Neapel-Supervulkan

Erdbeben Phlegräische Felder: Rekordstoß erschüttert Supervulkan – Forscher warnt vor dem Schlimmsten

Ein Rekordbeben erschüttert den Supervulkan bei Neapel. Mindestens 21 Menschen sind verletzt. Ein Forscher warnt sogar vor einem Ausbruch.

4 Min
Ein Blick auf die Schäden, die durch ein Erdbeben der Stärke 4,7 verursacht wurden.

Ein Blick auf die Schäden, die durch ein Erdbeben der Stärke 4,7 verursacht wurden.

© Alessandro Garofalo/LaPresse/AP/dpa

Ein Erdbeben mit noch nie gemessener Wucht hat die Phlegräischen Felder bei Neapel erschüttert. Am Freitagabend (31. Juli 2026) bebte der Supervulkan westlich der süditalienischen Stadt mit einer Magnitude von 4,7 – dem stärksten je registrierten Erdstoß in der Region. Mindestens 21 Menschen wurden verletzt, die Sachschäden sind erheblich. Für Anwohner, Urlauber und alle mit Bezug zur Region stellt sich die drängende Frage: Wie gefährlich wird die Lage rund um den Supervulkan?

Ein Vulkanologe des staatlichen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) warnt eindringlich – und nennt sogar einen möglichen Ausbruch. Dieser Überblick fasst zusammen, was passiert ist, wie die Behörden reagieren und wie Experten die Gefahr einschätzen.

Was ist an den Phlegräischen Feldern passiert?

Das Hauptbeben ereignete sich laut den vorliegenden Angaben am 31. Juli 2026 um 19.46 Uhr. Das Epizentrum lag im Bereich der Phlegräischen Felder, einem riesigen Vulkanfeld westlich von Neapel.

In Pozzuoli und im Westen Neapels stürzten Fassadenteile auf die Straßen, mindestens ein Auto wurde unter Trümmern begraben. Der nationale Krisenstab bezifferte die Zahl der Verletzten später auf 21, darunter zwei Schwerverletzte in Lebensgefahr.

In der Nacht und am Morgen des 1. August 2026 folgten zahlreiche Nachbeben, darunter ein spürbarer Stoß der Stärke 3,1 um 5.47 Uhr. Die Prüfung beschädigter Gebäude dauert an.

Forscher: „Wir müssen uns auf alles gefasst machen“

Professor Giuseppe De Natale, Vulkanologe und Forschungsleiter am INGV, warnt in einem Interview mit Fanpage.it davor, dass sich die Region auf noch größere Katastrophen einstellen muss.

De Natale ordnet das Beben nicht als überraschendes Ereignis ein. Es sei „die banale Bestätigung“, dass der seit 1950 andauernde vulkanische Prozess in den Phlegräischen Feldern stetig zunehme. Die Bodenhebung habe vor 76 Jahren begonnen, die Seismizität setzte demnach erst 1970 ein.

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Prozess wie im Jahr 1430

Der Forscher zieht eine historische Parallele: Der Prozess verlaufe ähnlich wie jener, der 1430 begann und 1538 im Ausbruch des Monte Nuovo gipfelte – der bislang letzten Eruption in dem Vulkanfeld.

Besonders scharf kritisiert De Natale die aus seiner Sicht mangelnde Vorsorge. „Die Wahrheit ist, dass wir ein Glücksspiel spielen – und die Behörden unternehmen so gut wie nichts“, wird er zitiert. Es sei an der Zeit, das Gebiet auf alle möglichen Ereignisse vorzubereiten, „einschließlich eines möglichen Ausbruchs“, dessen kurzfristige Wahrscheinlichkeit zwar gering, aber „keineswegs zu vernachlässigen“ sei.

Wie ordnen andere Experten das Beben ein?

Lucia Pappalardo, Leiterin des Vesuv-Observatoriums des INGV, dämpfte laut Il Fatto Quotidiano/Canale 21 Hoffnungen auf eine schnelle Beruhigung. Die Erdstöße würden in den kommenden Tagen anhalten.

Das Ereignis sei charakteristisch für den Zustand der Caldera in den vergangenen 20 Jahren, wobei die Aktivität in den letzten drei Jahren deutlich zugenommen habe. Die Bodenbeschleunigung im Epizentrum sei mit 80 bis 90 Prozent extrem hoch gewesen – höher als bei der Krise im März 2025.

Das Vulkanfeld Solfatara in der Kleinstadt Pozzuoli im Westen der italienischen Millionenmetropole Neapel. Das Gebiet gehört zum Supervulkan der Phlegräischen Felder.

Das Vulkanfeld Solfatara in der Kleinstadt Pozzuoli im Westen der italienischen Millionenmetropole Neapel. Das Gebiet gehört zum Supervulkan der Phlegräischen Felder.

© Christoph Sator/dpa

Es handele sich um das elfte Beben mit einer Magnitude über 4, verursacht durch die fortlaufende Entgasung des Vulkans.

Wie reagieren die Behörden vor Ort?

Anders als in der Ausgangsmeldung teils dargestellt, reagierten die Kommunen umgehend. Der Bürgermeister von Pozzuoli, Luigi Manzoni, bezeichnete die Lage als „kritisch“ und aktivierte das kommunale Operationszentrum (COC).

Für verängstigte Bürger richtete Pozzuoli das Sportzentrum „Palatrincone“ in Monteruscello als Notunterkunft mit 185 Betten ein. In Neapel aktivierte Bürgermeister Gaetano Manfredi ebenfalls den Krisenstab und öffnete eine Notunterkunft in Fuorigrotta.

Der Bürgermeister von Bacoli, Josi Gerardo della Ragione, sprach vom „stärksten Erdstoß aller Zeiten“, gab für seine Gemeinde aber zunächst Entwarnung: keine Verletzten, keine schweren Sachschäden.

Diese Maßnahmen wurden ergriffen

- Aktivierung der kommunalen Krisenstäbe (COC) in Neapel, Pozzuoli und Bacoli

- Notunterkünfte in Monteruscello (185 Betten) und in Fuorigrotta

- Komplette Sperrung des Hafens von Pozzuoli wegen tiefer Risse an den Anlegestellen Einstellung aller Fähr- und Schnellbootverbindungen nach Ischia und Procida

- Einberufung des nationalen Krisenstabs durch Zivilschutz-Chef Fabio Ciciliano.

Politik und nationale Ebene

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verfolgt die Lage laut Zivilschutzbehörde fortlaufend und steht im Austausch mit Zivilschutzminister Nello Musumeci, Untersekretär Alfredo Mantovano und dem Präfekten von Neapel, Michele di Bari.

Kritik kam vom Oppositionspolitiker Sandro Ruotolo (PD): Er forderte die Regierung Meloni auf, nach dem Rekordbeben unverzüglich konkrete Antworten für die Sicherheit der Bevölkerung vorzulegen.

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