Regierungspressekonferenz

Nord-Stream-Saboteur berät Hollywood: Die Bundespressekonferenz als Schauplatz doppelter Inszenierung

Anschlag gegen deutsche Infrastruktur, eine TV-Moderatorin wird Ministeriumssprecherin – und die Bundesregierung wahrt jene Sprachlosigkeit, die man in Berlin für Staatsräson hält.

6 Min
Regierungspressekonferenz am 24. August: Nord Stream, Drehtür, Stille

Regierungspressekonferenz am 24. August: Nord Stream, Drehtür, Stille

© IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Zu Beginn der heutigen Regierungspressekonferenz stellte sich Christina Lewinsky als neue Sprecherin von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt vor. Lewinsky wechselt von Springers Welt, wo sie seit 2012 tätig war, zuletzt mehr als vier Jahre als Moderatorin und Hauptstadtkorrespondentin für Welt TV, direkt ins Pressereferat des Bundesinnenministeriums. Es ist ein weiteres Beispiel für den mittlerweile kaum noch kaschierten Drehtüreffekt zwischen Journalismus und Regierungsapparat, der sich unter der Regierung Merz zur regelrechten Personalstrategie verdichtet hat.

Stefan Kornelius, ehemaliger Ressortleiter Politik der Süddeutschen Zeitung, ist seit 2025 Sprecher der Bundesregierung und Chef des Presse- und Informationsamtes. Der ARD-Journalist Michael Stempfle wurde Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums. Zuvor war er als Korrespondent für das ARD-Hauptstadtstudio tätig. Nur wenige Tage vor dem Wechsel hatte er seinen künftigen Chef Boris Pistorius in einem Tagesschau-Kommentar ausgiebig gelobt. Die Grenzen zwischen der sogenannten vierten Gewalt und dem Regierungsapparat, den sie kontrollieren soll, verschwimmen zusehends. Damit wird die Bundespressekonferenz, einst Ort kritischer Befragung, zunehmend zur Bühne ehemaliger Kollegen auf der anderen Seite des Podiums.

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