Kino

„Deutsche Filmproduzenten sind wie NGOs“: Gastbeitrag von Filmregisseur Uwe Boll

Von „Korruption innerhalb der Förder- und TV-Struktur“ schreibt der Regisseur Uwe Boll („Citizen Vigilante“) in diesem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung. Was genau meint er?

Uwe Boll
6 Min
Armie Hammer in „Citizen Vigilante“, einem Film des Gastautors Uwe Böll

Armie Hammer in „Citizen Vigilante“, einem Film des Gastautors Uwe Böll

© LMK/Imago

Ich bin Filmregisseur, Produzent und Autor – drehe seit 35 Jahren Filme weltweit, und dies immer noch mit derselben GmbH (BOLU), die ich 1991 gegründet habe. Bolu und auch ich privat haben keinerlei Schulden und waren immer cashflow-positiv. Ich schreibe dies hier am Anfang, weil es in Deutschland wahrscheinlich einmalig ist, aber in der Branche nichts gilt.

Den Artikel schreibe ich jetzt auch nur, weil mich gleich drei gravierende News diese Woche aus der deutschen Branche getriggert haben.

All die Verbände des deutschen Films klagten diese Woche mal wieder über die Filmförderung und waren sich einig: Es braucht mehr Fördergelder. Michelle Müntefering von der Produktionsallianz kommentierte: „Es stehen Existenzen auf dem Spiel.“ Martin Heisler von der Filmakademie ergänzte: „Die Hoffnung, dass aus dem zarten Aufschwung wieder ein verstetigtes Wachstum werden könnte, wird damit direkt wieder infrage gestellt.“

Der Leser sollte wissen, dass die deutsche Film- und TV-Branche komplett durchsubventioniert ist. Ohne Gelder des ÖRR und der Filmförderung wird von deutschen Produzenten kein Film gedreht. 90 Prozent aller Produktionen werden von circa 50 Produktionsfirmen in Deutschland hergestellt, von denen die Hälfte Rahmenverträge mit den Sendern haben oder sogar Tochterfirmen der Sender sind (Studio Hamburg, Bavaria u.a.).

Korruption innerhalb der Förder- und TV-Struktur

In den Fördersitzungen werden Hunderte von Anträgen in den ersten zehn Minuten abgelehnt, und die Jurymitglieder haben sich schon vorher abgesprochen, sodass genau die Projekte ihrer Buddys Geld bekommen. Die Jurys sind Mitglieder in politischen Parteien, selber Produzenten und/oder TV- und Filmverbandsmitglieder und entscheiden, was gefördert wird und welche Firma Geld bekommt. Die Vorstellung, dass das beste Projekt gefördert wird, egal wer es eingereicht hat, hat mit der Realität nichts zu tun.

Meine sechsjährige Tätigkeit bei der Taunusfilm vor 30 Jahren, einer Tochterfirma der hr-Werbung, die wiederum eine Tochterfirma des HR war, gab mir den Einblick in all diese Verstrickungen, und ich konnte hautnah die Korruption innerhalb der Förder- und TV-Struktur erleben. In meinen Büchern „Ihr könnt mich alle mal“ und „Tabula Rasa“ habe ich das sehr ausführlich mit zig Beispielen beschrieben.

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Der Artikel über die Förderung wurde begleitet von einem weiteren Artikel zum Projekt „Die Päpstin“ von Constantin Film, welches nun trotz zig Millionen Förderung und Geldern der ARD nicht gedreht wird, und auch einem weiteren Artikel dazu, dass die deutsche Filmchefin von Netflix, Sasha Bühler, gefeuert wurde. Bühler hatte vorher bei Constantin gearbeitet.

Alle drei Meldungen sollten wir komplett anders bewerten, als die ganze deutsche Presse und Branche es tun werden. Denn alle drei Meldungen spiegeln, warum der deutsche Film nichts anderes ist als eine NGO oder ein Entwicklungshilfeprojekt, die oft auch zum Gegenteil führen von dem, was bezweckt wurde. Wie viel Gaza-Hilfe hat Terroristen finanziert? Oder wie viele Migranten-Seenotrettungsschiffe halten indirekt das Schleusertum am Laufen?

Genrefilme oder politisch Inkorrektes: unerwünscht

Von circa 120 geförderten Filmen pro Jahr werden circa zehn bis 20 überhaupt vom Zuschauer in Kino und TV zur Kenntnis genommen. Die anderen Filme werden bei Arte, dritten Programmen oder Mediatheken quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit versendet – haben aber trotzdem zig Millionen Staatsgelder kassiert und bei der Antragstellung vorgegeben, große Zuschauergruppen zu erreichen.

