Doge-Skandal

1,76 Milliarden gespart, nie gekündigt: Musks größter Sparposten war eine Luftbuchung

GAO-Bericht zu Doge: 1,76 Milliarden Dollar Ersparnis für einen Pentagon-IT-Vertrag, der nie gekündigt wurde. Die Zahl steht bis heute online.

4 Min
Kettensäge als Markenzeichen: Elon Musk im Februar 2025 auf der CPAC in Maryland, damals noch als Chef der Sparbehörde Doge.

Kettensäge als Markenzeichen: Elon Musk im Februar 2025 auf der CPAC in Maryland, damals noch als Chef der Sparbehörde Doge.

© Will Oliver/imago

Elon Musks Behörde Doge hat 1,76 Milliarden nach eigener Rechnung gespart, indem sie einen IT-Vertrag der US-Militärmedizin kündigte. Gekündigt hat sie ihn nie.

So steht es im Bericht des US-Rechnungshofs GAO vom 6. August. Das US-Fachportal Military Times hat den Fall im Detail aufgearbeitet.

736 Militärkliniken – und der Vertrag lief einfach weiter

Auftraggeber ist die Defense Health Agency (DHA), die Gesundheitsbehörde des Pentagons. Sie führte im Haushaltsjahr 2023 nach GAO-Angaben 736 Kliniken, Ambulanzen und Zahnarztpraxen im In- und Ausland.

Auch die US-Militärmedizin in Deutschland fällt in ihre Zuständigkeit. Die DHA soll das Großklinikum bei Ramstein betreiben, das gerade gebaut wird und das Hospital in Landstuhl ablöst.

Der Vertrag mit der Nummer HT001523D0002 gehört zu einem Rahmenvertrag über bis zu 2,4 Milliarden Dollar. Er umfasst Servicedesks, Rechenzentren, Netzbetrieb, IT-Sicherheit und klinische Informatik – die digitale Grundausstattung der Militärmedizin.

Am 10. April 2025 ordnete Verteidigungsminister Pete Hegseth per Memorandum die Kündigung mehrerer Pentagon-Verträge an. Vier Tage später erschien der Posten auf der Doge-Sparseite „Wall of Receipts“, ausgewiesen unter dem Auftragnehmer A1FedImpact: 1,83 Milliarden Dollar Vertragswert, 1,76 Milliarden Dollar Ersparnis.

Dann setzten sich DHA-Verantwortliche mit Doge zusammen und erklärten, welche Arbeit unter dem Vertrag tatsächlich läuft. Danach war Doge einverstanden, ihn nicht anzutasten.

„Wall of Receipts“: GAO findet keine Ersparnis

Der Rechnungshof prüfte Vertragsunterlagen und die Vergabedatenbank des Bundes. Er fand keine Kündigung, weder ganz noch teilweise. Umfang und Wert blieben unverändert, zurück in die Staatskasse floss kein Dollar.

Auch die Fachleute der DHA sagten den Prüfern, gestrichen worden sei nichts. Die 1,76 Milliarden Dollar stehen trotzdem weiter in der Doge-Bilanz. Korrigiert oder gelöscht wurde der Eintrag nie.

Wie Doge überhaupt auf die Summe kam, konnte das GAO nicht klären. Die Behörde reagierte weder auf Gesprächsanfragen noch auf schriftliche Fragen.

2503 Verträge ohne jede Kündigung

Der Fall ist kein Ausrutscher. Für 13.476 angeblich gekündigte Verträge meldete Doge mehr als 61 Milliarden Dollar Ersparnis. Bei 2503 davon fand das GAO in den Vergabedaten überhaupt keine Kündigung – Papierwert der Behauptung: 27,4 Milliarden Dollar.

Bei Zuwendungen ließ sich die Rechenmethode für 96 Prozent der gemeldeten Summen nicht nachvollziehen. Von 264 gekündigten Mietverträgen für Bundesimmobilien waren 108 schon im Auslaufen, bevor es Doge überhaupt gab.

Insgesamt prüfte der Rechnungshof 110 Milliarden Dollar an gemeldeten Einsparungen aus Verträgen, Zuwendungen und Mieten. Beauftragt hatten das die demokratischen Senatoren Richard Blumenthal und Gary Peters. Doge habe die Amerikaner „in die Irre geführt“, erklärte Peters.

Die einzige Empfehlung des GAO klingt bescheiden: Das Weiße Haus solle bekannte Datenmängel auf der Sparseite sichtbar machen. Eine Stellungnahme dazu gab es nicht.

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Doge ist Geschichte, die Zahl steht noch

Musk hatte zwei Billionen Dollar versprochen, als er die Behörde übernahm. Am Ende reklamierte Doge rund 215 Milliarden Dollar über alle Kategorien hinweg, gut 1335 Dollar pro Steuerzahler.

Die Washington Post schätzt dagegen, dass Doge den Staat unter dem Strich rund 165 Milliarden Dollar gekostet hat. Gegenzurechnen sind Wiedereinstellungen, Prozesskosten und verlorene Arbeitszeit – von der Zerschlagung der Entwicklungsbehörde USAID bis zu den Drohmails an deutsche Zivilbeschäftigte der US-Streitkräfte.

Am 4. Juli 2026 endete Doge als befristete Organisation. Der dahinterstehende US DOGE Service arbeitet weiter, die „Wall of Receipts“ blieb online. Aktualisiert wurde sie zuletzt am 1. Januar 2026.

Military Times fragte bei der Gesundheitsbehörde, im Weißen Haus und bei A1FedImpact nach. Bis zum Erscheinen des Textes antwortete niemand.

Eine frühere Doge-Mitarbeiterin schrieb am Tag der Auflösung auf X: „Doge ist eine Lebenseinstellung. Es ist niemals vorbei.“

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