Ukrainische Drohnenangriffe haben in der Nacht zum Montag offenbar erneut russische Energieanlagen tief im Hinterland getroffen. Nach Angaben von Monitoring-Kanälen zielten die Streitkräfte auf eine Ölraffinerie in der russischen Teilrepublik Tatarstan. Das berichtete unter anderem der Kyiv Independent.
Zeitgleich meldeten Beobachter dem Medium zufolge einen Stromausfall im besetzten Simferopol auf der Krim sowie einen Brand in einem Einkaufszentrum in der besetzten Stadt Makijiwka im Donezk.
Drohnen über Nizhnekamsk: Raffinerie in Tatarstan im Visier
Augenzeugen veröffentlichten Videoaufnahmen von Drohnen über der russischen Stadt Nizhnekamsk in Tatarstan. Dort sei eine Ölraffinerie von ukrainischen Kräften angegriffen worden, meldete der Kyiv Independent.
Tatarstan liegt weit von der ukrainischen Grenze entfernt. Angriffe in dieser Tiefe zeigen die Reichweite der eingesetzten Langstreckendrohnen.
Ziel solcher Einsätze ist es nach ukrainischer Lesart, die russische Kriegswirtschaft zu schwächen und Moskaus Fähigkeit zur Fortsetzung des Krieges einzuschränken.
Nach Angaben russischer Behörden starben bei dem Drohnenangriff in Nizhnekamsk 13 Menschen, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtete.
Simferopol: Stadtteile ohne Strom nach Explosionen
Auf der besetzten Krim blieben Teile von Simferopol vorübergehend ohne Strom. Zuvor seien Explosionen und Schüsse während eines Drohnenangriffs zu hören gewesen, berichtete der pro-ukrainische Telegram-Kanal Crimean Wind unter Berufung auf Anwohner.
Wie lange der Ausfall andauerte, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.
Makijiwka: Brand in Einkaufszentrum in Donezk
Auch im besetzten ukrainischen Gebiet Donezk gerieten Energieanlagen ins Visier. In der Stadt Makijiwka brach nach Angaben des Monitoring-Kanals Exilenova Plus ein Feuer in einem Einkaufszentrum aus.
Die veröffentlichten Aufnahmen sollen den Brand im Halaktyka-Center zeigen. Eine unabhängige Bestätigung lag zunächst nicht vor.
Russland meldet 456 abgefangene Drohnen
Das russische Verteidigungsministerium erklärte laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax, das Militär habe in der Nacht 456 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört. Betroffen gewesen seien unter anderem die Regionen Brjansk, Kursk, Belgorod, Woronesch, Rostow, Samara, die Region Krasnodar, Tatarstan und die Krim.
Der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin teilte zudem mit, insgesamt 18 auf die Hauptstadt zufliegende Drohnen seien abgeschossen worden. An einer Absturzstelle seien Rettungskräfte im Einsatz.
Vucic nach brisantem Selenskyj-Treffen: „Wir stehen am Anfang eines größeren Krieges“
Bulgarien bestellt ukrainische Botschafterin nach Explosion an Gaspipeline ein
Anhaltende Serie von Angriffen
Die jüngsten Vorfälle reihen sich in eine Serie von Militärschlägen gegen Russland ein. In der Nacht auf den 8. August trafen ukrainische Kräfte laut Kyiv Independent eine russische Raffinerie in der Region Samara sowie eine weitere in der Region Krasnodar.
In Syzran in der Region Samara brach nach einem Treffer ein Feuer aus, meldete das Medium. Eine weitere Raffinerie im Ort Ilski in der Region Krasnodar geriet laut Supernova Plus in Brand.
Der ukrainische Generalstab bestätigte anschließend, dass Langstreckendrohnen zwei Raffinerien in beiden Regionen getroffen hatten.
Selenskyj stellt Kampfeinsatz eigener Ballistikrakete in Aussicht
Neben den Drohnen setzt die Ukraine auf eigene Trägersysteme. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte am Wochenende laut Ukrainska Pravda, dass eine weitere in der Ukraine entwickelte ballistische Rakete noch in diesem Herbst erstmals im Gefecht eingesetzt werden könnte.
Ein groß angelegter Einsatz stehe aber noch nicht zur Debatte, da einzelne Komponenten aus anderen Ländern geliefert werden müssten. Diese Angaben machte er in einem Interview mit ukrainischen Medien am Samstagabend.
Die jüngsten häufigeren Angriffe haben nach Angaben von Reuters in Teilen Russlands zu akuten Engpässen geführt. An Tankstellen bildeten sich Warteschlangen, in mehreren Regionen wurde Kraftstoff rationiert. Kiew will mit den Angriffen nach eigenen Angaben die Einnahmen aus Russlands Ölindustrie verringern und damit die Finanzierung des Krieges erschweren.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]