Die Filmemacher haben sich ihre Gehälter aus dem Budget ausgezahlt – ein Erfolg des Films beim zahlenden Zuschauer war nie lebenswichtig, aber eben Förderung und TV-Gelder. Daher sind alle deutschen Filmemacher ausschließlich daran interessiert, Filme zu entwickeln, die von der Förderung und dem ÖRR gewollt sind, und das ist der Grund, warum keinerlei Genrefilme (Horror, Thriller, Action, Fantasy, Sci-fi) entwickelt werden und natürlich auch keine politisch inkorrekten Filme wie zum Beispiel meine Filme „Hanau“, „Run“ oder „Citizen Vigilante“.

Das führt dazu, dass im Ausland niemand deutsche Filme kauft, denn international verkaufen sich fast nur Genrefilme. In dem Artikel über die Constantin steht auch drin, dass die Mutterfirma Highlight überschuldet ist und die Constantin-Aktien für fast 80 Millionen Euro verpfändet wurden. Dieser Kredit wird im November fällig. Der Aktienkurs steht bei circa 60 Cent und war früher mal bei 49 Euro! Und dies ist die im Kinofilmbereich erfolgreichste deutsche Filmfirma.

Und jetzt komme ich wieder auf meine BOLU GmbH zurück, denn müsste es nicht eigentlich Pflicht sein, dass die Förderungen und ÖRR-Sender Pleitefirmen keine Aufträge mehr geben, sondern lieber Vorzeigeunternehmen wie meinem? Und das bringt mich zu Netflix, denn die Streamer haben keineswegs in Deutschland Leute eingestellt, die neuen Wind erzeugt hätten, sondern alles nur treue Zöglinge der deutschen linken, woken Förder- und TV-Mafia.

Deutsche Netflix-Produktionen sind zum Großteil Flops

Sasha Bühler, die sich am Anfang ihrer Netflix-Karriere den Erfolg von „Im Westen nichts Neues“ ans Revers heftete und stolz bei der Oscarverleihung stand, obwohl sie ja NICHTS außer Geld bei dem Projekt gebracht hat, hat mich und viele andere von oben herab komplett ignoriert und mir zusammen mit der noch amtierenden Deutschland-Programmchefin Katja Hofem wortwörtlich geschrieben, dass ich nichts mehr einreichen sollte, da sie niemals mit mir zusammenarbeiten würden – und das, obwohl gleichzeitig Zahlen veröffentlicht wurden, die belegen, dass die deutschen Netflix-Produktionen zum Großteil katastrophale Flops waren und sind.

Die Produktionen von Bühler und Hofem haben selbst in Deutschland unter drei Prozent Marktanteil, während spanische, französische, skandinavische und koreanische Netflix-Produktionen oft im Heimatland zehn bis 25 Prozent Marktanteil haben. Basierend auf ihrem Totalversagen hätten sie eigentlich alle meine Vorschläge annehmen müssen. Das war Arroganz pur und für Netflix geschäftsschädigend, denn in den USA hat Netflix circa zehn Boll-Filme über die Jahre hinweg lizenziert.

Wir alle spüren es! Es ist aus, wenn wir nicht in allen Bereichen den Hebel umlegen, und im Filmbereich ist es nicht anders. Einen Sumpf muss man trockenlegen, oder man wird langsam, aber stetig tiefer reingezogen und am Schluss ist man weg. Im Film- und TV-Business wird nur eins funktionieren, und das ist die Abschaffung aller Fördereinrichtungen in Bund und Ländern, die Abschaffung der GEZ und die Privatisierung des ÖRR.

Die Unterstützung der Filmbranche muss durch das kanadische System ersetzt werden, wo man um die 30 Prozent von jedem Dollar wiederbekommt, den man dort ausgibt. Ein Verfahren, welches keine Verwaltung, Posten oder Jurys benötigt, weil es um eine reine finanzielle Transaktion geht und damit Anreize setzt und Bevorzugung ausschließt. Egal was ich drehe, es kommen 30 Prozent zurück, auch wenn ich Horrorfilme oder Filme wie „Citizen Vigilante“ drehe. Nur so werden deutsche Filmproduzenten anfangen, darüber nachzudenken, was Zuschauer sehen wollen – und nicht Karens, die mit Lastenfahrrädern ins Büro und dann zum Yoga fahren!

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