Ein internationales Forschungsteam hat den ersten weltweiten Datensatz mit präzisen digitalen Grenzen der bis Ende 2023 gelisteten Unesco-Welterbestätten in niedrig gelegenen Küstenregionen veröffentlicht. Der als Glo-CoH (Global Coastal Heritage) bezeichnete Datensatz erschien am Freitag in der Fachzeitschrift Scientific Data.
Der Atlas umfasst 1250 Einzelstätten mit einer Gesamtfläche von mehr als 2,35 Millionen Quadratkilometern – eine Fläche, die etwa sechseinhalbmal so groß ist wie Deutschland. Er wurde von Wissenschaftlern der englischen Universitäten East Anglia und Durham sowie aus Kapstadt in Südafrika erarbeitet.
Erfasst wurden alle Welterbestätten, deren Teile auf einer Höhe von bis zu 20 Metern über dem mittleren Meeresspiegel liegen. Diese sogenannte erweiterte Niedrigküstenzone umfasst nach Angaben der Autoren jene Gebiete, die potenziell von Küstenerosion, Überflutungen und einem Anstieg des Meeresspiegels betroffen sein können. Zum Stichtag Ende 2023 lagen 386 der damals 1199 gelisteten Welterbestätten teilweise oder ganz in dieser Zone.
Von der Chinesischen Mauer bis zum Opernhaus Sydney
Der Datensatz enthält 289 Kulturstätten, 91 Naturstätten und sechs gemischte Stätten. Da viele Welterbestätten aus mehreren räumlich getrennten Bestandteilen bestehen, ergeben sich insgesamt 1250 einzeln kartierte Flächen.
Zu den erfassten Orten gehören laut Mitteilung der University of East Anglia unter anderem das Opernhaus von Sydney, küstennahe Abschnitte der Chinesischen Mauer, die Moai-Statuen auf der Osterinsel sowie große Teile von St. Petersburg. Zu den erfassten niedrig gelegenen Stätten gehören etwa Venedig und der Mont-Saint-Michel in Frankreich.
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Grundlage der Kartierung waren die im Rahmen der Unesco-Aufnahmeverfahren eingereichten Karten sowie Satellitenbilder und Geländedaten aus Google Earth.
Grundlage für Risikoanalysen
Bislang habe es keinen öffentlich verfügbaren, hochauflösenden globalen Datensatz zu den räumlichen Grenzen von Welterbestätten gegeben, schreiben die Autoren in Scientific Data. Dies habe die räumliche Genauigkeit von Modellrechnungen zu Sturmfluten, Überflutungen und Erosion begrenzt.
Der Datensatz selbst enthält keine Gefährdungsbewertung, soll aber laut den Forschern eine einheitliche Grundlage schaffen, um Risiken für einzelne Stätten abzuschätzen und Schutzmaßnahmen zu planen.
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