Nahostkonflikt

Israel soll Luftwaffenstützpunkt in Syrien bombardiert haben – scharfe Kritik aus den USA

Acht Luftangriffe sollen einen syrischen Militärflugplatz getroffen haben. Ein US-Gesandter kritisiert Israel ungewöhnlich deutlich – während Israel den Angriff offiziell nicht bestätigt.

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US-Sondergesandter Tom Barrack bei einer Pressekonferenz in Damaskus im September 2025.

US-Sondergesandter Tom Barrack bei einer Pressekonferenz in Damaskus im September 2025.

© Izz Aldien Alqasem/imago

Ein Luftwaffenstützpunkt im Nordwesten Syriens ist in der Nacht zum Dienstag von mehreren Luftangriffen getroffen worden. Syriens Regierung macht Israel dafür verantwortlich. Auch der US-Sondergesandte für Syrien und den Irak, Tom Barrack, spricht ausdrücklich von israelischen Angriffen und übt ungewöhnlich deutliche Kritik. Israel selbst hat die Attacke bislang nicht öffentlich bestätigt.

Nach Angaben des syrischen Staatssenders Ekhbariya wurden acht Luftangriffe auf den Stützpunkt Abu al-Duhur in der Provinz Idlib geflogen. Getroffen worden seien die Start- und Landebahn sowie Lagergebäude. Reuters beruft sich dabei auf eine syrische Militärquelle. Eine weitere Militärquelle sowie ein Anwohner sagten der Nachrichtenagentur, es habe keine Todesopfer gegeben. Die israelische Armee lehnte gegenüber Reuters einen Kommentar ab.

Damit könnte es sich um den ersten israelischen Angriff auf Einrichtungen der neuen syrischen Regierung seit März 2026 handeln. Damals hatte Israel nach eigenen Angaben Infrastruktur der syrischen Regierung angegriffen und dies mit Angriffen auf die drusische Minderheit begründet.

US-Gesandter Barrack spricht von „unnötiger Eskalation“

Besonders deutlich fiel die Reaktion des US-Sondergesandten für Syrien und den Irak, Tom Barrack, aus. Auf X schrieb er, die USA seien „zutiefst besorgt“ über die von ihm ausdrücklich als „bestätigte israelische Luftangriffe“ bezeichneten Attacken auf den Stützpunkt Abu al-Duhur. Sie stellten eine „unnötige Eskalation“ dar und trügen nicht zur Stabilität in der Region bei.

Barrack stellte sich zugleich hinter die syrische Regierung von Präsident Ahmed al-Scharaa. Diese habe weder eine aggressive Haltung eingenommen noch Stellvertreterkräfte unterhalten. Vielmehr habe sie wiederholt deutlich gemacht, dass sie eine Deeskalation mit Israel anstrebe.

Die USA würden weiterhin Gespräche fördern, um Diplomatie gegenüber militärischer Konfrontation den Vorrang zu geben, schrieb Barrack weiter. Dauerhafte Vereinbarungen zur Deeskalation könnten nur durch kontinuierlichen Dialog entstehen. Washington halte Zurückhaltung und Gespräche weiterhin für den konstruktiveren Weg und rufe alle Seiten dazu auf, weitere militärische Zwischenfälle zu vermeiden.

Die Wortwahl ist deshalb auffällig, weil die USA seit dem Sturz von Baschar al-Assad Ende 2024 zwischen Israel und der neuen syrischen Führung vermitteln. Al-Scharaa erklärte erst Ende Juli, sein Land strebe ein Sicherheitsabkommen mit Israel an. Über die Golanhöhen gebe Syrien seinen Anspruch allerdings nicht auf.

Auch Syriens Außenministerium verurteilte den Angriff scharf. In einer über die staatliche Nachrichtenagentur Sana verbreiteten Erklärung bezeichnete es die Attacken als nicht gerechtfertigte Aggression und Verletzung der syrischen Souveränität und territorialen Integrität. Die Angriffe bedrohten Sicherheit und Stabilität in der Region.

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Israel soll USA vor Angriff informiert haben

Während Israels Militär öffentlich schweigt, gibt es Hinweise darauf, dass die USA vor dem Angriff informiert waren. Ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter sagte Fox News, Israel habe vor dem Angriff „hochsensible Geheimdienstinformationen“ mit den USA geteilt. Dies sei auf höchster Ebene verschiedener Behörden und Institutionen geschehen. Nähere Angaben machte der Vertreter wegen der Geheimhaltung der Informationen nicht.

Der Vertreter erklärte zudem, al-Scharaa müsse verstehen, dass Syrien nicht wie unter Assad mit Stellvertreterkräften agieren könne. Israel hatte Washington nach Angaben aus israelischen Kreisen zuletzt Erkenntnisse über einen Ausbau der syrischen Militärkapazitäten übermittelt. Was Israel konkret auf dem Stützpunkt Abu al-Duhur vermutete, blieb jedoch offen.

Syrien baut seine Luftwaffe wieder auf

Genau darauf richtet sich seit Wochen die Aufmerksamkeit Israels. Anfang August führte Syrien im Norden des Landes erstmals seit Assads Sturz wieder Luftwaffenübungen mit russischen MiG-21-Kampfjets durch. Der israelische Sender Kan berichtete am 11. August, Sicherheitsbehörden beobachteten eine beschleunigte Wiederherstellung der syrischen Luftstreitkräfte. Dazu gehörten die Rekrutierung neuer Piloten, Flugtraining und erste Übungen mit Kampfflugzeugen. Israel habe seine Bedenken den USA mitgeteilt.

Abu al-Duhur liegt rund 70 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Der Stützpunkt war seit 2013 nicht mehr als regulärer Militärflugplatz in Betrieb und wechselte während des syrischen Bürgerkriegs mehrfach den Besitzer. Seit dem Sturz Assads wird das Gelände nach Angaben einer syrischen Militärquelle von der neuen Armee als Ausbildungszentrum genutzt.

Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte laut AP zudem, die Türkei habe begonnen, den lange stillgelegten Stützpunkt zu sanieren. Reuters schreibt dagegen, bislang sei nicht eindeutig geklärt, ob Ankara unmittelbar an Arbeiten auf dem Gelände beteiligt ist.

Israel und Türkei ringen um Einfluss in Syrien

Damit berührt der Angriff auch den wachsenden Konflikt zwischen Israel und der Türkei über die Zukunft Syriens. Ankara ist zu einem der wichtigsten Verbündeten al-Scharaas geworden, bildet syrische Streitkräfte aus und unterstützt die Regierung militärisch und diplomatisch. Israel wiederum warnt seit längerem davor, dass sich die Türkei militärisch in Syrien festsetzen könnte.

Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bereits direkt gewarnt, Israel werde keine Schritte hinnehmen, durch die Syriens militärische Fähigkeiten in einer für Israel bedrohlichen Weise ausgebaut würden. Israel und die Türkei richteten im vergangenen Jahr einen Kommunikationskanal zwischen ihren Streitkräften ein, um Zusammenstöße in Syrien zu verhindern.

Der Angriff auf Abu al-Duhur trifft damit einen Ort, an dem mehrere Konfliktlinien zusammenlaufen: Syriens Versuch, nach Jahren des Bürgerkriegs wieder eigene militärische Strukturen aufzubauen, Israels Bestreben, mögliche neue Bedrohungen auf syrischem Gebiet frühzeitig zu verhindern, und der wachsende türkische Einfluss auf die Regierung al-Scharaas.

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