Bei einem Pressestatement nach einer Kabinettssitzung erklärte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), ohne den Ausbau erneuerbarer Energien, die Deutschland „mit erfunden“ und „marktgängig gemacht“ habe, wäre mit einem Szenario von fünf Grad Erwärmung zu rechnen gewesen. Dieses sei korrigiert worden, „weil Klimaschutz wirkt“. Die Projektion liege nun bei etwa 2,7 Grad.
Ein auf X verbreiteter Beitrag fasste die Aussage so zusammen: Die deutsche Energiewende habe dafür gesorgt, dass Klimaforscher das Fünf-Grad-Szenario gestrichen hätten. Mit dem Fünf-Grad-Szenario dürfte Schneider die extremen Emissionspfade RCP8.5 und SSP5-8.5 meinen, ohne sie ausdrücklich zu nennen.
Für die nächste Generation internationaler Klimaszenarien wird der bisherige 8,5-Pfad nicht fortgeführt. Die Szenarienentwickler begründen das unter anderem mit gesunkenen Kosten erneuerbarer Energien, bereits bestehender Klimapolitik und den jüngsten Emissionstrends. Kritiker weisen dagegen darauf hin, dass RCP8.5 schon ursprünglich auf extremen Annahmen über Kohleverbrauch, Wirtschaftswachstum und technische Entwicklung beruhte. Der Pfad war keine Prognose der wahrscheinlichsten Zukunft. Die fünf Grad stammen aus einem extremen Emissionsszenario, die 2,7 Grad dagegen aus einer Auswertung von Projektionen unter gegenwärtiger Politik. Dass Klimapolitik die erwartete Erwärmung von fünf auf 2,7 Grad gesenkt hätte, lässt sich aus diesem Vergleich nicht ableiten.
Klimapolitik
Fünf-Grad-Szenario vom Tisch: Hat wirklich die deutsche Energiewende das Klima gerettet?
Bundesumweltminister Carsten Schneider schreibt sich den Erfolg selbst zu: Die Klimapolitik habe ein Fünf-Grad-Szenario abgewendet. Fakten sprechen eine andere Sprache.
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Carsten Schneider (SPD) ist Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.
© Kay Nietfeld/dpa
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