KI-Wettlauf

Koste es, was es wolle: Chinas Tech-Riese Alibaba baut KI-Infrastruktur aus

Rund zehn Milliarden US-Dollar für Investitionen in nur drei Monaten: Alibaba zieht im Rennen um leistungsfähige KI-Modelle das Tempo deutlich an.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Alibaba präsentierte im Juli seine Qwen-Modelle auf der World Artificial Intelligence Conference in Shanghai.

Alibaba präsentierte im Juli seine Qwen-Modelle auf der World Artificial Intelligence Conference in Shanghai.

© Cfoto/imago

Der chinesische Technologiekonzern Alibaba hat seine Investitionen in den Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz drastisch hochgefahren. Im Quartal bis Ende Juni stiegen die Investitionsausgaben auf 67,68 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 10,1 Milliarden US-Dollar.

Das sind 75 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen am Donnerstag in Hongkong mitteilte. Alibaba begründete den Sprung mit dem laufenden Ausbau seiner KI-Infrastruktur.

Qwen-Modelle im Zentrum der Strategie

Der im Jahr 1999 in Hangzhou um Jack Ma gegründete Konzern zählt KI inzwischen neben Online-Handel und Cloud-Diensten zu seinen strategischen Kerngeschäften.

Alibaba entwickelt mit Qwen eigene große Sprachmodelle, betreibt über Alibaba Cloud die zugehörige Rechen- und Entwicklungsplattform und produziert mit der Tochter T-Head eigene KI-Chips. Anfang August stellte das Unternehmen mit Qwen3.8-Max sein bislang leistungsstärkstes KI-Modell vor.

Cloud-Sparte treibt Wachstum

Das neu geordnete Segment für Cloud- und Rechendienste steigerte den Umsatz um 45 Prozent auf 48,44 Milliarden Yuan (rund 7,21 Milliarden US-Dollar). Nach Angaben des Konzerns wuchsen die Erlöse aus KI-Produkten das zwölfte Quartal in Folge im dreistelligen Prozentbereich.

Der Gesamtumsatz legte um neun Prozent auf 268,95 Milliarden Yuan (rund 40 Milliarden US-Dollar) zu und lag damit knapp über den vom Finanzdatendienst LSEG erfassten Erwartungen der Analysten, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Gewinneinbruch trotz Umsatzwachstum

Deutlich unter den Prognosen blieb dagegen der Gewinn. Der Nettogewinn fiel um 75 Prozent auf 10,44 Milliarden Yuan (rund 1,55 Milliarden US-Dollar). Das operative Ergebnis, also der Gewinn aus dem laufenden Geschäft, sank laut Konzernangaben um 57 Prozent auf 15,16 Milliarden Yuan (rund 2,25 Milliarden US-Dollar), der um Sondereffekte bereinigte Gewinn je hinterlegter Aktie verfehlte mit 8,52 Yuan die Analystenschätzung von 10,53 Yuan.

Die in den USA notierten Aktien verloren am Donnerstag im vorbörslichen Handel 2,6 Prozent, wie Reuters meldete. Alibaba führt den Gewinnrückgang vor allem auf die hohen Ausgaben für Technologie zurück.

Wettlauf mit chinesischen Rivalen

Vorstandschef Eddie Wu erklärte, der Konzern habe ein starkes Quartal hinter sich, getragen von der zunehmenden Vermarktung der eigenen KI-Angebote. Finanzchef Toby Xu verwies auf wachsenden finanziellen Spielraum für weitere Investitionen.

Nach Reuters-Angaben liefert sich Alibaba mit chinesischen Rivalen wie DeepSeek und Tencent ein Rennen um leistungsfähigere, offen zugängliche KI-Modelle, die deutlich günstiger sein sollen als US-Angebote wie Claude des Anbieters Anthropic.

Zu Jahresbeginn hatte Alibaba seine KI-Sparte von der Cloud-Sparte getrennt. Wu leitet nun die neue Gruppe „Alibaba Token Hub“, mit der der Konzern das KI-Geschäft in die Gewinnzone führen will.

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Pentagon-Liste erschwert US-Geschäft

In den USA steht Alibaba auf der 1260H-Liste des US-Kriegsministeriums. Darin führt Washington Unternehmen auf, denen es Verbindungen zur chinesischen Volksbefreiungsarmee unterstellt. Firmen auf der Liste dürfen keine Aufträge des US-Militärs mehr erhalten.

Das Pentagon hatte die Aufstellung im Juni deutlich erweitert – sie umfasst laut Nachrichtenagentur AP nun 188 Einträge, darunter auch den Elektroautobauer BYD und den Internetkonzern Baidu. Alibaba wies die Einstufung zurück und geht vor einem US-Gericht dagegen vor. Man sei „kein chinesisches Militärunternehmen“.

Erst vor wenigen Wochen hatten die US-Konzerne OpenAI und Google ihre KI-Modelle über Tochtergesellschaften in Singapur an Alibaba, Baidu und Tencent verkauft, wie die Financial Times berichtete. OpenAI teilte demnach mit, mehreren mit Alibaba verbundenen Nutzern im Juni den Zugang zur Programmierschnittstelle gesperrt zu haben.

Grund sei der Verdacht auf sogenannte Destillation gewesen, bei der Antworten eines leistungsfähigen Modells in großer Zahl abgefragt werden, um damit ein eigenes System zu trainieren. Der US-Anbieter Anthropic wirft Alibaba zudem vor, über Zehntausende mutmaßlich betrügerische Konten Millionen Anfragen an sein Modell Claude gestellt zu haben.

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