Auf dem Zettel im Briefkasten stand genau das, worauf Paul André Sommerfelt seit dem Frühjahr gewartet hatte. Sein Paket war angekommen und lag zur Abholung bereit.
Der Zettel war auf Schwedisch verfasst. Sommerfelt wohnt in Bergen, Norwegen.
966 Kilometer bis zur Küchenarmatur
Als Abholstelle nannte die Benachrichtigung einen Ica-Maxi-Supermarkt in Vetlanda, Provinz Småland, tief im Süden Schwedens. Von Sommerfelts Adresse sind das 966 Kilometer und rund 13 Stunden Autofahrt.
Die schnellere Variante wäre ein Flug von Bergen-Flesland nach Göteborg gewesen, anschließend Zug nach Vetlanda, umsteigen in Jönköping.
„Ich dachte, das ist ein Witz“, sagte Sommerfelt dem norwegischen Sender NRK.
Selbst das Argument, das in Norwegen sonst jede Fahrt über die Grenze rechtfertigt, zog diesmal nicht. Auf dem Rückweg hätte er im günstigeren Schweden einkaufen können, Harryhandel nennen die Norweger das. Für einen Wasserhahn reichte es trotzdem nicht.
Also fotografierte Sommerfelt den Abholschein und stellte ihn auf Facebook, adressiert an den Zusteller Postnord, versehen mit dem Hashtag #prøvigjen, norwegisch für „versuch's nochmal“.
Auf dem Schreiben selbst stand seine korrekte Bergener Adresse.
Postnord: Die digitale Zolldokumentation fehlte
Der Konzern hat den Fall geprüft. Nach Darstellung von Pressechef Haakon Nikolai Olsen hat die Sendung Norwegen nie erreicht. Weil die notwendige digitale Zolldokumentation fehlte, stufte das schwedische System das Paket als Rücksendung ein und schickte es an eine schwedische Abholstelle.
Im norwegischen Transportnetz sei die Armatur damit nie gewesen, eine Fehlleitung durch Postnord Norwegen liege nicht vor. Zusätzlich sei die Lieferadresse falsch geschrieben gewesen. Solche Vorfälle seien sehr selten.
Ein System hat hier also nichts verloren, sondern etwas sehr gewissenhaft zurückgeschickt. Nur eben ohne den Empfänger zu fragen.
Reklamation läuft seit März
Angefangen hat alles im Winter mit einer neuen Küche vom Elektronikhändler Elkjøp. Die Armatur war defekt, Sommerfelt reklamierte im März.
Vier Monate später hielt er statt der Ersatzlieferung einen schwedischen Abholschein in der Hand.
Elkjøp hat sich nach seiner Schilderung ausdrücklich entschuldigt, will den Ablauf intern prüfen und eine neue Armatur auf den Weg gebracht. Diesmal mit vollständigen Papieren.
Paket kommt nicht an: Wer in Deutschland haftet
Der Fall ist norwegisch, der Reflex hierzulande derselbe: Man beschwert sich beim Zusteller. Der wichtigste Satz für deutsche Kunden lautet aber, dass der Vertragspartner der Händler ist.
Kommt bestellte Ware nicht an, trägt bei gewerblichen Verkäufern der Shop das Risiko. Verbraucher müssen den Kaufpreis in der Regel nicht zahlen oder können ihn zurückfordern. Nach 21 Tagen gilt eine Sendung offiziell als verloren.
Einen Anspruch auf Lieferung an einem bestimmten Tag gibt es nur, wenn er ausdrücklich vereinbart und bezahlt wurde.
Und Vorsicht bei der Ablagegenehmigung: Wird das Paket am selbst gewählten Ablageort gestohlen oder beschädigt, haften laut Verbraucherzentrale weder Transportunternehmen noch Shop.
Wer seine Sendung dagegen im Nachbarland abholen soll, muss immerhin nicht 966 Kilometer fahren. Ein Anruf beim Händler genügt.
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