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Orkanböen bis 120 km/h: Thüringen und Sachsen im Zentrum der Unwetter

Unwetterwarnung für Ostdeutschland: Der DWD erwartet in Thüringen und Sachsen Hagel um drei Zentimeter und Orkanböen bis zu 120 km/h.

5 Min
Der DWD warnt am Freitagnachmittag für Ostdeutschland vor Starkregen, Hagel und Böen bis 120 km/h.

Der DWD warnt am Freitagnachmittag für Ostdeutschland vor Starkregen, Hagel und Böen bis 120 km/h.

© Imago

Hagelkörner von drei Zentimetern Durchmesser, mehr als 30 Liter Regen pro Quadratmeter in kurzer Zeit, Böen bis 120 Kilometer pro Stunde: Für diesen Freitagnachmittag warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor schweren Gewittern.

Das größte Risiko liegt nach Einschätzung der Meteorologen in Thüringen und Sachsen.

Verantwortlich ist eine Luftmassengrenze, die quer durch die Republik läuft. Sie trennt die heiße Luft im Südosten von deutlich kühlerer Luft im Norden, und entlang dieser Naht bilden sich die kräftigsten Gewitterzellen.

Die Unwetterlinie endet im Oderbruch

Der DWD zieht für Nachmittag und Abend eine Linie von der Mosel bis zum Oderbruch. Südlich und südöstlich davon bauen sich die Gewitter auf. Damit liegt fast ganz Ostdeutschland im gefährdeten Bereich: Thüringen, Sachsen, weite Teile Sachsen-Anhalts, Südbrandenburg und die Lausitz.

DWD-Meteorologe Marcus Beyer nannte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur drei Schwerpunkte für den Tag: den Osten, den Nordwesten und den Süden.

Wo genau die stärksten Zellen niedergehen, lässt sich erst kurzfristig sagen. Bei solchen Lagen entscheiden wenige Kilometer darüber, ob ein Ort Sonne sieht oder eine vollgelaufene Unterführung.

Dunkle Wolkenwand über einer Feldlandschaft (Symbolbild): Fast ganz Ostdeutschland liegt am Freitag südlich der Unwetterlinie, die der DWD von der Mosel bis zum Oderbruch zieht.

Dunkle Wolkenwand über einer Feldlandschaft (Symbolbild): Fast ganz Ostdeutschland liegt am Freitag südlich der Unwetterlinie, die der DWD von der Mosel bis zum Oderbruch zieht.

© IMAGO/Rene Traut

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Thüringen: Höchstwerte bis 39 Grad, dann orkanartige Böen

Thüringen zählt der DWD zusammen mit Sachsen zur Zone mit der höchsten Unwettergefahr. Möglich sind dort Starkregen, Hagel und orkanartige Böen.

Die Hitze bleibt bis zum Umschwung bestehen. Im Tiefland wurden zuletzt Höchstwerte um 34 bis 39 Grad erreicht, im Bergland lagen sie rund fünf Grad darunter.

Kritisch wird der späte Nachmittag, wenn der Wind abrupt auf West dreht. Dann sind auch abseits der Gewitter Sturmböen möglich.

Sachsen: bis 36 Grad in der Lausitz

In Sachsen bleibt es tagsüber wechselnd bewölkt mit heiteren Abschnitten. Die Höchstwerte liegen bei 32 bis 34 Grad, in der Lausitz vereinzelt bei bis zu 36 Grad, im Bergland bei 27 bis 31 Grad.

Im Tagesverlauf ziehen örtlich kräftige Schauer und Gewitter auf, lokal unwetterartig mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. Am Sonntag rechnet der DWD im Erzgebirge nachmittags erneut mit Schauern bei 23 bis 26 Grad, im übrigen Sachsen mit 27 bis 30 Grad.

Sachsen-Anhalt: Es wird erst in der Nacht ernst

In Sachsen-Anhalt bleibt der Nachmittag bei vereinzelten Gewittern. Erst ab dem Abend werden kräftige Schauer und Gewitter häufiger, mit Starkregengefahr, vereinzelt Hagel und Sturmböen.

Die Höchstwerte erreichen 28 bis 33 Grad, im Harz 25 bis 27 Grad.

In der Nacht zum Samstag zieht von Südwesten schauerartiger, teils gewittriger Regen durch, nach DWD-Einschätzung teils unwetterartig mit örtlichem Starkregen.

Der Samstag bringt dann Entlastung: 24 bis 26 Grad, im Harz 20 bis 23 Grad, von Nordwesten her zunehmend trocken.

Berlin und Brandenburg: Gewitter ziehen nordostwärts

Für Berlin und Brandenburg gilt Unwettergefahr durch Starkregen, örtlich auch durch Hagel und Sturmböen. Die Zellen breiten sich ab dem Nachmittag nordostwärts aus.

Die Temperaturen reichen von 28 Grad in der Prignitz bis zu rund 34 Grad in der Niederlausitz.

Zum Abend und in der Nacht zum Samstag verschärft sich die Lage. Von Südwesten ziehen dann häufiger kräftige Schauer und Gewitter auf.

Der Samstag startet mit dichter Bewölkung und schauerartigem Regen, die Höchstwerte sinken auf 23 bis 27 Grad. In der Nacht zum Sonntag kühlt es auf 10 bis 15 Grad ab.

Für die Felder im Osten kommt der Regen zu spät

30 Liter Regen pro Quadratmeter klingen nach Erlösung für eine Region, die seit Monaten zu trocken ist. Für die Böden in Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist das aber kein Segen, sondern ein zusätzliches Problem.

Ausgetrockneter Oberboden nimmt Wasser in dieser Menge kaum auf. Der Starkregen läuft oberflächlich ab, reißt Erde mit und versickert kaum dort, wo die Wurzeln ihn bräuchten.

Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig weist für Brandenburg, Sachsen-Anhalt sowie Teile von Sachsen und Thüringen seit Wochen Trockenstress im Oberboden aus.

Hinzu kommt: Die Getreideernte läuft. Sturmböen und Hagel treffen Bestände, die kurz vor dem Drusch stehen, und Nässe auf dem Halm drückt zusätzlich auf die Qualität.

Ab Montag wieder bis 38 Grad

Die Abkühlung hält nur bis zum Wochenstart. Der Sonntag zeigt sich im Osten heiter bis wolkig bei 27 bis 30 Grad, nur vereinzelt sind Schauer möglich.

Schon in der Nacht zum Montag nimmt die Bewölkung von Südwesten wieder zu. Vor allem im südlichen Brandenburg und in Sachsen steigt die Gewitterneigung erneut.

Für Montag erwartet der DWD abseits des Nordens wieder 31 bis 38 Grad, dazu neue Unwettergefahr.

Was am Nachmittag zu tun ist

Wichtiger als jede Vorhersage ist die kleinräumige Warnlage. Der DWD gibt seine Warnungen einzeln für jeden Landkreis aus und aktualisiert sie im Stundentakt.

Wer am Nachmittag an einem Badesee ist, sollte das Wasser bei den ersten Blitzen verlassen. Über offenen Flächen sind Böen dieser Stärke gefährlicher als der Regen.

Autofahrer sollten Unterführungen und Senken meiden. Bei 30 Litern in kurzer Zeit stehen sie innerhalb von Minuten voll.

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