Österreich

Soll Neonazi-Pilger abschrecken: Hitlers Geburtshaus ist jetzt eine Polizeistation

Nach jahrelangem Streit um die Nutzung hat Österreich das Geburtshaus Adolf Hitlers zur Polizeidienststelle umgebaut. Am Umgang mit dem NS-Erbe gibt es Kritik.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Das frühere Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau während des Umbaus zur Polizeiinspektion

Das frühere Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau während des Umbaus zur Polizeiinspektion

© Daniel Scharinger/imago

Das Geburtshaus Adolf Hitlers im oberösterreichischen Braunau am Inn ist am Mittwoch offiziell als Polizeidienststelle eröffnet worden. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) übergab das umgebaute Gebäude in der Salzburger Vorstadt seiner neuen Bestimmung. Untergebracht sind dort künftig eine Polizeiinspektion mit rund 45 Beamten sowie das Bezirkspolizeikommando Braunau.

„Es ist ein neues Kapitel. Nun wird dieses Haus zu einem Ort der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit, der Sicherheit. Gleichzeitig verschwindet die Erinnerung nicht“, sagte Karner bei der Eröffnung laut ORF Oberösterreich. Die Republik stelle sich damit dem belasteten Erbe dieses Ortes, erklärte der Minister nach Angaben der Nachrichtenagentur AP. Auch der oberösterreichische ÖVP-Landeshauptmann Thomas Stelzer sprach von einem bewussten Zeichen für den Rechtsstaat.

Umbau nach jahrelangem Streit

Dem Umbau war ein langer Rechtsstreit um die Immobilie vorausgegangen. 2017 bestätigte Österreichs Höchstgericht die Enteignung der bisherigen Eigentümerin, seit 2017 gehört das Haus dem Staat. Eine Expertenkommission hatte sich gegen einen Abriss und gegen ein Museum ausgesprochen und stattdessen eine karitative oder behördliche Nutzung empfohlen. Die Sanierung kostete nach Angaben der Nachrichtenagentur APA rund 20 Millionen Euro.

Der frühere ockergelbe Verputz wurde durch ein schlichtes Weiß ersetzt, die Rundbögen der Fenster wichen rechteckigen Formen. Über dem Eingang prangt das Polizeilogo. Der Gedenkstein aus Granit des früheren Konzentrationslagers Mauthausen mit der Inschrift „Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen“ bleibt vor dem Haus stehen. Bauschutt sei laut APA an einem geheimen Ort entsorgt worden, damit er nicht als Nazi-Souvenir missbraucht werden könne.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Anziehungspunkt für Neonazis

Stephan Mlczoch, Leiter der Historikerabteilung des Innenministeriums, sagte Reuters, Ziel sei es gewesen, jede Verbindung zu Hitler zu unterbinden und dem Ort seine „Mystik“ zu nehmen. Bürgermeister Johannes Waidbacher erklärte, die Bevölkerung habe die Lösung im Großen und Ganzen akzeptiert und könne damit leben. Ob der Ansatz wie erhofft wirke, müsse sich aber erst zeigen.

Robert Eiter vom Mauthausen Komitee Österreich kritisierte hingegen, in Braunau werde vermittelt: „Vergessen wir es so schnell wie möglich.“ Die Zahl rechtsextremer Pilger werde durch den Umbau nicht sinken.

Hitler war am 20. April 1889 in dem Haus geboren worden, seine Familie zog jedoch bereits nach wenigen Monaten weg. Die dort eingesetzten Polizisten erhalten laut Innenministerium zusätzliche Schulungen zum Umgang mit dem sensiblen Standort.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner