Symbolbild)
© Imagebroker/Imago
Sperrzonen für Nester: So funktionieren die Strandinseln
Die sogenannten „Strandinseln“ – abgezäunte Schutzbereiche in den höher gelegenen Strandabschnitten, in denen die Vögel brüten – wurden seit dem Projektstart schrittweise ausgebaut. Aktuell bestehen solche Flächen in Börgerende, Elmenhorst und Wittenbeck sowie im Naturschutzgebiet Riedensee, im Bereich der Rostocker Heide und in der Wismarbucht. Das Konzept greift auf Erfahrungen zurück, die bereits Wirkung gezeigt haben: Am Riedensee westlich von Kühlungsborn brüteten Sandregenpfeifer im Jahr 2022 nach acht Jahren erstmals wieder erfolgreich.
Die Sperrungen sind saisonal angelegt und gelten zwischen April und August. Die Wasserkante und der übrige Strand bleiben für Badegäste und Spaziergänger weiterhin zugänglich. „Wer Schutzbereiche respektiert, Hunde anleint und brütende Vögel nicht stört, leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt einer der seltensten Vogelarten Mecklenburg-Vorpommerns“, heißt es sinngemäß von den Projektpartnern.
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Neben den Schutzflächen setzen die Projektpartner auf ein zweites Instrument: Besonders gefährdete Gelege, die am Strand nicht ausreichend geschützt werden können, werden im Zoo Rostock ausgebrütet. Die Jungvögel werden dort aufgezogen und anschließend wieder ausgewildert. Bislang wurden auf diesem Weg sechs Sandregenpfeifer erfolgreich in die Freiheit entlassen.
In der laufenden Brutsaison musste erstmals kein einziges Gelege in menschliche Obhut genommen werden – die Brutpaare nutzten die eingerichteten Schutzflächen eigenständig und erfolgreich. Das deutlichste Signal kam von einem einzelnen Tier: Ein zuvor ausgewilderter Sandregenpfeifer kehrte in diesem Jahr ins Projektgebiet zurück. Für die beteiligten Fachleute gilt das als Beleg dafür, dass der eingeschlagene Weg funktioniert. Von den Schutzmaßnahmen profitieren auch andere Arten – darunter die Küstenpflanze Meerkohl.
Rückschau: Wie das Projekt begann
Als Meilenstein gilt die erste Auswilderung im August 2025. Damals wurden vier im Zoo Rostock handaufgezogene Sandregenpfeifer im Naturschutzgebiet Riedensee freigelassen.
Die Eier stammten aus extrem gefährdeten Strandabschnitten nahe touristischer Hotspots, wo sie in der Natur kaum Überlebenschancen gehabt hätten. Vor der Freilassung erhielten die Küken ein Training, um auf Gefahren wie Hunde zu reagieren. Das Riedensee-Gebiet dient als Blaupause: Dort brüteten Sandregenpfeifer 2022 nach acht Jahren erstmals wieder erfolgreich.
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