Fiasko

2,8 Milliarden Dollar futsch: Der GTA-6-Leak wird für Rockstar zum Albtraum

GTA 6 Leak: Hacker Cyberleek veröffentlicht Gameplay-Videos und die Map von Vice City. Take-Two verliert Milliarden, Rockstar schweigt.

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Sechs Tage vor dem offiziellen Gameplay-Trailer kursieren im Netz geleakte Szenen aus „Grand Theft Auto VI“. Rockstar Games lässt sie löschen. (Symbolbild)

Sechs Tage vor dem offiziellen Gameplay-Trailer kursieren im Netz geleakte Szenen aus „Grand Theft Auto VI“. Rockstar Games lässt sie löschen. (Symbolbild)

© IMAGO/Jakub Porzycki

13 Jahre lang hat Rockstar Games jedes Detail zu „Grand Theft Auto VI“ bewacht wie ein Staatsgeheimnis. Selbst Mitarbeiter durften kaum reden, jeder Trailer war auf die Sekunde geplant.

Dann kam jemand, der sich nach einer Stange Lauch benannt hat.

Seit dem 18. August tröpfeln Videos aus dem meisterwarteten Spiel des Jahrzehnts ins Netz. Verantwortlich ist nach eigenen Angaben eine Person oder Gruppe namens Cyberleek. Das englische Wort für Lauch klingt fast wie „leak“ – so viel Humor muss sein.

Rockstar löscht, so schnell es geht. Genau das halten viele für den Beweis, dass das Material echt ist.

GTA 6 Leak: Was Cyberleek bisher gezeigt hat

Angefangen hat es mit zwei kurzen Clips und einem Bild, das die komplette Karte des fiktiven Bundesstaats Leonida zeigen soll.

Zu sehen ist Jason, einer der beiden Hauptfiguren, beim Basketball vor seinem Haus in Florida. Später fährt er über den Highway, rammt einen Lieferwagen und prügelt sich mit dem wütenden Fahrer.

Nebenbei beantworten die Aufnahmen Fragen, über die die Community seit Jahren streitet. Autos brauchen offenbar Benzin. Es gibt eine Ausdaueranzeige. Polizisten erscheinen nicht mehr als Punkte auf der Minimap, stattdessen flackert der Bildschirmrand rot-blau.

Und der Fahndungslevel geht bis sechs Sterne.

Wie PC Gamer berichtet, folgte am Donnerstag ein Doppeldecker-Flug über Vice City. Flüssig, detailliert, ohne sichtbares Nachladen der Texturen. Selbst Leute, die mit der Reihe nichts anfangen können, waren beeindruckt.

Wie alt ist das Material wirklich?

Hier wird es interessant, denn die Fachwelt ist sich uneins.

Der bekannte Branchen-Insider NateTheHate hält die Clips für über ein Jahr alt. Dann wäre vieles davon längst überarbeitet, und Rockstar könnte am 27. August ein deutlich besseres Spiel zeigen.

Dagegen spricht ein Detail, das aufmerksamen Zuschauern aufgefallen ist: In einem der Autoradio-Clips läuft „Sports Car“ von Tate McRae. Der Song erschien Anfang 2025. Das Portal Push Square wertet das als Hinweis auf eine deutlich frischere Spielfassung.

Bestätigt ist bis heute nichts davon. Weder Rockstar noch der Mutterkonzern Take-Two haben sich zur Echtheit geäußert.

„Leek“ in der Hauswand: Der Moment, der wehtut

Der Clip, der aus einem ärgerlichen Leak einen Albtraum machte, dauert wenige Sekunden.

Am 20. August schießt der Spieler mit einer Maschinenpistole das Wort „Leek“ in eine Hauswand. Buchstabe für Buchstabe, aus Einschusslöchern.

Das lässt sich schwer als weitergereichtes Video erklären. Wer so etwas produziert, sitzt selbst am Controller. Tom's Hardware spricht von einem katastrophalen Szenario für den Konzern.

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Die Frage ist damit nicht mehr, ob noch Gameplay auftaucht, sondern ob jemand das Ende der Geschichte ins Netz stellt.

Den Vogel abgeschossen hat aber ein anderer Schnipsel. In einer geleakten Zwischensequenz prahlt eine Spielfigur damit, dank VPN nicht auffindbar zu sein. Das US-Magazin Forbes berichtet, die Community habe das sofort als Grußbotschaft an Rockstar gelesen.

Ob die Szene bewusst ausgewählt wurde, ist offen. Sie passt jedenfalls verdächtig gut.

Das Manifest: Ein Hacker mit Verbraucherschutz-Agenda

Kurios wird der Fall durch die Begründung, denn um Lösegeld geht es nicht.

