Paläontologie

Cynodonten-Fossil: Hinweise auf Lebendgeburt Millionen Jahre früher als angenommen

Ein Cynodonten-Fossil aus Argentinien liefert laut einer Studie Hinweise darauf, dass bereits ein früher Säugetierverwandter lebende Junge gebar.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Der fossile Schädel von Thrinaxodon liorhinus stammt aus der Trias und gehört zu einem frühen Säugetierverwandten.

Der fossile Schädel von Thrinaxodon liorhinus stammt aus der Trias und gehört zu einem frühen Säugetierverwandten.

© imago

Ein internationales Forschungsteam hat am Donnerstag im Fachjournal Frontiers in Mammal Science eine Studie veröffentlicht. Sie verschiebt den bisher angenommenen Zeitpunkt der Lebendgeburt in der Säugetierlinie weit nach hinten.

Untersucht wurde ein rund 236 Millionen Jahre altes Skelett des Cynodonten Chiniquodon theotonicus. Es stammt aus der Chañares-Formation im Nordwesten Argentiniens, einer fossilreichen Gesteinsschicht aus der späten Trias.

Cynodonten gelten als Bindeglied zwischen frühen Synapsiden und den ersten echten Säugetieren. Bisher wurde allgemein angenommen, dass alle Nicht-Therier-Cynodonten Eier legten. Damit sind frühe Vertreter dieser Gruppe gemeint, die außerhalb der Linie der heutigen Beutel- und Plazentatiere stehen. Die Viviparie, also die Geburt lebender Jungtiere, wurde als Merkmal betrachtet, das erst mit den Therier-Säugetieren vor etwa 160 Millionen Jahren aufkam.

Wachstumslinie im Knochen als Schlüsselbefund

Das Team um Leandro Carlos Gaetano von der Universität Buenos Aires fand im Oberschenkel- und im Ellenknochen des Fossils eine sogenannte Neonatallinie. Dabei handelt es sich um einen mikroskopisch feinen Ring im Knochengewebe. Er markiert den Übergang von vorgeburtlichem zu nachgeburtlichem Gewebe und entsteht durch die Belastung der Geburt. Solche Linien sind der Studie zufolge im Fossilbefund nur selten erhalten.

Aus dem Knochenumfang an dieser Linie errechnete das Team ein Geburtsgewicht von rund 1,7 Kilogramm. Beim Tod habe das Tier etwa zwölf Kilogramm gewogen. Das Gewicht bei der Geburt liege damit bei rund 14 Prozent des Körpergewichts eines ausgewachsenen Tieres.

Das Team verglich den Wert mit mehreren Tausend heute lebenden Säugetieren, Reptilien und Vögeln. Er entspreche dem heutiger Plazentatiere. Reptilien, Vögel, Kloakentiere und Beuteltiere wiesen dagegen deutlich niedrigere Werte auf.

Fachliche Einwände

Mitautor Gaetano erklärte laut Frontiers in Mammal Science, Chiniquodon sei möglicherweise kein Einzelfall. Der Fund könnte für einen frühen, allgemeinen Wechsel von Eiablage zu Lebendgeburt in der Säugetierlinie stehen. Um diese Annahme zu prüfen, brauche es weitere Untersuchungen.

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Widerspruch kommt von Fachleuten, die nicht an der Studie beteiligt waren. Eva Hoffman vom American Museum of Natural History in New York sagte Science News, für einen Nachweis der Lebendgeburt bei Nicht-Therier-Cynodonten seien besonders starke Belege nötig. Diese sehe sie bislang nicht.

Randall Irmis von der University of Utah verwies darauf, dass andere frühe Säugetierverwandte weiterhin Eier gelegt hätten. So sei ein Embryo des Dicynodonten Lystrosaurus in einem Ei gefunden worden. Beim Cynodonten Kayentatherium wellesi seien 38 Jungtiere gemeinsam mit einem erwachsenen Tier erhalten. Ob die Lebendgeburt in der Säugetierlinie einmal oder mehrfach entstand, sei damit weiter offen.

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