Fußball-Machtkampf

„Schäbiger Deal“: Uefa entzieht Infantino das Vertrauen und fordert Konsequenzen

Gianni Infantino hat seinen Investorenplan aufgegeben, doch die Revolte endet nicht. Die Uefa verlangt eine grundlegende Untersuchung und schließt Folgen für die Fifa-Führung nicht aus.

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Uefa-Präsident Aleksander Čeferin im Gespräch mit Fifa-Chef Gianni Infantino. Die Uefa hat Infantino öffentlich das Vertrauen entzogen.

Uefa-Präsident Aleksander Čeferin im Gespräch mit Fifa-Chef Gianni Infantino. Die Uefa hat Infantino öffentlich das Vertrauen entzogen.

© Robert Michael/dpa

Der Rückzug sollte den schwersten Machtkampf seiner bisherigen Amtszeit beenden. Stattdessen gerät Gianni Infantino nun selbst immer stärker unter Druck. Nur wenige Stunden nachdem der Fifa-Präsident seine Investorenpläne aufgegeben hatte, erklärte die Uefa, die derzeitige Führung des Weltverbandes habe ihr Vertrauen verloren.

„Die aktuelle Fifa-Führung hat nicht nur das Vertrauen der Uefa verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie“, teilte der europäische Kontinentalverband am Samstag mit. Der gescheiterte Plan sei ein „schäbiger und undurchsichtiger Deal“ gewesen, der im Hintergrund vorbereitet und anschließend durchgesetzt werden sollte.

Uefa über Fifa-Krise: „Keine Option sollte vom Tisch sein“

Den Verzicht auf das Projekt begrüßte die Uefa als „Sieg für den gesamten Fußball“. Damit dürfe die Angelegenheit jedoch nicht erledigt sein. Gemeinsam mit ihren Mitgliedsverbänden und anderen Kontinentalverbänden will sie nun untersuchen, wie ein Vorhaben dieser Größenordnung ohne breite Beteiligung vorbereitet werden konnte.

„Wir können nicht so weitermachen mit geheimen Plänen unter beschleunigten Zeitvorgaben, ausgeheckt von gesichtslosen Personen und von zweifelhaftem Nutzen für den Fußball“, erklärte die Uefa. Die Verantwortlichen müssten identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden. Die angekündigte Überprüfung solle „gründlich und fundamental“ ausfallen. „Keine Option sollte vom Tisch sein.“

Ein formelles Misstrauensvotum oder eine ausdrückliche Rücktrittsforderung ist die Erklärung nicht. Politisch geht sie jedoch weit darüber hinaus, lediglich eine bessere Kommunikation zu verlangen. Die Uefa stellt die gesamte Führung des Weltverbandes infrage und hält sich offen, welche Konsequenzen sie daraus zieht.

Uefa-Vizepräsidentin Laura McAllister sprach die Frage nach Infantinos Zukunft bereits offen aus. Das Vertrauen in den Fifa-Präsidenten sei in dieser Woche „schwer erschüttert“ worden, sagte sie der BBC. Es sei berechtigt zu fragen, ob Infantino noch der richtige Mann sei, um den Weltverband zu führen.

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Infantino stoppt Investorenplan ohne Schuldeingeständnis

Infantino hatte das Projekt Fifa Forward Enterprise in der Nacht zum Samstag überraschend aufgegeben. Es sei nach den Gesprächen deutlich geworden, dass der Vorschlag Spaltungen verursacht habe, die dem ursprünglich angestrebten Ziel nicht mehr dienten, erklärte er.

Die Tochtergesellschaft sollte nach Infantinos Darstellung die nationalen Verbände stärken und besonders Ländern zugutekommen, die finanzielle Unterstützung benötigten. „Unser Ziel war es stets, und wird es auch immer bleiben, zu vereinen und zu verbessern“, erklärte der Fifa-Präsident. Der Vorschlag werde deshalb nicht weiterverfolgt.

Eine Entschuldigung oder ein Eingeständnis eigener Fehler enthielt die Erklärung nicht. Infantino kündigte stattdessen an, die beteiligten Verbände und Funktionäre in den kommenden Wochen wieder zusammenbringen zu wollen. Auch auf die Kritik an der weitgehend geheimen Vorbereitung des Vorhabens ging er nicht konkret ein.

