Sanktionen

Syrien plant offenbar drastische Reduzierung russischer Ölimporte

Syrien will seine russischen Ölimporte drastisch senken. Die USA sollen dafür die letzte große Sanktion streichen. Doch woher kommt der Ersatz?

4 Min
Russlands Präsident Wladimir Putin. Sein Land war bislang Syriens wichtigster Öllieferant.

Russlands Präsident Wladimir Putin. Sein Land war bislang Syriens wichtigster Öllieferant.

© Alexander Kazakov/imago

Syrien hat den USA offenbar zugesagt, seine Importe von russischem Öl drastisch zu reduzieren. Das berichteten drei mit den Gesprächen vertraute Quellen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Zusage fiel demnach im Rahmen laufender Verhandlungen darüber, ob Washington die letzte große Sanktionseinstufung gegen Syrien aufhebt: die Einstufung als staatlicher Sponsor des Terrorismus (SST).

Für Damaskus wäre der Schritt ein tiefer Einschnitt in die eigene Energiepolitik – denn das Land ist trotz seiner politischen Hinwendung zum Westen stark von russischem Öl abhängig. Woher Syrien die wegfallenden Mengen kurzfristig ersetzen soll, ist offen.

Für Millionen Menschen im Wiederaufbauland geht es dabei um Versorgungssicherheit – und um die Frage, wie schnell sich ein Land aus einer Abhängigkeit lösen kann.

Worum es in den Gesprächen geht

In den vergangenen Monaten hätten hochrangige syrische Vertreter den USA signalisiert, zu einer Reduzierung der russischen Ölimporte bereit zu sein. Das sagten eine syrische Quelle mit direktem Wissen, ein US-Beamter und eine weitere unterrichtete Person, wie Reuters berichtete.

Alle drei Quellen sprachen anonym, da sie nicht befugt waren, offiziell Auskunft zu geben. Sie betonten dem Bericht zufolge, die USA hätten die Reduzierung nicht ausdrücklich als Vorbedingung für die Streichung von der Terrorliste formuliert.

Laut der syrischen Quelle hätten US-Vertreter ihren Gesprächspartnern in Damaskus jedoch mitgeteilt, ein Ende der Käufe von russischem Öl würde „die Chancen verbessern, die SST-Einstufung schnell und ohne Komplikationen aufzuheben“.

Syrien habe erwidert, erst die Aufhebung der Einstufung würde es Damaskus erlauben, ein vielfältiges Versorgungsnetz aufzubauen.

Die widersprüchliche Darstellung Washingtons

In der offiziellen Darstellung der US-Regierung zeigt sich dabei eine klare Diskrepanz. Ein Vertreter des US-Außenministeriums erklärte, Washington ermutige Syrien, „vertrauenswürdige Unternehmenspartner – insbesondere US-Firmen“ einzubinden, und erwarte, dass Syrien die US-Sanktionen gegen Russland einhalte.

Ein US-Beamter erklärte auf Fragen an das Weiße Haus dagegen, es gebe keine Verknüpfung zwischen der Streichung von der Terrorliste und einer Reduzierung der russischen Ölimporte. Zugleich sagten der US-Beamte und die unterrichtete Quelle, Washington habe während der Gespräche eine entsprechende Zusage erbeten und erhalten.

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Die SST-Einstufung besteht seit 1979. Sie ist die letzte große Sanktionsmarke gegen Syrien, nachdem die Trump-Regierung und der US-Kongress nach dem Sturz von Ex-Machthaber Baschar al-Assad die umfassenden Sanktionen aufgehoben hatten.

Das Kernproblem: Fehlende Alternativen

Trotz weitgehend aufgehobener westlicher Sanktionen bleiben Syriens Bezugsquellen für Öl stark begrenzt. Die russischen Öllieferungen nach Syrien stiegen laut Reuters-Recherche in diesem Jahr um 75 Prozent auf rund 60.000 Barrel pro Tag – womit Moskau zum dominierenden Rohöllieferanten wurde.

Der Grund liegt in der Schwäche der eigenen Förderung: Syrien produziert laut Beamtenangaben nur noch rund 35.000 Barrel pro Tag, benötigt aber 120.000 bis 150.000.

Die russischen Lieferungen laufen laut Reuters überwiegend über sanktionierte Tanker der sogenannten Schattenflotte, teils über Umladungen auf offener See, mit denen sich die Herkunft verschleiern lässt.

„Heute ist Syrien aus Notwendigkeit auf russisches Öl angewiesen, nicht aus Vorliebe“, sagte die syrische Quelle Reuters. Syrische Vertreter antworteten den USA oft: „Hebt die SST-Einstufung auf, und wir kaufen Öl woanders. Wir haben im Moment einfach keine Alternativen.“

Keine der Quellen kannte Details zu einem Zeitplan oder zu alternativen Rohölquellen. Ein syrischer Energievertreter sagte Reuters jedoch, Damaskus suche bereits nach neuen Lieferanten; ein „radikaler Wandel“ werde erwartet.

Wie die USA Russlands Einfluss zurückdrängen wollen

Für die USA wäre die Reduzierung ein neuer Weg, Russlands wirtschaftlichen Einfluss in Syrien zu begrenzen. Washington ziele „zunehmend auf das wirtschaftliche Netzwerk ab, das es Russland ermöglicht, nach dem Verlust politischen Bodens in Syrien Einfluss zu bewahren", sagte der syrische Analyst Navvar Saban vom Arab Center for Contemporary Studies laut Reuters.

Zugleich warnte Saban vor den Risiken: „Russische Rohölmengen zu ersetzen, kann nicht über Nacht geschehen, ohne Kraftstoffknappheit oder höhere Importkosten für Syrien zu riskieren.“

Am 8. Juli 2026 informierte Trump den Kongress über seine Absicht, Syrien von der Terrorliste (SST) zu streichen. Das löste eine 45-tägige Frist aus, in der er dem Kongress bestätigen muss, dass Syrien den internationalen Terrorismus nicht unterstützt hat.

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