Einem Michelin-Stern-Restaurant in Südkorea wird vorgeworfen, Ameisen im Dessert serviert zu haben. Die Staatsanwaltschaft forderte am Montag eine einjährige Haftstrafe für den Betreiber eines Zwei-Sterne-Lokals in Seoul, wie etwa die Zeitung Korea JoongAng Daily berichtet. Ameisen gehören in Südkorea nicht zu den zugelassenen Speiseinsekten.
Im Zentrum steht ein Dessert: ein Sorbet auf Basis von Sikhye, einem traditionellen koreanischen Süßreisgetränk, bestreut mit Ameisen. Das geht aus den Angaben der Staatsanwaltschaft hervor, die von der Korea JoongAng Daily zitiert werden. Laut Anklage wurde dieses Dessert mehr als 12.200 Mal verkauft und erzielte einen Umsatz von rund 120 Millionen Won – umgerechnet etwa 71.000 Euro. Insgesamt sollen demnach über vier Jahre rund 49.000 einzelne Ameisen in den Gerichten des Restaurants verwendet worden sein.
Neben der Haftstrafe fordert die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 20 Millionen Won (rund 12.000 Euro) gegen das Unternehmen, das das Restaurant betreibt. In Südkorea sind laut BBC gesetzlich zehn Insektenarten für den menschlichen Verzehr zugelassen – Ameisen gehören nicht dazu. Erlaubt sind demnach unter anderem Heuschrecken, Wanderheuschrecken und Zweifleck-Grillen.
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Online-Bewertungen machten Behörden aufmerksam
Ob ein Insekt als Lebensmittel zugelassen wird, entscheiden die Behörden nach mehreren Kriterien. Dazu zählen laut BBC das Risiko für die Lebensmittelsicherheit, die Giftigkeit, der Nährwert sowie die Frage, ob sich das Tier hygienisch züchten und verarbeiten lässt. Ein Bericht der Gesundheitsbehörde an die Staatsanwaltschaft zeigte laut Korea JoongAng Daily, dass die im Restaurant verwendeten Ameisen bis zu 55-mal mehr Schwermetalle als zugelassene essbare Insekten enthielten.
Aufgefallen war der Fall den Berichten zufolge durch Online-Bewertungen: Gäste hatten Fotos ihrer mit Ameisen bestreuten Gerichte im Netz gepostet. Das südkoreanische Ministerium für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit wurde darauf aufmerksam und übergab den Fall im Juli des Vorjahres an die Staatsanwaltschaft.
Anwalt: Nicht allen Kunden wurden Ameisen serviert
Der Betreiber räumte ein, Ameisen serviert zu haben – widersprach aber der von der Staatsanwaltschaft genannten Zahl. Nur rund 60 Prozent der Kunden hätten zugestimmt, die Ameisen zu probieren, „aber die Staatsanwaltschaft berechnete die Zahl unter der Annahme, dass alle es taten“, wird der Anwalt von Korea JoongAng Daily zitiert.
Zudem argumentiert die Verteidigung, die Ameisen seien nur ein kleiner Teil des 15-Gänge-Menüs gewesen. Gäste, die keine Ameisen wollten, hätten Alternativen wie essbare Blüten erhalten, berichtete BBC. Auch verwies der Anwalt nach Angaben von Korea JoongAng Daily darauf, dass Restaurants in Ländern wie Dänemark, Großbritannien und Australien ebenfalls mit Ameisen kochen.
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