Mehr als 300 Konten, auf denen nach Angaben der Trump Organization Millionenbeträge lagen, sollten innerhalb weniger Monate geschlossen werden. Als Capital One die Unternehmen der Familie im März 2021 darüber informierte, nannte die Bank öffentlich keinen konkreten Grund. Fünf Jahre später liefert nun der von der Trump Organization selbst angestoßene Rechtsstreit eine brisante Erklärung.
Capital One habe die Konten nach einer monatelangen Untersuchung durch Fachleute für Geldwäschebekämpfung geschlossen, heißt es in einer am Freitag eingereichten Gerichtsschrift. Die Prüfung sei nach den internen Regeln der Bank und den Vorgaben der US-Aufsichtsbehörden erfolgt. Capital One beantragt damit erneut, die Klage der Trump Organization und von Eric Trump abzuweisen.
Venezuela: Trump kontrolliert 13 Milliarden aus Ölverkäufen – wo ist das Geld?
Einschüchterung mit System: Wenn Bankkonten aus politischen Gründen gekündigt werden
Capital One nennt Transaktionsmuster als Grund für Kontoschließungen
Dokumente und selbst die Angaben der Kläger zeigten, dass die Konten „aus Gründen der Geldwäschebekämpfung“ geschlossen worden seien, argumentiert Capital One. Der Entscheidung seien „monatelange Analysen“ und eine sorgfältige Prüfung durch das zuständige Geldwäscheteam vorausgegangen.
Dabei seien nach Darstellung der Bank Transaktionsmuster festgestellt worden, die zu jenen Aktivitäten gehörten, vor denen die Leitlinien der US-Bankenaufsicht warnen. Welche Geldbewegungen Capital One konkret beanstandete, welche Konten betroffen waren und um welche Beträge es ging, geht aus den bisher veröffentlichten Angaben nicht hervor.
Wichtig ist die Abgrenzung: Capital One beschuldigt Donald Trump, seine Familie oder die Trump Organization nicht, tatsächlich Geld gewaschen zu haben. Auch eine interne Geldwäscheprüfung oder die Einstufung von Transaktionen als auffällig ist kein Nachweis für eine Straftat. Ob die Bank einen Verdachtsbericht an die Behörden übermittelte, ist nicht bekannt. Solche Berichte sind in den USA grundsätzlich vertraulich.
Nach Angaben der US-Finanzaufsicht FinCEN müssen Banken unter anderem Aktivitäten prüfen, die keinen erkennbaren geschäftlichen Zweck haben, vom üblichen Verhalten eines Kunden abweichen oder auf eine mögliche Verschleierung von Geldströmen hindeuten. Auch ein solcher Verdacht beweist jedoch keine illegale Handlung.
Der Trump Tower in New York ist der Hauptsitz der Trump Organization. Capital One schloss mehr als 300 Konten des Firmengeflechts.
© Jimin Kim/imago
Trump Organization wirft Bank „woke“ Motive vor
Die Donald J. Trump Revocable Trust und Eric Trump hatten Capital One im März 2025 verklagt. Sie behaupten, die Bank habe die Geschäftsbeziehung wegen der politischen Ansichten Donald Trumps und ihrer eigenen „woken“ Überzeugungen beendet. Die Schließungen seien eine Reaktion auf die politische Stimmung nach dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 gewesen.
Die Kläger sprechen von einem Angriff auf die Meinungsfreiheit und das freie Unternehmertum. Durch den kurzfristigen Umzug von mehr als 300 Konten sei der Trump Organization erheblicher finanzieller Schaden entstanden. Nach ihrer Darstellung informierte Capital One sie im März 2021 darüber, dass die Konten innerhalb von drei Monaten geschlossen würden.
Capital One weist diese Darstellung zurück. Der Vorwurf eines politischen Vorwands sei irreführend und stütze sich auf aus dem Zusammenhang gerissene Auszüge interner Unterlagen, argumentiert die Bank. Zudem habe sie der Trump Organization mehrere Monate Zeit und wiederholt Fristverlängerungen gewährt, um neue Bankverbindungen einzurichten.
Gericht wies bereits zwei Versionen der Trump-Klage ab
Das zuständige Bundesgericht in Miami hat bereits zwei Fassungen der Klage zurückgewiesen. Die Trump Organization durfte ihre Vorwürfe jedoch jeweils überarbeiten und neue Unterlagen vorlegen. Die jüngste Fassung wurde im Juli eingereicht.
Capital One erklärt nun, auch diese Version leide an denselben grundlegenden Mängeln. Die Bank versucht mit der Offenlegung ihrer internen Gründe, den zentralen Vorwurf der Kläger zu entkräften: Die Konten seien nicht aus politischen Motiven, sondern wegen regulatorischer und geschäftlicher Risiken geschlossen worden. Über den neuen Abweisungsantrag hat das Gericht noch nicht entschieden.
Der Fall ist ungewöhnlich, weil die Trump Organization durch ihre Klage Einblick in Unterlagen erhielt, die normalerweise unter Verschluss geblieben wären. Capital One hatte die interne Prüfung und die dabei festgestellten Transaktionsmuster zuvor nicht öffentlich als Begründung genannt.
Trump machte „Debanking“ zum politischen Thema
Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus geht Trump gegen das sogenannte Debanking vor. Damit ist die Verweigerung oder Beendigung von Bankdienstleistungen gemeint. Trump und andere Republikaner werfen großen Finanzinstituten vor, konservative Kunden, Waffenhersteller, Unternehmen aus der Ölindustrie und religiöse Organisationen aus politischen Gründen auszuschließen.
Im August 2025 unterzeichnete Trump eine Verfügung, die Benachteiligungen wegen politischer oder religiöser Überzeugungen sowie wegen rechtmäßiger Geschäftsaktivitäten verhindern soll. Die Aufsichtsbehörden wurden angewiesen, mögliche Verstöße zu untersuchen und entsprechende Regeln zu überprüfen.
Im Januar verklagte Trump auch JPMorgan Chase und Bankchef Jamie Dimon auf fünf Milliarden US-Dollar. Er behauptet, die Bank habe nach seiner ersten Amtszeit Konten von ihm und seinen Unternehmen aus politischen Gründen geschlossen. JPMorgan bestreitet das und erklärt, Konten würden nicht wegen politischer Ansichten, wohl aber wegen rechtlicher und regulatorischer Risiken beendet.
Die Capital-One-Gerichtsschrift verschärft diesen Streit nun erheblich. Erstmals führt eine Bank in einem Verfahren um Trumps Konten ausdrücklich eine Prüfung zur Geldwäschebekämpfung als Grund für die Trennung an. Ob die genannten Transaktionsmuster tatsächlich eine Kontoschließung rechtfertigten, muss nun das Gericht bewerten.
Krypto-Milliarden: So wächst Donald Trumps Vermögen mit Aktien und Anleihen
Make Europe Great Again? EU plant Lockerung der Bankenregeln
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]