Ein Ei fliegt durch den Plenarsaal – und trifft das Sakko des Regierungschefs. In Pristina hat das kosovarische Parlament am Samstag seine Sitzung abgebrochen, nachdem die Oppositionsabgeordnete Time Kadrijaj Ministerpräsident Albin Kurti mit Eiern beworfen hatte.
„Schäm dich!“, rief sie, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Der Eierwurf im Kosovo-Parlament legte die Live-Übertragung lahm, Sicherheitskräfte stürmten heran, um Kurti abzuschirmen.
Auslöser war eine auf den ersten Blick simple Ankündigung: Kurti brauche mehr Zeit für die Regierungsbildung. Der Vorfall zeigt, wie tief die politische Krise im Kosovo reicht – und warum am Ende Neuwahlen drohen könnten.
Was im Plenarsaal in Pristina geschah
Kadrijaj sitzt für die Allianz für die Zukunft des Kosovo (AAK) im Parlament. Als Kurti in der ersten Reihe Platz genommen hatte, schleuderte sie die Eier in seine Richtung.
Die Live-Übertragung brach ab. Personenschützer eilten herbei und stellten sich vor den Ministerpräsidenten. Kurti blieb äußerlich ruhig – trotz deutlich sichtbarer Flecken auf Sakko und Hose.
Nach dem Abbruch der Sitzung trat Kurti mit Eierspuren an der Kleidung vor die Presse und gab sich betont gelassen. Wenn Eierwürfe der Preis dafür seien, dass sich die Parteien zusammensetzten und miteinander redeten, dann zahle er ihn gern – so seine Botschaft, dokumentiert per Video vom Portal Koha.net.
„Ich beschwere mich nicht darüber, dass sie Eier werfen, ich beschwere mich darüber, dass sie keinen Dialog führen“, sagte Kurti laut Koha.net.
Das künftige Staatsoberhaupt müsse überparteilich sein, forderte er. Eine politische Einigung solle das Wahlergebnis widerspiegeln.
Wer Time Kadrijaj ist – und warum die AAK sie stützt
Kadrijajs Parteichef Ardian Gjini stellte sich hinter die Abgeordnete. Auf einem gemeinsamen Foto in sozialen Netzwerken schrieb er laut dem Portal Shqiptarja.com über sie: „Timja hat sich für das Land nie verweigert“.
Gjini warf Kurti vor, die Bildung der Institutionen bewusst zu blockieren und das Land in eine tiefe Krise zu stürzen.
Auch AAK-Frontmann Ramush Haradinaj hatte sich eingemischt. Als Kurtis Leibwächter auf Kadrijaj zugingen, stellte er sich schützend vor sie und wies die Personenschützer lautstark zurück, wie das Portal Arbresh.info berichtete.
Kritik auch von LDK und PDK
Die übrigen Oppositionsparteien verurteilten zwar Kurtis Zeitspiel, distanzierten sich aber vom Eierwurf.
LDK-Politikerin Jehona Lushaku-Sadriu nannte die Forderung nach mehr Verhandlungszeit laut dem Portal Vijesti.me „eine Katastrophe und Verantwortungslosigkeit". Vetëvendosje finde keinen Weg, ihre Pflicht zu erfüllen.
PDK-Abgeordneter Arian Tahiri sagte laut Koha.net, es sei bedauerlich, dass Kurti die Institutionen „nun schon seit 18 Monaten" missbrauche. Seine Partei habe eigentlich genug Stimmen, um den Parlamentspräsidenten zu wählen.
Warum die Regierungsbildung im Kosovo blockiert ist
Kurtis linksnationalistische Bewegung Vetëvendosje hatte die vorgezogene Wahl am 7. Juni 2026 klar gewonnen. Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission kam sie auf 53 der 120 Sitze. Für die absolute Mehrheit fehlen damit jedoch acht Stimmen.
Doch vor der Regierungsbildung steht eine weitere Hürde: Das Parlament muss sich zuerst konstituieren und einen Parlamentspräsidenten wählen. Dafür sind 61 Stimmen nötig. Erst danach beginnt die Frist für die Regierungsbildung.
Präsidentenwahl und die Gefahr neuer Neuwahlen
Auch das Präsidentenamt ist ungelöst. Für die Wahl des Staatsoberhaupts ist in den ersten beiden Wahlgängen eine Zweidrittelmehrheit nötig, im dritten Wahlgang reicht die Mehrheit aller Abgeordneten. Seit April 2026 wird das Amt nur kommissarisch geführt.
Für das Kosovo wäre es bereits die dritte Parlamentswahl binnen 16 Monaten. Gelingt keine Einigung, bleibt die Regierung geschäftsführend – und am Ende drohen erneut Neuwahlen.
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