Eine ausgebrannte Halle im Großraum Kiew, darin die verkohlten Reste von Schmierstoffen aus Schwaben: In der Nacht zum 5. August hat ein russischer Raketenangriff das zentrale Liqui-Moly-Lager in der Ukraine getroffen und zerstört.
Der Ulmer Mittelständler spricht von „Tonnen vernichteter Produkte“. Verletzt wurde niemand.
Doch der Treffer ist kein Einzelfall. In derselben Angriffswelle brannten auch Lager von Puma, Toyota, dem Postdienst Nova Poshta und mehreren Supermarktketten. Für ein deutsches Unternehmen wird damit sichtbar, wie direkt der Krieg die eigene Vertriebskette erreicht.
Was in der Nacht zum Mittwoch im Raum Kiew geschah
Der Angriff auf das Liqui Moly Lager war Teil einer breit angelegten Offensive.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe, über die die Nachrichtenagentur Ukrinform berichtete, setzte Russland vom Abend des 4. August an 24 ballistische Iskander-Raketen, vier Zircon- beziehungsweise Onyx-Raketen und 115 Kampfdrohnen ein. Hauptziel war die Region Kiew.
Getroffen wurde also nicht ein einzelnes Gebäude, sondern eine ganze Reihe ziviler Lager- und Verteilzentren.
„Tonnen vernichteter Produkte“: Was Liqui Moly zum Angriff sagt
„Heute Abend wurde unser zentrales Produktlager in der Ukraine infolge eines feindlichen Angriffs durch einen Brand zerstört“, teilte das Unternehmen seinen Kunden mit.
Das Unternehmen aus Ulm produziert Schmierstoffe, Additive und technische Flüssigkeiten – und zwar komplett in Deutschland. Verkauft werden die Produkte in mehr als 150 Ländern.
Bestellungen sind in der Ukraine vorerst nicht möglich. Bestehende Aufträge arbeite man aber bereits ab und liefere aus, so das Unternehmen.
Zur Einordnung: Liqui Moly meldete für 2024 einen Rekordumsatz von 1,03 Milliarden Euro und rund 1200 Beschäftigte.
Puma, Toyota, Nova Poshta: Welche Firmen noch getroffen wurden
Die Angriffswelle traf zahlreiche bekannte Marken. Mehrere Unternehmen bestätigten schwere Schäden an ihrer Logistik:
Puma Ukraine: Der Logistikkomplex im Großraum Kiew wurde vollständig zerstört. Das Unternehmen warnt vor Engpässen „in den kommenden Wochen und möglicherweise Monaten“, wie das Portal United24 Media berichtete.
Toyota Ukraine: Zerstört wurde ein Lager mit Ersatzteilen und Zubehör. Man habe bereits ein „umfassendes Maßnahmenpaket“ eingeleitet, um die Lieferungen an das Händlernetz zu sichern.
Nova Poshta: Das Sortierzentrum des größten privaten Postdienstleisters des Landes wurde zerstört. Laut dem Portal hromadske.ua sprach das Unternehmen vom Einsatz von Streumunition und einem „Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung“.
NOVUS: Das Logistikzentrum der Supermarktkette stellte den Betrieb ein – laut LIGA.net bereits der zweite Angriff auf diesen Standort.
Silpo, Rozetka, Epicentr K: Auch zwei Verteilzentren der Fozzy-Tochter Silpo, der Onlinehändler Rozetka und die Baumarktkette Epicentr K meldeten Treffer.
Sechs Tote allein bei einer Supermarktkette
Anders als beim Lager von Liqui Moly forderten andere Treffer Menschenleben.
Bei Silpo kamen nach Unternehmensangaben sechs Mitarbeiter ums Leben; der Konzern sprach von einem „unsagbaren Verlust“. Bei Nova Poshta starben drei Menschen, acht wurden verletzt.
Insgesamt meldete die ukrainische Regierung bei den Angriffen am Dienstag und Mittwoch mindestens 17 getötete Zivilisten. Spätere Angaben nannten 17 Tote und 44 Verletzte.
Die Attacke fällt in eine besonders blutige Phase: Für das erste Halbjahr 2026 zählte die UN-Menschenrechtsbeobachtung mindestens 1396 getötete und 7978 verletzte Zivilisten in der Ukraine.
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Doch ausgerechnet aus Washington kam eine Absage. Wie die Financial Times berichtete, lehnte US-Präsident Donald Trump eine Bitte Selenskyjs nach hunderten weiteren Abfangraketen für das Patriot-System ab. Grund sei ein akuter Mangel in den Beständen der US-Streitkräfte.
Russland spricht von militärischen Zielen
Moskau widersprach der Darstellung, es seien rein zivile Objekte getroffen worden.
Das russische Verteidigungsministerium behauptete laut der Agentur Associated Press, in den Lagern seien Güter mit doppeltem Verwendungszweck gelagert worden, etwa für die Produktion von Drohnen. Belege legte Moskau nicht vor; die Unternehmen weisen die Darstellung zurück.
Umgekehrt hatte auch die Ukraine zuletzt mehrfach Lager des russischen Onlinehändlers Wildberries angegriffen.
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