Sonnenforschung

Sonnenfinsternis am 12. August: Neues Forschungsinstrument vor wichtigem Test

Ein neues Spektrometer soll bei der Sonnenfinsternis am 12. August seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Was soll das neue Instrument bewirken?

4 Min
Der Mond verdeckt die Sonne während einer totalen Sonnenfinsternis auf dem Indianapolis Motor Speedway.

Der Mond verdeckt die Sonne während einer totalen Sonnenfinsternis auf dem Indianapolis Motor Speedway.

© Michael Conroy/AP

Bald werden zweieinhalb Jahre Forschungsarbeit auf die Probe gestellt: Bei der Sonnenfinsternis am 12. August 2026 testen italienische Forscher in Spanien ein neues Instrument, das die Erforschung der Sonnenkorona verbessern könnte, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

In der norditalienischen Stadt Padua haben Wissenschaftler demnach wochenlang im Labor an der Fertigstellung des Geräts gearbeitet. Am Astrophysikalischen Observatorium von Javalambre soll es nun seinen entscheidenden Praxistest bestehen – in genau dem kurzen Zeitfenster, in dem der Mond die Sonne vollständig verdeckt.

Was das neue Instrument leisten soll

Das Gerät heißt Circular Slit Spectrometer (CISS) und soll das Sonnenlicht laut Reuters deutlich schneller in seine einzelnen Wellenlängen zerlegen als bisherige Instrumente.

Anders als herkömmliche, lineare Spektrometer habe der Prototyp einen kreisförmigen Spalt, erklärt der wissenschaftliche Leiter des Projekts, Federico Landini vom Astrophysikalischen Observatorium in Turin. Es soll „das Spektrum der gesamten Korona in einer bestimmten Entfernung vom Zentrum der Sonne in einem einzigen Foto erfassen“ können.

Das ist entscheidend: Frühere Instrumente konnten laut Reuters teils Stunden benötigen, um die Korona nach und nach abzutasten – während sich die Region bereits innerhalb von Minuten verändert.

Warum die Finsternis für die Forschung wichtig ist

Die Korona ist der äußerste Teil der Sonnenatmosphäre. Während der Sonnenfinsternis wird sie besser sichtbar, weil der Mond die grelle Sonnenscheibe verdeckt.

Das Verhalten der Region kann laut Reuters potenziell erhebliche Auswirkungen auf Kommunikations- und Stromnetze auf der Erde haben. Gelingt der Nachweis, dass das neue optische Prinzip funktioniert, könnte es künftig in einer Weltraummission eingesetzt werden.

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Das letzte große Ultraviolett-Spektrometer, UVCS, war laut Reuters von 1996 bis 2013 an Bord der Sonde SOHO von ESA und Nasa im Einsatz – brauchte für die Kartierung der Korona aber viele Stunden.

„Weder Raum noch Zeit für Unvorhergesehenes“

Für den Test bleibt kaum Spielraum. Er muss in der kurzen Phase der Totalität stattfinden, wenn der Mond die Sonne verdeckt – zweieinhalb Jahre Arbeit stehen dabei laut Reuters auf dem Prüfstand.

Um mögliche Verzögerungen zu vermeiden, reiste das Team nach Reuters-Angaben am Freitag auf dem Landweg nach Spanien – nicht mit dem Flugzeug. Das Instrument transportierten die Forscher in einem Van, damit es nicht zerlegt und vor Ort wieder zusammengebaut werden musste.

„Es gibt weder Raum noch Zeit für Unvorhergesehenes“, sagte die leitende Forscherin Paola Zuppella vom Institut für Photonik und Nanotechnologien in Padua. „Angesichts der Situation bei den Flügen, die im letzten Moment durchaus gestrichen werden können, ist es besser, sicherzugehen, dass wir tatsächlich ankommen“, so Landini.

Sonnenfinsternis 2026: Wo sie zu sehen ist

Die totale Phase der Sonnenfinsternis ist nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa nur entlang eines schmalen Streifens sichtbar: Er verläuft vom arktischen Russland über Grönland und den Westen Islands, streift Portugal und zieht sich durch einen weiten Teil Spaniens.

In Italien ist die Finsternis nur teilweise zu sehen. Im Norden und Westen werden nach INAF-Angaben mehr als 90 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt. Das Phänomen beginnt gegen 19.30 Uhr italienischer Zeit, kurz vor Sonnenuntergang – das Ende ist nur von Norditalien aus zu beobachten. Eine partielle Finsternis wird nach Angaben der dpa auch in Deutschland zu sehen sein.

Wer nicht am richtigen Ort steht, kann laut Ansa trotzdem zuschauen: Das italienische Institut für Astrophysik (INAF) überträgt die Finsternis ab 19.30 Uhr live – über seinen YouTube-Kanal EduINAF sowie über Facebook.

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