Das Joint War Committee der Londoner Versicherungswirtschaft hat die Hochrisikozone im Roten Meer deutlich nach Norden ausgedehnt. In einem Rundschreiben vom Mittwoch setzte das Gremium die Nordgrenze auf 25,5 Grad nördlicher Breite.
Damit fallen weite Teile der saudischen Rotmeerküste einschließlich der Häfen Dschidda, Yanbu und der Region um Jizan in das als kriegsgefährdet gelistete Gebiet. Das Fachmedium The Insurer bestätigte am Donnerstag die Entscheidung.
Das Joint War Committee ist ein Zusammenschluss von Vertretern des Versicherungsmarkts Lloyd's und der International Underwriting Association, dem Verband der in London tätigen Versicherungsgesellschaften. Seine Einstufungen dienen Versicherern als Orientierung für die Berechnung von Kriegsrisikoprämien, also Zuschlägen, die Reeder für Fahrten in Konfliktgebiete zahlen müssen, in der Schifffahrt.
Prämien steigen binnen 24 Stunden
Die Prämien für Fahrten in nördlich gelegene saudische Häfen sind laut der Nachrichtenagentur Reuters innerhalb eines Tages von 0,25 auf ein Prozent des Schiffswerts gestiegen. Reuters beruft sich dabei auf Quellen aus der Versicherungsbranche.
Für Fahrten durch das südliche Rote Meer liegen die Sätze demnach bereits zwischen ein und zwei Prozent, nach 0,3 Prozent vor Beginn der jüngsten Angriffsserie. Schon geringe Zuschläge bedeuten bei einer siebentägigen Reise Zusatzkosten in US-Dollar in sechsstelliger Höhe.
Neil Roberts, Leiter Marine und Luftfahrt bei der Lloyd's Market Association, dem Londoner Versicherungsverband, und Sekretär des Joint War Committee, erklärte laut Reuters, die Anpassung spiegele die jüngste Eskalation durch die Huthi und deren Angriffe auf saudische Schiffe im Roten Meer wider.
Angriffe auf saudische Schiffe und Anlagen
Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz hatte am 20. Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verkündet und damit im Iran-Krieg eine neue Front gegen die USA und ihre Verbündeten eröffnet. In den ersten Tagen danach wurden nach Angaben des Joint War Committee zwei mit Saudi-Arabien verbundene Schiffe angegriffen.
Der unter saudischer Flagge fahrende Produktentanker „Encelia“ wurde laut dem Fachdienst Seatrade Maritime am 22. Juli nach dem Auslaufen aus Yanbu getroffen, an Bord brach ein Feuer aus.
Am vergangenen Wochenende erklärten die Huthi laut Seatrade, sie hätten Aramco-Anlagen in Jizan und Yanbu mit Raketen und Drohnen angegriffen. In Yanbu seien zwei ballistische Raketen von einer in Saudi-Arabien vom griechischen Militär betriebenen Patriot-Batterie abgefangen worden, berichtete Seatrade.
Saudi-Arabien hatte zuletzt die Menge des über die Ost-West-Pipeline nach Yanbu am Roten Meer transportierten Rohöls stark erhöht.
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