Nach einer Lawine am Broad Peak im Norden Pakistans haben Rettungsteams vier Leichen geborgen. Ihre Identitäten seien noch nicht geklärt, berichtete die Kathmandu Post am Freitag unter Berufung auf Irfan Arshad Khan, den Präsidenten des Alpine Club of Pakistan. Zu den vermissten Bergsteigern gehört der weltbekannte Rekordalpinist Nirmal Purja.
Der Alpine Club hatte zunächst mitgeteilt, seit dem Lawinenabgang bestehe zu zehn internationalen Bergsteigern kein Kontakt mehr. Unter ihnen sind demnach sechs Nepalesen sowie Bergsteiger aus Pakistan, den Vereinigten Staaten, China und dem Oman. Die Betroffenen gehörten nach neueren Angaben mehreren Expeditionsteams an.
Hubschrauber suchen nach Nirmal Purja und weiteren Bergsteigern
Die Lawine ging am Donnerstag auf der Aufstiegsroute des 8047 Meter hohen Berges ab. Nach Informationen des auf Höhenbergsteigen spezialisierten Portals ExplorersWeb traf sie die Gruppe vermutlich zwischen Camp II und Camp III in etwa 6660 Metern Höhe. Die Ortungsgeräte mehrerer Bergsteiger hätten anschließend angezeigt, dass sie mehrere Hundert Meter abstürzten oder von den Schneemassen mitgerissen wurden. Diese Angaben waren zunächst nicht von pakistanischen Behörden bestätigt.
Schlechtes Wetter verhinderte zunächst den Einsatz von Hubschraubern. Am Freitag schickte die pakistanische Armee zwei Maschinen mit Rettungskräften und Spezialausrüstung zum Broad Peak. Bodenteams hatten bereits zuvor mit der Suche begonnen. Der Zustand und der genaue Aufenthaltsort der übrigen Bergsteiger waren zunächst unbekannt.
Für vorsichtige Hoffnung sorgten Daten eines Ortungsgeräts von Nirmal Purja. Sein Geschäftspartner Mingma Gyabu Sherpa erklärte, die angezeigte Position habe sich nach dem Lawinenabgang noch einmal verändert. Daraus lasse sich allerdings nicht ableiten, ob Purja selbst das Gerät bewegt habe oder in welchem Zustand er sich befinde.
Rekordbergsteiger Nirmal Purja bei seiner Rückkehr nach Kathmandu im Oktober 2024. Er gehört zu den zehn nach einer Lawine am Broad Peak vermissten Bergsteigern.
© Subaas Shrestha/imago
Zehn Bergsteiger aus fünf Ländern zunächst vermisst
Zu den zunächst Vermissten gehören neben Purja die nepalesischen Bergsteiger Pur Bahadur Gurung, Kili Pemba Sherpa, Nima Sherpa, Nawang Thindu Sherpa und Gyalu Sherpa. Auch der Pakistaner Sohail Sakhi, die US-Amerikanerin Mallory Geis, Wang Zhong aus China und die omanische Bergsteigerin Nadhira Ahmed Abdullah Al Harthy waren nach Angaben des Alpine Club nicht erreichbar.
Ob sich die vier geborgenen Toten unter diesen zehn Personen befinden, war zunächst nicht offiziell geklärt. Auch ihre Nationalitäten wurden nicht bekannt gegeben. Der Alpine Club erklärte, die Rettungsaktion werde in Abstimmung mit staatlichen Stellen und den beteiligten Expeditionsteams fortgesetzt.
Die 39-jährige Mallory Geis aus Texas versuchte nach Angaben der Nachrichtenagentur AP erstmals, einen Achttausender in Pakistan zu besteigen. Für den erfahrenen einheimischen Bergführer und Höhenfotografen Sohail Sakhi sollte es nach Angaben seines Expeditionsanbieters voraussichtlich die letzte große Achttausender-Expedition werden.
Nirmal Purja wurde mit Netflix-Dokumentation weltberühmt
Purja, der unter dem Namen Nimsdai bekannt ist, wurde in Nepal geboren und besitzt die britische Staatsbürgerschaft. Der frühere Royal Marine bestieg 2019 alle 14 Berge mit einer Höhe von mehr als 8000 Metern innerhalb von 189 Tagen. Es war damals ein Weltrekord. Seine Expedition wurde in der Netflix-Dokumentation „14 Peaks: Nothing Is Impossible“ begleitet.
Den Aufstieg zum Broad Peak hatte Purja offenbar erst kurzfristig in seine Pakistan-Expedition aufgenommen. Wenige Tage vor dem Unglück schrieb er, mit einer weiteren Besteigung des Berges würde ihm nur noch der Cho Oyu fehlen, um als erster Mensch alle 14 Achttausender zweimal ohne zusätzlichen Sauerstoff zu besteigen.
Der Broad Peak liegt im Karakorum nahe der Grenze zwischen Pakistan und China. Er ist der zwölfthöchste Berg der Erde. Sein Name verweist auf den ungewöhnlich breiten, mehr als einen Kilometer langen Gipfelgrat.
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