Pfiffig

„Wir hatten es gut da unten“: Ehepaar (89 und 94) zieht bei 42 Grad in den Keller

Ein Ehepaar in Frankreich hat die Hitzewelle im Keller verbracht: 37 Grad im Obergeschoss, 24 Grad im Souterrain. Was den Keller kühl hält.

5 Min
Ein Keller verteuert den Hausbau um etwa 10 bis 20 Prozent. In der Hitze zahlt sich das aus (Symbolbild)

Ein Keller verteuert den Hausbau um etwa 10 bis 20 Prozent. In der Hitze zahlt sich das aus (Symbolbild)

© IMAGO/Markus Matzel

Als Marie-Madeleine und Serge Vasseur 1998 in Mûrs-Érigné südlich von Angers bauten, ließen sie den Bagger tiefer in den Hang graben, als nötig gewesen wäre. Bis auf den Schieferfels.

Herausgekommen ist ein halb eingegrabenes Untergeschoss über die gesamte Grundfläche des Hauses. Knapp 90 Quadratmeter, gefliest, zwei Meter Deckenhöhe.

Damals galt so etwas als Marotte aus der Nachkriegszeit. In diesem Sommer wurde es zum Wohnzimmer.

Das Paar, sie ist 89, er 94, hat die drei Hitzewellen dieses Sommers weitgehend unter der Erde verbracht. Geschlafen wird unten. Gekocht auch.

42 Grad draußen, 25 Grad im Keller

Serge Vasseur hat die Werte im Blick behalten. „Als es sehr heiß war, hatten wir 37 Grad im Obergeschoss, 27 unten und 24 im Souterrain“, sagt er dem Courrier de l’Ouest.

Selbst als das Thermometer draußen auf 42 Grad kletterte, stieg es im Untergeschoss nie über 25 oder 26 Grad.

Entscheidend waren die Nächte. Rund ein Dutzend Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fiel, haben die Region in den vergangenen zwei Monaten belastet.

Der Keller zählt als Wohnfläche

Das Zimmer im Souterrain ist keine Notlösung, sondern offiziell als Wohnfläche anerkannt. Die Decke ist hoch genug, und es gibt eine Öffnung nach draußen, dort, wo die Rampe zur Garage abfällt.

Dazu kommt eine zweite Küche unten. So blieben die Haupträume im Erdgeschoss den ganzen Tag abgedunkelt und mussten nicht aufgeheizt werden.

„Ich frage mich, wie die Leute in Wohnungen das gemacht haben“, sagt Marie-Madeleine Vasseur.

30 Nachbarn befragt: überall 24 Grad

Yann Gledel wohnt im selben Viertel Bellevue, das in den siebziger Jahren entstand. Der frühere Busfahrer hat rund 30 Nachbarn mit Keller abgeklappert und nachgefragt.

Das Ergebnis war überall ähnlich: konstant etwa 24 Grad unter der Erde, während es ebenerdig zwischen 28 und 33 Grad lag.

Genutzt hat das kaum jemand. Die meisten stellen dort weiterhin Werkzeug und Kisten ab, statt sich unten einzurichten, berichtet die Zeitung.

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Gledel hält das für einen Fehler. In Einfamilienhäusern seien die oberen Etagen während einer Hitzewelle schlicht unbewohnbar geworden, sagt er, und das künftig womöglich über zwei oder drei Monate.

Seine Konsequenz geht weiter: Wer marokkanisches Wetter habe, solle auch bauen wie in Marokko. Statt Satteldächern aus Schiefer schweben ihm begrünte Dachterrassen mit Solarpaneelen vor.

Rund 30 Nachbarn hat Yann Gledel befragt. Fast alle nutzen ihr Untergeschoss bis heute nur als Abstellraum (Symbolbild).

Rund 30 Nachbarn hat Yann Gledel befragt. Fast alle nutzen ihr Untergeschoss bis heute nur als Abstellraum (Symbolbild).

© IMAGO

Deckenventilator für unter 150 Euro

Bis dahin empfiehlt er etwas deutlich Einfacheres: einen Deckenventilator. Billiger als eine Klimaanlage und sparsamer im Verbrauch.

Seiner hat weniger als 150 Euro gekostet und dient ihm per Fernbedienung zugleich als Deckenlampe. Studien zufolge liegt der gefühlte Kühleffekt bei etwa 5 Grad.

Ein Nebeneffekt gefällt ihm besonders: Der Luftzug hält Mücken fern. Der Staat, findet Gledel, sollte einkommensschwache Haushalte bei solchen Anschaffungen unterstützen.

Maklerin warnt vor feuchten Kellern

Ganz so einfach ist die Rechnung nicht. Laure Desvaux, Immobilienmaklerin in Angers, hält den Keller nur unter einer Bedingung für einen Vorteil: Er muss gesund sein.

Gut belüftet, gut gedämmt und ohne aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk. Andernfalls werde aus dem kühlen Rückzugsort ein Sanierungsfall.

Wer im Untergeschoss ein Schlafzimmer oder einen Fitnessraum einrichten wolle, müsse deshalb zuerst die energetische Schwachstelle beseitigen. Sommerlicher Komfort sei bei Käufern binnen kurzer Zeit zu einem echten Thema geworden, sagt sie.

Im Neubau kostet der Keller 1000 Euro pro Quadratmeter

Im Neubau spielt das Thema bislang fast keine Rolle. Stéphane Landemaine, Geschäftsführer des Bauunternehmens Logémaine, zählt die Kunden, die seit seinem Einstieg 2012 nach einem Untergeschoss gefragt haben, an einer Hand ab.

Der Hauptgrund ist der Zuschnitt der Grundstücke. Für einen Keller mit befahrbarer Rampe fehlt schlicht der Platz.

Dazu kommen die Kosten. Mindestens 1000 Euro pro Quadratmeter, und darin ist der Ausbau noch nicht enthalten.

Der Trend gehe stattdessen zur reversiblen Luft-Luft-Heizung mit Wärmepumpe, sagt Landemaine. Im Süden Frankreichs ist die längst üblich, nördlich der Loire bislang weniger.

Gut gedämmte Neubauten wirken wie eine Thermoskanne

Ausgerechnet moderne Häuser haben in dieser Hitze ein Problem. Sie sind so dicht gedämmt, dass die Wärme, wenn sie einmal drin ist, kaum wieder hinauskommt.

Der Vergleich, der in Frankreich gerade die Runde macht: eine Thermoskanne. Wer diese Häuser kühlen will, kommt an einer Klimaanlage in einem oder mehreren Räumen kaum vorbei, wie sie in Nordafrika, den USA oder Japan Standard ist.

Zu wenig Platz für Bäume

Landemaine sieht noch eine zweite Lücke, und zwar auf Ebene der Neubaugebiete. Im Département Maine-et-Loire entstehen jedes Jahr rund 2000 Häuser.

Die Grundstücke messen im Schnitt 420 Quadratmeter bei 120 Quadratmetern Wohnfläche. Für große Bäume, die nach einigen Jahren Schatten werfen würden, bleibt da nichts übrig.

Verdichtung im Namen des Flächensparens habe eine Kehrseite, sagt er. Es sei Zeit, darüber neu nachzudenken.

Marie-Madeleine und Serge Vasseur beschäftigt das weniger. Sie sind am Abend die Treppe hinuntergegangen, ins Kühle, und haben geschlafen.

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