Wer in der griechischen Bronzezeit Macht besaß, trug sie manchmal am Finger – und zwar in Form von Meteoriteneisen. Ein Forschungsteam hat in antiken Ringen Spuren eines Metalls entdeckt, das aus dem Weltraum stammt.
Die chemische Untersuchung von 91 Eisenobjekten ergab, dass mehrere Siegelringe der Minoer und Mykener aus meteoritischem Eisen gefertigt wurden, oft kunstvoll kombiniert mit Gold und Silber.
Die Ergebnisse erschienen unlängst im Journal of Archaeological Science. Für Griechenland ist es der erste eindeutige Nachweis dieser Art. Der Fund zeigt, dass der seltene Stoff aus dem All als besonders kostbares Prestigematerial galt – wohl reserviert für eine kleine, mächtige Oberschicht.
Was Meteoriteneisen so besonders macht
Meteoriteneisen unterscheidet sich chemisch klar von Eisen, das aus Erz gewonnen wird. Der entscheidende Marker ist Nickel: Eisen aus Meteoriten enthält oft einen hohen Anteil davon, teils bis zu 50 Prozent.
Genau daran setzte die Analyse an. Die Forschenden untersuchten Objekte aus 33 archäologischen Stätten, alle rund 3000 bis 4000 Jahre alt. Der Großteil enthielt keinerlei Nickel – ein Hinweis darauf, dass dieses Eisen mit den einfachen Verhüttungsmethoden der Zeit vor dem Eisenzeitalter aus Erz gewonnen wurde.
Nur 13 Objekte trugen Nickelspuren. Alle 13 waren Ringe oder Ringfragmente. Bei zehn davon gilt der meteoritische Ursprung als wahrscheinlich, drei benötigen weitere Untersuchungen.
Machtsymbole am Finger: die Rolle der Siegelringe
Fast alle nickelhaltigen Ringe folgen demselben Muster: Es handelt sich um Siegelringe mit einer flachen, gravierten Platte. Mit solchen Ringen wurden Dokumente und Waren gestempelt und versiegelt.
Diese Tätigkeit war Menschen mit hoher administrativer oder religiöser Autorität vorbehalten. Sieben der Ringe kombinieren das Meteoriteneisen zudem kunstvoll mit Gold, Silber oder Bronze – ein deutliches Zeichen für ihren Ausnahmerang.
Für die Prähistorikerin Eleni Mantzourani von der Universität Athen belegt der Befund, dass Meteoriteneisen als sehr wertvolles Metall galt, das für Objekte von besonderer Bedeutung und für eine hochrangige Personengruppe verwendet wurde – vermutlich die Elite der Mykener und Minoer.
Ein Ring am Finger eines Toten
Besonders auffällig ist der älteste untersuchte Ring. Er stammt aus dem 18. bis 17. Jahrhundert vor Christus und wurde auf Kreta im minoischen Heiligtum von Anemospilia gefunden.
Dort saß er direkt am Finger des Skeletts eines mutmaßlichen Hohepriesters. Das ist eine bemerkenswerte Ausnahme, denn nahezu alle anderen Ringe stammen aus Elite-Gräbern – etwa aus Tholos- und Kammergräbern.
Die meisten der Stücke datieren auf das 16. bis 13. Jahrhundert vor Christus. Damit fällt die Mode in die Blütezeit der beiden Palastkulturen.
Woher kam das Metall aus dem All?
Meteoriteneisen war in der antiken Welt hochgeschätzt, vor allem in Ägypten, wo die trockenen Wüsten die Gesteinsbrocken konservieren. Selbst im Grab des Pharaos Tutanchamun fand sich ein Dolch aus solchem Eisen.
An den griechischen Küsten sind Meteoriten dagegen selten – das Meer verschlingt die meisten. Wegen dieser Knappheit vermuten die Forschenden, dass das wertvolle Material aus Ägypten importiert wurde. Das wäre ein Beleg für Handelsbeziehungen zwischen den Regionen.
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Gegen den Strom sprechen – und gehört werden
Wichtig: Diese Herkunft bleibt ein indirekter Schluss, kein direkter Liefernachweis.
Warum die Mode plötzlich verschwand
Ringe aus Meteoriteneisen tauchen in der Region nach dem 12. Jahrhundert vor Christus nicht mehr auf. Das Verschwinden fällt zeitlich mit dem Zusammenbruch der späten Bronzezeit zusammen.
Dieser Kollaps beendete die mykenische Zivilisation im südlichen Griechenland. Die minoische Kultur auf Kreta war zu diesem Zeitpunkt bereits untergegangen – möglicherweise infolge eines Vulkanausbruchs.
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