Auf dem Christopher Street Day habe ich Joshi getroffen. Joshi kommt aus einem Dorf in Bayern. Im Herbst will er nach Berlin ziehen. Eine Ausbildung als Notfallsanitäter möchte er machen. Und dann Medizin studieren. Aus Spaß habe ich Joshi gefragt, ob er mich notfalls wiederbeleben könnte. Es war nur ein dummer Spruch. Unüberlegt. Ein blöder Scherz in einem heiteren Moment. Ich hätte nie gedacht, dass wir in jener Nacht noch weinen würden. Um eine Tote und um 29 Verletzte.
Der Nachmittag war zauberschön. Wir fuhren mit auf einem Truck unter der Sommersonne, natürlich eingecremt. Die Stimmung war ausgelassen. Ich weiß, dass es Menschen gibt, denen all das auf dem CSD „zu laut“, „zu schrill“, „zu grell“ ist. Aber vielleicht sollten sie auch mal darüber nachdenken, wie trist der Alltag für queere Menschen oft sein kann. Als Kind und Jugendlicher: Mobbing und Drangsal auf dem Schulhof. Mitunter hart wie Betonboden oder Baseballschläger. Als Erwachsener: immer noch Angst, Händchen zu halten in U7 und U8. Und in U1, U2, U3, U4, U5, U6, U9. Oder auf dem Dorfweg in Bayern.
CSD
Berliner CSD 2026: Warum ich mich auch an das Schöne dieses Tages noch erinnern will
Unser Autor war auf dem Berliner Christopher Street Day. Es war der schönste CSD für ihn – bis er es dann nicht mehr war. Trotzdem will er sich nicht nur an den Terror erinnern.
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Blauer Himmel war gestern: Regenbogenflagge. (Symbolbild)
© Marijan Murat/dpa
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