Cyberleek hat ein Manifest veröffentlicht. Gefordert werden ein Ende digitaler Vorbestellungen, ein Verzicht auf angebliche Schein-DLCs für den Einzelspieler-Modus und Offline-Modi für den Fall, dass Server abgeschaltet werden.

Wer 70 Dollar für ein Spiel zahle, habe damit alle Daten gekauft, heißt es dem Sinn nach im Text, den Kotaku ausgewertet hat. Eine Datei zu verkaufen, die lediglich einen bereits vorhandenen Inhalt freischaltet, sei Abzocke.

Nach Verbraucherzentrale klingt der Rest allerdings nicht. Wenn Cyberleek an Rockstar herankomme, sei niemand sicher, zitiert der US-Sender NBC News aus dem Schreiben. Eine Botschaft an alle Großkonzerne.

Geleakt werde weiter, bis eine öffentliche Entschuldigung vorliege. Ausdrücklich keine stillen Vergleiche.

Memecoin statt Moral

Es gibt einen Haken an der Robin-Hood-Erzählung.

Die Gruppe sammelt parallel Geld über eine eigene Kryptowährung ein, einen sogenannten Memecoin. Das nimmt dem Pathos des Manifests spürbar die Luft.

Auch die Bewegung Stop Killing Games, auf die sich Cyberleek beruft, will damit nichts zu tun haben. Sie hat den Leak nach Angaben von XDA Developers als destruktiv verurteilt.

Die Community selbst ist gespalten wie selten. Die einen finden es unfair gegenüber Entwicklern, die jahrelang an dem Spiel gesessen haben. Die anderen halten Rockstar nach 13 Jahren Wartezeit für reif dafür.

Take-Two Aktie: Milliarden in zwei Tagen

Der Kapitalmarkt reagierte schneller als die Pressestelle.

Die Take-Two-Aktie rutschte von rund 248 Dollar am 18. August auf zeitweise unter 233 Dollar. Rechnerisch verschwanden binnen zwei Tagen etwa 2,8 Milliarden Dollar Börsenwert.

Ein zwingender Zusammenhang ist das nicht, Kurse bewegen sich aus vielen Gründen. Der Zeitpunkt fällt trotzdem auf. Inzwischen hat sich der Kurs teilweise erholt.

Am Termin ändert das nichts. Take-Two hat den 19. November zuletzt im Quartalsbericht gegenüber Investoren ausdrücklich bekräftigt.

Rockstar löscht – und schweigt

Offiziell hat sich das Studio bis Freitagmittag nicht geäußert. Das Branchenportal GamesWirtschaft berichtet von Löschanträgen im Minutentakt bei YouTube und X.

Erfahrung mit der Lage hat der Konzern. 2022 flossen nach einem Netzwerkeinbruch rund 90 Videos aus einer frühen Entwicklungsphase ins Netz. Damals räumte das Unternehmen den Vorfall in einem Statement ein und erklärte, man sei zutiefst enttäuscht, die Arbeit gehe planmäßig weiter.

Nur war das Spiel damals Jahre entfernt. Von grobem Vorab-Material lässt sich Abstand nehmen, von einem polierten Build mitten in der Werbekampagne nicht.

Am Rande kursieren Spekulationen über den Ursprung des Materials bei einem Rockstar-Standort im Ausland. Belege dafür gibt es bislang nicht.

Was Spieler jetzt wissen sollten

Für alle, die die Clips suchen: Das Material ist urheberrechtlich geschützt. Wer es weiterverbreitet, hochlädt oder in sozialen Netzwerken teilt, riskiert Abmahnungen und die Sperrung seines Kontos.

Rockstar geht seit Jahren konsequent gegen solche Inhalte vor. Auch gegen Nutzer, die nur weiterleiten.

Wer bis zum offiziellen Material warten will, muss sich ohnehin nur wenige Tage gedulden.

GTA 6 Extended Look bei Netflix: Der Termin, der zählt

„Grand Theft Auto VI: An Extended Look“ läuft am 27. August exklusiv bei Netflix, sechs Stunden später auch auf Rockstars YouTube-Kanal, wie das Fachmagazin VGC meldet.

Vorziehen kann Rockstar den Termin kaum, der Exklusivvertrag steht.

Bleibt eine knappe Woche, in der ein Konzern mit 44 Milliarden Dollar Marktwert zusehen muss, wie ein anonymer Account sein Spiel in Häppchen verteilt.

Der Verkaufsstart am 19. November ist davon bislang unberührt. Man darf annehmen, dass an diesem Tag trotzdem auffällig viele Menschen krank werden.

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