US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag nacheinander den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu im Oval Office empfangen. Beide Treffen bezeichnete das Weiße Haus als „positiv und produktiv“.
Die Ausgangslage war allerdings verschieden: Während sich das Verhältnis zwischen Trump und Selenskyj in den vergangenen Monaten offenbar verbessert hat, äußerte der Präsident vor dem Treffen mit Netanjahu öffentlich Kritik.
Beide Staatsgäste waren in Washington, um an der Trauerfeier für den plötzlich verstorbenen US-Senator Lindsey Graham teilzunehmen – einen einflussreichen Fürsprecher sowohl der Ukraine als auch Israels.
Warum die beiden Treffen zusammenhängen
Dass Trump beide Staatsgäste ausgerechnet am selben Tag empfängt, könnte auch einen inhaltlichen Grund haben. Der Ukraine-Krieg und der Iran-Konflikt greifen zunehmend ineinander. Als Wendepunkt gilt ein ukrainischer Angriff vom Wochenende, bei dem laut Selenskyj mit dem Iran verbundene Schiffe im Kaspischen Meer getroffen wurden.
Kiew bezeichnet die attackierten Frachter als Teil eines Versorgungsnetzes, über das iranische Munition, Artilleriegranaten und Komponenten für Shahed-Drohnen nach Russland gelangten. Das iranische Außenministerium erklärte hingegen, bei dem Angriff sei ein Matrose auf einem iranischen Handelsschiff getötet und ein weiterer verletzt worden, und sprach von einem „feindseligen und kriminellen Akt“.
Das Kaspische Meer galt bislang als eines der wenigen Gewässer, die Russland weitgehend ungestört nutzen konnte.
Trump und Selenskyj: Von der Krise zur Annäherung
Das Verhältnis der beiden Präsidenten hat sich zuletzt deutlich gewandelt. Noch vor gut einem Jahr endete ein Treffen im Oval Office im offenen Streit, Trump nannte Selenskyj zeitweise einen „Diktator“ und stoppte danach Militärhilfe und Geheimdienstinformationen. Nach dem jüngsten Gespräch schrieb Selenskyj auf X von „einem guten Treffen mit Präsident Trump“.
Laut Selenskyj sprachen beide unter anderem über Lizenzen zur Produktion von Patriot-Abfangraketen sowie über „mehrere weitere Ideen, die helfen könnten“. Auch die „Diplomatie“ war Thema: Es sei wichtig, dass der Prozess neu belebt werde, schrieb Selenskyj in Anspielung auf die Friedensverhandlungen mit Russland. Ihre Teams sollen die weiteren Schritte abstimmen.
Nach Informationen der Financial Times wollen Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner bald nach Kiew reisen, um an einer Beendigung des Krieges zu arbeiten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj traf sich mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus.
© Zelenskyy Social Media Account/imago
Hintergrund: Trumps veränderte Haltung zur Ukraine
Trump war lange überzeugt, die Ukraine verliere den Krieg. Zuletzt zeigte er sich laut Wall Street Journal jedoch auch beeindruckt von Selenskyjs Durchhaltevermögen und von ukrainischen Erfolgen mit Angriffen auf russischem Gebiet.
Eine Rolle spielt dabei die ukrainische Drohnenindustrie. Die Produktion stieg laut ukrainischer Regierung von rund 5000 Drohnen im Jahr 2022 auf mehrere Millionen im Jahr 2026. Zugleich hat die Ukraine viel Erfahrung darin gesammelt, iranische Shahed-Drohnen abzuwehren – also genau die Art von Angriffen, mit denen sich auch die USA und ihre Verbündeten im Iran-Krieg konfrontiert sehen. Für Washington ist dieses Abwehr-Know-how deshalb von Interesse.
„Präsident Trump will da sein, wo Erfolg ist“, sagte Selenskyj der Financial Times. Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter erklärte dem Wall Street Journal, Trump schätze Gewinner – und Selenskyj wirke zunehmend wie einer.
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Trump und Netanjahu: Kritik im Vorfeld
Das zweite Treffen wurde von öffentlicher Verstimmung begleitet. Trump äußerte gegenüber „Fox & Friends“ Ärger darüber, dass Netanjahus geplante Gesprächspunkte zum Iran vorab öffentlich bekannt geworden seien, wie etwa israelische Geheimdienstinformationen zum Iran.
„Ich brauche Bibi nicht, um mir das zu sagen. Bibi sagt es mir, weil er will, dass ich engagiert bleibe“, so Trump laut Reuters mit Blick auf die unterirdische iranische Anlage am „Pickaxe Mountain“. „Warum sagst du es mir nicht einfach? Warum musst du es der ganzen Welt verkünden?“
Trotz der Spannungen zeigten von Netanjahus Büro auf X veröffentlichte Fotos beide Politiker lächelnd im Oval Office. Ein israelischer Offizieller sprach von einem „sehr guten und sehr positiven Treffen“. Netanjahu habe Trump nach Angaben israelischer Medien Geheimdienstinformationen zum Iran vorgelegt und mitgeteilt, man sehe keine andere Wahl als einen erneuten Angriff.
Zwei Kriege an einem kritischen Punkt
Beide Konflikte stehen an einem Wendepunkt. Im Iran-Krieg hat Trump nach dem Zusammenbruch einer Waffenruhe US-Luftangriffe nach eigenen Angaben ausgesetzt, um der Diplomatie eine Chance zu geben.
Im Ukraine-Krieg hofft Kiew auf zusätzliche Unterstützung aus Washington. Einige Republikaner und Analysten spekulieren laut Wall Street Journal und New York Times, dass auch der Tod von Senator Graham Trumps Haltung zur Ukraine beeinflussen könnte.
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