Fifa wollte 4,2 Milliarden US-Dollar von Investoren

Der Weltverband hatte die Gründung von Fifa Forward Enterprise erst am Dienstag öffentlich gemacht. Die neue Gesellschaft sollte die kommerziellen Rechte und die Organisation sämtlicher Fifa-Turniere bündeln. Dazu zählen die Männer- und Frauen-Weltmeisterschaften sowie Einnahmen aus Übertragungsrechten, Sponsoring, Tickets und Lizenzen.

Die Fifa bewertete das Unternehmen zunächst mit 20 Milliarden US-Dollar. Private Investoren sollten Minderheitsanteile von insgesamt bis zu 20 Prozent erwerben und dafür bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar zahlen. Der Weltverband versicherte, die alleinige Kontrolle über sportliche Entscheidungen, Wettbewerbe und Regeln zu behalten.

Infantino verband das Projekt mit erheblich höheren Zahlungen an die 211 nationalen Mitgliedsverbände. Die reguläre Unterstützung sollte für den Zeitraum von 2027 bis 2030 von acht Millionen auf 20 Millionen US-Dollar je Verband steigen. Die Zustimmung einer einfachen Mehrheit der Mitgliedsverbände hätte für die Umsetzung ausgereicht.

Boykottdrohung und Revolte in der Fifa bringen Plan zu Fall

Der Widerstand formierte sich innerhalb weniger Tage. Alle 55 europäischen Mitgliedsverbände beschlossen einstimmig, Fifa-Wettbewerbe zu boykottieren, sollte das Projekt umgesetzt werden. Auch die asiatische AFC und die Concacaf für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik lehnten das Vorhaben ab. Sie kritisierten vor allem, dass sie vor der öffentlichen Ankündigung nicht ausreichend einbezogen worden seien.

Am Freitag erreichte die Revolte Infantinos unmittelbares Umfeld. Sein leitender Berater Carlos Cordeiro trat zurück und bezeichnete das Vorhaben als „schlecht für den Fußball“. Fifa-Geschäftsführer Kevin Lamour erklärte, Mitarbeiter seien getäuscht worden. Er sprach vom „Projekt einer Person“ und stellte sich damit öffentlich gegen den Präsidenten.

Noch am Freitag hatte die Fifa den Plan verteidigt und erklärt, die Konsultationen würden fortgesetzt. Wenige Stunden später war das Projekt beendet. Insgesamt lagen zwischen der öffentlichen Vorstellung und dem Rückzug weniger als vier Tage.

PSG-Präsident Al-Khelaifi als möglicher Infantino-Gegner gehandelt

Die Krise trifft Infantino zu einem heiklen Zeitpunkt. Im April hatte er angekündigt, sich im kommenden Jahr erneut zur Wahl zu stellen. Der nächste Fifa-Kongress findet am 18. März 2027 in Rabat statt. Eine Wiederwahl würde seine Amtszeit bis 2031 verlängern.

Bis zum Investorenstreit galt Infantinos erneute Wahl weitgehend als Formsache. Er war 2019 und 2023 ohne Gegenkandidaten bestätigt worden und konnte sich auf die Unterstützung zahlreicher kleinerer Verbände verlassen, die stark von den Fifa-Programmen abhängig sind.

Nun suchen seine Gegner offenbar nach einem Herausforderer. In europäischen Funktionärskreisen wird nach Medienberichten Nasser Al-Khelaifi als möglicher Kandidat gehandelt. Der Präsident von Paris Saint-Germain verfügt als Vorsitzender des europäischen Klubverbandes über erheblichen Einfluss und ist eng in den europäischen Fußballstrukturen verankert. Ein Sprecher Al-Khelaifis erklärte der französischen Sportzeitung L’Équipe allerdings, dieser habe „absolut keine Ambitionen“ und keine Absicht, für das Fifa-Präsidentenamt zu kandidieren.

Als weiterer möglicher Gegenkandidat gilt Victor Montagliani. Der Präsident des nord- und mittelamerikanischen Verbandes Concacaf prüft nach Reuters-Informationen Schritte für eine Kandidatur. Eine gemeinsame Unterstützung aus Europa, Nordamerika und Teilen Asiens könnte Infantinos bislang komfortable Mehrheit erstmals ernsthaft gefährden.

Nach Einschätzung von Reuters ist es dennoch zu früh, Infantino abzuschreiben. Seine politische Position habe innerhalb weniger Tage erheblich gelitten, viele der 211 Mitgliedsverbände dürften ihm wegen der erheblichen Fifa-Zahlungen aber weiterhin verbunden sein.

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