Der europäische Gaspreis ist auf den höchsten Stand seit Januar 2023 gestiegen. Der Terminkontrakt an der niederländischen Börse TTF, der maßgeblich für die gesamte EU und auch Deutschland ist, kletterte am Mittwoch zeitweise auf mehr als 62 Euro je Megawattstunde (MWh).
Zum Vergleich: Im Januar dieses Jahres lag er noch bei maximal 40 Euro pro MWh. Allein seit Ende Juni hat der europäische Referenzpreis für Erdgas damit um fast 50 Prozent zugelegt. Damit nähert er sich wieder den Höchstständen, die während des Iran-Kriegs erreicht wurden. Händler sorgen sich zunehmend um die Gasversorgung im kommenden Winter. Gleichzeitig bleiben die deutschen Gasspeicher ungewöhnlich leer.
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Hitze, LNG-Konkurrenz und Iran-Krieg treiben die Preise
Dass der Gaspreis aktuell so stark steigt, erklärt sich mit mehreren Belastungsfaktoren. Die anhaltenden Hitzewellen in Europa erhöhen den Strombedarf für Klimaanlagen. Gleichzeitig musste Frankreich seine Atomstromproduktion wegen der hohen Temperaturen teilweise drosseln und greift verstärkt auf Gaskraftwerke zurück.
Hinzu kommt die Konkurrenz aus Asien. Auch dort sorgen Rekordtemperaturen für einen höheren Gasverbrauch. Mehrere ursprünglich für Europa bestimmte Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) wurden zuletzt nach Asien umgeleitet, weil dort höhere Preise gezahlt werden.
Zusätzliche Unsicherheit schafft die angespannte Lage rund um die Straße von Hormus. Die wichtige Schifffahrtsroute spielt eine zentrale Rolle für den weltweiten LNG-Handel. Die anhaltenden Störungen könnten entsprechend die Versorgung Europas vor Beginn der Heizperiode zusätzlich erschweren.
Deutschlands Gasspeicher bleiben ungewöhnlich leer
Die Preisrally kommt für Deutschland zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die deutschen Gasspeicher sind derzeit nur zu rund 45 Prozent gefüllt und damit deutlich schwächer als in den vergangenen Jahren.
Der Speicherverband Initiative Energien Speichern (INES) warnt aktuell gegenüber der Berliner Zeitung, die Füllstände seien für diese Jahreszeit außergewöhnlich niedrig. Ohne zusätzliche wirtschaftliche Anreize bestehe das Risiko, dass die Speicher vor Beginn der Heizperiode nicht ausreichend gefüllt werden. Auch die Energieunternehmen EWE und Uniper hatten Nachbesserungen bei den Rahmenbedingungen für die Gasspeicherung gefordert.
Nach Einschätzung des norwegischen Energiekonzerns Equinor könnte Europa seine Speicherziele vor dem Winter sogar verfehlen. Das würde den Markt anfälliger für weitere Preissprünge machen, sollte es im Herbst oder Winter zu neuen Lieferausfällen kommen.
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Für zusätzliche Unsicherheit sorgen auch politische Entwicklungen. Die EU-Staaten beraten an diesem Mittwoch über das 21. Sanktionspaket gegen Russland. Diskutiert werden unter anderem eine weitere Senkung des Ölpreisdeckels sowie zusätzliche Maßnahmen gegen russisches Flüssigerdgas (LNG), etwa beim Weitertransport in Drittländer bzw. nach Asien. Griechenland bremst insbesondere schärfere LNG-Regeln aus, weil die Regierung Nachteile für heimische Reedereien befürchtet.
Auch andere EU-Staaten haben sich zuletzt dafür eingesetzt, eigene Unternehmen vor den wirtschaftlichen Folgen neuer Russland-Sanktionen zu schützen. Deutschland ist dabei offenbar nicht bereit, auf den russischen Fisch zu verzichten.
Unabhängig davon will die EU bis Ende 2027 vollständig auf russisches Pipelinegas und russisches LNG verzichten. Während Europa seine Abhängigkeit von russischer Energie weiter verringert, konkurriert der Kontinent gleichzeitig mit Asien um knapper werdende LNG-Lieferungen und versucht, seine Gasspeicher vor dem Winter zu füllen.
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