Frankreich

Waldbrände in „noch nie dagewesenem Ausmaß“: Orte nahe Bordeaux werden evakuiert

Die schweren Waldbrände in Frankreich und Spanien halten an. Nahe Bordeaux werden Zehntausende Menschen zur Evakuierung aufgefordert.

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Strandbesucher sitzen am Strand von Moutchic in Lacanau im Südwesten Frankreichs, während Rauchwolken von einem Waldbrand in den Himmel aufsteigen.

Strandbesucher sitzen am Strand von Moutchic in Lacanau im Südwesten Frankreichs, während Rauchwolken von einem Waldbrand in den Himmel aufsteigen.

© Maximilien Lamy/AFP/dpa

Die schweren Waldbrände in Frankreich und Spanien haben Zehntausende Menschen zur Flucht gezwungen. Die Nachrichtenagentur AFP meldete am Samstag, allein im Südwesten Frankreichs seien bislang rund 141.000 Menschen evakuiert worden, im Großraum Madrid weitere rund 25.000.

Die BBC berichtete, die Zahl der Menschen, die in Frankreich und Spanien ihre Häuser verlassen mussten oder dazu aufgefordert wurden, sei auf mehr als 220.000 gestiegen, nachdem die Behörden die Evakuierung von fast 60.000 Menschen nahe Bordeaux angeordnet hatten. Die Präfektin Sophie Brocas erklärte laut Reuters, die Gebiete von Le Haillan, Eysines und Merignac in der Nähe von Bordeaux würden geräumt.

Frankreich: Feuer in „noch nie dagewesenem Ausmaß“

Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez erklärte laut AFP, das Land habe Brände in diesem Ausmaß noch nie erlebt. Gegenüber dem Sender TF1 sprach er nach BBC-Angaben von einem „sich selbst erhaltenden“ Feuer in Gironde, das die Richtung ändere und sich am Freitagabend auf Bordeaux zubewegt habe. Rund 50 Feuerwehrleute seien verletzt worden. Die Einsatzkräfte würden ihre Strategie anpassen, um den Brand am Boden einzudämmen und ein Übergreifen Richtung Bordeaux zu verhindern.

Der französische Premierminister Sébastien Lecornu schrieb auf X, die Brände in Frankreich hätten „ein noch nie dagewesenes Ausmaß“ erreicht. Es handle sich in der Gironde um ein „konvektives Feuer“ – einen Brand, der eigene Winde erzeuge, seine Ausbreitung beschleunige und plötzlich die Richtung ändern könne. Spezialisten des Zivilschutzes hätten ein solches Phänomen zuvor noch nie erlebt, so Lecornu. Als Priorität nannte er den Schutz von Menschenleben; die von den Präfekten angeordneten Evakuierungen seien Schutzmaßnahmen und müssten unverzüglich befolgt werden.

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Lecornu erklärte, 1000 Militärangehörige würden zur Unterstützung der Feuerwehrleute eingesetzt, dazu acht mobile Einheiten von Polizei und Gendarmerie zur Unterstützung der Evakuierungen. Der Sanitätsdienst der Streitkräfte werde mobilisiert, um besonders gefährdete Menschen zu versorgen; noch am selben Abend sollten 1,5 Millionen FFP2-Masken in die Gironde geliefert werden. Präsident Emmanuel Macron hatte die Streitkräfte nach Angaben seines Umfelds zuvor aufgefordert, den Zivilschutz „mit maximaler Verstärkung“ zu unterstützen, berichtete AFP.

Halbinsel Cap-Ferret vollständig geräumt

Auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Cap-Ferret ordneten die Behörden eine vollständige Evakuierung an. Wie die Zeitung Le Parisien berichtete, hatte das Feuer gegen 1 Uhr nachts trotz intensiver Löscharbeiten eine angelegte Brandschutzlinie durchbrochen. Präfektin Sophie Brocas ordnete daraufhin die Räumung „Dorf für Dorf, von Claouey bis zur Spitze von Cap-Ferret“ an – über eine Landstraße in Richtung Bordeaux und mit Schiffen. Den Brand in der Gironde bezeichnete Präfektin Brocas als „XXL“-Feuer.

Weiter südlich, nahe Biscarrosse in der Region Landes, zwang ein weiterer Brand nach BBC-Angaben mehr als 23.000 Menschen zur Flucht – aus Wohnhäusern, von Campingplätzen, aus einem Pflegeheim und einem Ferienlager. Bürgermeister Philippe de Gonneville aus dem schwer betroffenen Lège-Cap Ferret sagte laut BBC, die Region habe seit anderthalb Monaten „extreme Wetterbedingungen“ ohne Regen erlebt: „So etwas ist beispiellos.“

Das Feuer könnte laut Staatsanwaltschaft durch eine Freischneidemaschine ausgelöst worden sein, die bei Arbeiten an einer Hochspannungsleitung eingesetzt wurde, so die AFP. Deren Nutzung war zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt. Zusätzlich ermittelten die Behörden gegen zwei Männer wegen Gefährdung des Lebens anderer, nachdem sie beim Rauchen in Waldgebieten angetroffen worden waren – bei einem stellten Gendarmen fest, dass er am Vortag neben seinem Lagerplatz einen Grill entzündet hatte.

Spanien ruft den nationalen Notstand aus

Rund um Madrid verschärfte sich die Lage ebenfalls. Die spanische Regierung rief nach BBC-Angaben den nationalen Notstand aus; 25.000 Menschen wurden zur Evakuierung aufgefordert, fast 40.000 weitere sollten in Gebäuden bleiben. Westlich der Hauptstadt waren zuvor drei Feuer zu einem einzigen Großbrand verschmolzen.

„Der Brand ist auf seinem Höhepunkt und liegt derzeit jenseits der Kapazität der Feuerwehr, ihn einzudämmen“, sagte Carlos Novillo, Chef des Katastrophenschutzes der Regionalregierung Madrid. Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso sprach vom „schlimmsten Brand in der Geschichte der Region“ und einer „Katastrophe“.

Die Europäische Union entsandte nach Angaben der Kommission Löschflugzeuge und Hubschrauber zur Unterstützung in Spanien und Frankreich. Laut BBC aktivierte Frankreich den EU-Katastrophenschutzmechanismus und erhielt Verstärkung, darunter zwei Black-Hawk-Hubschrauber aus Tschechien und der Slowakei. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte AFP zufolge, Deutschland sei bereit, Frankreich in diesem Rahmen zu unterstützen. Auch Italien meldete Brände, besonders auf Sizilien, wo ein Feuerwehrmann bei einem Einsatz ums Leben kam. (mit AFP)

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