Ein Militärflugzeug wartet, tief im Süden Algeriens, am Wüstenposten In Guezzam. An Bord kommt ein Deutscher, der kurz zuvor noch in der Gewalt einer bewaffneten Bande war.
Rund zwei Wochen war die deutsche Geisel im Niger festgehalten worden. Am Freitagabend übernahm die algerische Armee den Mann und brachte ihn quer durchs Land in Sicherheit, wie das algerische Verteidigungsministerium am Samstag mitteilte.
Übergeben werden soll er den deutschen Behörden später. Dem Auswärtigen Amt in Berlin ist der Fall bekannt – kommentieren will es ihn laut der Nachrichtenagentur AFP nicht.
Was über die Befreiung der deutschen Geisel im Niger bekannt ist
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums nahmen die Sicherheitsdienste der Armee den Mann am Freitagabend, dem 7. August, in Empfang.
Von In Guezzam nahe der Grenze zum Niger brachte ihn eine Sondermaschine bis zum Militärflugplatz Boufarik bei der Hauptstadt Algier.
Zwischen beiden Orten liegt fast das ganze Land. Algerien teilt mit dem Niger eine knapp 1000 Kilometer lange Grenze und hält im tiefen Süden eine große Sicherheitspräsenz.
Der Mann sei „wohlauf“, erklärte das Ministerium. Auch die staatliche Nachrichtenagentur Algérie Presse Service bestätigte den Ablauf.
Wie lange war die Geisel in der Gewalt der Entführer?
Zu den Umständen der Tat bleiben viele Fragen offen. Laut AFP wurde der Deutsche im Juli von einer bewaffneten kriminellen Gruppe verschleppt. In Algerien schilderte er den Behörden nach deren Darstellung seine Gefangenschaft. Algerische Staatsmedien gaben die Dauer mit rund 13 Tagen an – also knapp zwei Wochen.
Wer genau ihn festhielt, wo die Entführung geschah und wie die Freilassung gelang, teilte Algerien nicht mit.
Laut der Mitteilung dankt der Befreite den algerischen Militärbehörden für den „herzlichen Empfang“. Algerische Staatsmedien hoben zudem seinen Dank an die Staatsspitze hervor – allen voran an Präsident Abdelmadjid Tebboune.
Warum Entführungen im Sahel ein lukratives Geschäft sind
Der Fall reiht sich in eine gefährliche Dynamik ein. Für kriminelle Banden und Dschihadisten im Sahel sind entführte Ausländer eine einträgliche Einnahmequelle.
Oft agieren lokale Banden als Zulieferer, wie die Konfliktforscher von ACLED beschreiben: Sie verschleppen Ausländer und verkaufen sie an dschihadistische Gruppen weiter, die dann Lösegeld erpressen.
Erst im Januar 2025 wurden eine Österreicherin im nigrischen Agadez und ein Spanier im Süden Algeriens entführt.
Wie ist die Lage im Niger?
Der Niger wird seit dem Militärputsch im Juli 2023 von einer Junta regiert. Bewaffnete Gruppen mit Verbindungen zu Al-Kaida und der Miliz Islamischer Staat überziehen das Land mit Gewalt.
Wie fragil die Lage ist, zeigte ein Angriff bei Téra im Westen des Landes: 16 Soldaten wurden getötet, 23 verletzt, berichtete AFP Mitte Juli unter Berufung auf die staatliche Agentur ANP.
Mehr als eine Million Menschen sind zudem im Niger auf der Flucht, so das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in das Land.
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