Arbeitskampf

Wollen länger arbeiten: Hyundai-Beschäftigte legen Produktion für einen ganzen Tag lahm

In Südkorea legen rund 40.000 Arbeiter des Autobauers die Arbeit nieder. Sie fordern höhere Prämien, eine höhere Altersgrenze und Schutz vor Automatisierung.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Beschäftigte von Hyundai Motor bei einer Streikkundgebung vor der Konzernzentrale in Seoul.

Beschäftigte von Hyundai Motor bei einer Streikkundgebung vor der Konzernzentrale in Seoul.

© Hwawon Lee/imago

Beim südkoreanischen Autobauer Hyundai haben nach Angaben der Belegschaftsvertretung rund 40.000 Beschäftigte am Freitag die Arbeit für einen kompletten Tag niedergelegt. Es ist der erste ganztägige Streik in dem Konzern seit rund zehn Jahren.

Die Werksgewerkschaft, die dem koreanischen Metallgewerkschaftsverband angeschlossen ist, fordert unter anderem höhere Bonuszahlungen, eine Anhebung der Altersgrenze und Schutzregeln beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Robotern in der Fertigung.

Hyundai Motor ist der größte Autohersteller Südkoreas und bildet gemeinsam mit der Konzernschwester Kia nach eigenen Angaben eine der weltweit führenden Automobilgruppen. Der Ausstand begann laut Gewerkschaftsangaben mit der Morgenschicht, die Nachmittagsschicht war ebenfalls zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. An weiteren Tagen sind demnach Teilstreiks von jeweils vier Stunden geplant.

Rentenlücke von bis zu fünf Jahren

Konkret verlangt die Belegschaftsvertretung, die jährlichen Leistungsprämien von derzeit 750 auf 800 Prozent eines Monatsgrundgehalts anzuheben, wie Reuters berichtet. Zudem soll die betriebliche Altersgrenze angehoben werden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP fordern die Beschäftigten eine Erhöhung um zwei Jahre.

Bei Hyundai endet das reguläre Arbeitsverhältnis bislang mit 60 Jahren. Seit einer Tarifvereinbarung von 2024 können Beschäftigte in der Produktion anschließend für bis zu zwei Jahre als Vertragskräfte wiederbeschäftigt werden, allerdings zu einem Grundlohn ähnlich dem von Neueinstellungen. Die Gewerkschaft fordert dagegen, die reguläre Altersgrenze anzuheben. Die staatliche Altersrente setzt in Südkorea je nach Geburtsjahr erst zwischen 63 und 65 Jahren ein.

Die Forderung nach einer höheren Altersgrenze deckt sich mit einer Ankündigung des im vergangenen Jahr gewählten südkoreanischen Präsidenten Lee Jae Myung, die gesetzliche Altersgrenze für Beschäftigte in dem stark alternden Land schrittweise anzuheben.

Sorge vor humanoiden Robotern in der Fabrik

Ein weiterer Konfliktpunkt ist der wachsende Einsatz von KI und Automatisierung. Hyundai hat angekündigt, ab 2028 in seinem US-Werk im Bundesstaat Georgia humanoide Roboter einzusetzen und deren Nutzung auf weitere Standorte auszuweiten. Der Konzern besitzt den Roboterhersteller Boston Dynamics.

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Für die Werke in Südkorea gibt es solche Pläne offiziell noch nicht. Arbeitnehmervertreter warnten laut Reuters, KI bedrohe nicht nur Arbeitsplätze in der Produktion, sondern auch in Forschung und Entwicklung. „Auch wenn KI eingeführt wird, sind wir bereit zu kämpfen – und bereit zu gewinnen“, sagte Kim Byung-chul, Vizepräsident des koreanischen Metallgewerkschaftsverbands, gegenüber Reuters.

Milliardenschaden und sinkender Gewinn

Die Tarifgespräche laufen seit Mai. Bereits im Juli hatten Beschäftigte an drei Tagen jeweils vier Stunden lang die Arbeit niedergelegt. Nach Schätzungen der Nachrichtenagentur Yonhap konnten dadurch bislang rund 55.200 Fahrzeuge im Wert von mehr als 2,3 Billionen Won, umgerechnet etwa 1,67 Milliarden US-Dollar, nicht gefertigt werden.

Hyundai teilte mit, die Forderungen der Streikenden nicht akzeptieren zu können, sei aber weiter zu Gesprächen bereit. Streiks könnten Kunden, Partner und den Betrieb belasten, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Ein Sprecher der Belegschaftsvertretung sagte laut Reuters, man sei offen für eine Fortsetzung der Verhandlungen, werde aber weitere Ausstände erwägen, sollte das Management keine „zukunftsorientierten Vorschläge“ vorlegen. Zur Begründung der Forderungen wurde auf die Ertragslage des Konzerns verwiesen.

Hyundai hatte im zweiten Quartal einen Rekordumsatz von fast 50 Billionen Won verbucht, der Betriebsgewinn ging im Vorjahresvergleich jedoch um 21 Prozent zurück. Der Konzern hatte bereits im Juli erklärt, sein globales Absatzziel für das laufende Jahr wegen zunehmender chinesischer Konkurrenz in Europa und sinkender Verkäufe in Südkorea voraussichtlich zu verfehlen.

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