Ein Schlepper zieht einen Last an die Ostküste Grönlands. An Land gehen ein Bagger und mindestens 15 Container – ohne behördliche Genehmigung.
Ausgelöst hat den Vorgang die Trump-nahe US-Firma Greenland Energy, die in der abgelegenen Region Jameson Land nach Öl bohren will. Weil jedoch die Freigabe für eine solche Ölbohrung in Grönland fehlt, reagierte die Regierung in Nuuk mit einer deutlichen Verwarnung.
Was in Jameson Land geschah
Am Abend des 29. Juli 2026 entlud der dänische Schlepper „Bestla“ im Hafen von Nerlerit Inaat (Konstabel Pynt) eine Barge mit einem Bagger und mindestens 15 Containern. Das dokumentierte die dänische Rechercheplattform Danwatch. Der Ort liegt rund 40 Kilometer von der Siedlung Ittoqqortoormiit entfernt.
Das beauftragte Logistikunternehmen Permagreen Grønland A/S bestätigte laut Danwatch, den Transport für Greenland Energy ausgeführt zu haben. Firmenchef Jeppe Steffensen erklärte demnach, er sei davon ausgegangen, dass das US-Unternehmen über die nötigen Genehmigungen verfüge.
Warum Grönlands Regierung eine Verwarnung ausspricht
Das grönländische Ministerium für Wirtschaft und Rohstoffe teilte am 30. Juli 2026 mit, der Lizenzinhaber habe die erforderlichen Genehmigungen der Rohstoffbehörde nicht eingeholt, bevor er das Camp-Material von Tasiilaq nach Nerlerit Inaat verlegte.
Eine frühere Anlandungsgenehmigung sei zwar vorhanden gewesen, inzwischen aber ausgelaufen und nicht verlängert. Das Verfahren laufe noch.
Eine Rückführung des Materials nach Tasiilaq wäre „nicht verhältnismäßig“, erklärte das Ministerium. Künftige logistische Schritte müssten der Behörde vorab gemeldet und von ihr genehmigt werden.
Wer hinter dem Ölprojekt steht
Rechtsträger der Explorationsrechte in Jameson Land ist nach Angaben der grönländischen Regierung die White Flame Energy A/S, die mit der britischen 80 Mile PLC (früher Bluejay Mining) verbunden ist.
Greenland Energy, ein 2025 gegründetes Unternehmen aus Texas, führen die Behörden ausdrücklich nur als Investor und Operator. Die US-Firma habe die Öffentlichkeit laut Regierungsseite irreführend so dargestellt, als halte sie die Lizenzen selbst.
Führungskräfte von Greenland Energy sprachen laut einem Bericht des Guardian von Rohöl im Wert von einer Billion Dollar, geplant waren zwei Bohrungen für 60 Millionen Dollar. Die oft zitierten bis zu 13 Milliarden Barrel gelten in US-Börsenunterlagen jedoch als Schätzung, nicht als nachgewiesene Reserve.
Welche Verbindungen es zu Donald Trump gibt
US-Präsident Donald Trump erhebt seit Monaten Anspruch auf Grönland. Am Rande des Nato-Gipfels in Ankara sagte er erst im Juli, das Gebiet „sollte von den Vereinigten Staaten kontrolliert werden, nicht von Dänemark“.
Zwei Tage nach der Verwarnung veröffentlichte Trump zudem einen Beitrag auf Truth Social, der ihn über einem grönländischen Dorf aufragend zeigt.
Wie Grönlands Politik reagiert
Der Leiter des Rohstoffdepartements, Jørgen Hammeken-Holm, verurteilte die Anlandung im grönländischen Rundfunk KNR und drohte bei fortgesetzten illegalen Aktivitäten mit Polizei und Militär. Die Antragsunterlagen der Unternehmen nannte er zugleich professionell.
Die Oppositionspartei Naleraq forderte auf Facebook eine transparente Aufklärung. Historische Lizenzen berechtigten nicht dazu, eigenmächtig Ausrüstung anzulanden.
Warum die Ölbohrung in Grönland umstritten ist
Grönland stoppte im Jahr 2021 neue Öl- und Gaserkundungen – begründet mit Klima- und Umweltrisiken. Die geplanten Bohrungen liegen laut Guardian zudem in einem durch die Ramsar-Konvention geschützten Feuchtgebiet.
Eine Umweltbewertung der Universität Aarhus beschreibt Jameson Land als Lebensraum der dichtesten Moschusochsenpopulation Ostgrönlands und Tausender mausernder Gänse.
Wie es jetzt weitergeht
Ein Vertreter von Greenland Energy kündigte laut Guardian an, ein Schiff mit 300 Containern Bohrausrüstung solle am 12. September aus Kanada auslaufen, die Bohrungen sollten im Oktober beginnen. Nach jüngsten Behördengesprächen soll zunächst nur eine Bohrung erfolgen.
Trumps Grönland-Beauftragter Jeff Landry sagte, Grönland könne schon im kommenden Jahr Öl fördern.
Die Entscheidung liegt jedoch bei Grönlands gewählter Regierung. Ein Antrag auf Genehmigung war zuletzt in Bearbeitung.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]