Ukraine-Krieg

Ukraine startet neue Angriffswelle auf Russland: Wildberries-Lager zerstört – neun Tote in Bus

Ukrainische Drohnen trafen in der Nacht ein Wildberries-Lager. Russland meldet 426 Abschüsse von Drohnen. Die jüngsten Angriffe forderten offenbar auch Todesopfer.

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Ein ukrainischer Soldat des Verteidigungsnachrichtendienstes bereitet den Start einer Langstreckendrohne vor

Ein ukrainischer Soldat des Verteidigungsnachrichtendienstes bereitet den Start einer Langstreckendrohne vor

© Evgeniy Maloletka/AP

Ukrainische Drohnen haben in der Nacht zum Mittwoch erneut eine Angriffswelle auf Russland gestartet. Dabei wurde auch ein Lager des russischen Online-Händlers Wildberries getroffen. Das Logistikzentrum in Kotowsk in der Region Tambow, rund 600 Kilometer südöstlich von Moskau, wurde nach Angaben von Gouverneur Jewgeni Perwyschow bei einem Großbrand vollständig zerstört. Das berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax.

Die Angriffe fügen sich in eine Reihe vermehrter ukrainischer Offensiven ein, die sich zuletzt vor allem gegen russische Versandhändler und Infrastruktur richtete. Russland meldete für dieselbe Nacht 426 abgefangene Drohnen sowie mehrere Todesopfer. Die Angaben beider Seiten ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Wildberries-Lager in Tambow: Das meldet der Gouverneur

Der Brand erstreckte sich nach Darstellung von Perwyschow über rund 100.000 Quadratmeter – das entspricht etwa 14 Fußballfeldern. Die Anlage sei vollständig ausgebrannt, schrieb der Gouverneur auf dem Messengerdienst MAX, zwei Menschen seien verletzt worden.

Getroffen worden sei das Lager während eines „massiven Drohnenangriffs“ auf die Region, zitierte das Portal Kyiv Independent den Gouverneur. Das Onlinemedium konnte die Angaben zunächst nicht überprüfen.

426 Drohnen abgefangen: Russlands Angaben zur Abwehr

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, in der Nacht zu Mittwoch 426 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört zu haben – über Regionen wie Belgorod, Kursk, Woronesch, Tambow und dem Moskauer Gebiet. Die Flughäfen in Tambow, Nischni Nowgorod und Jaroslawl setzten wegen Luftalarms zeitweise den Betrieb aus.

In der Region Nischni Nowgorod wurde nach Angaben von Gouverneur Gleb Nikitin ein Angriff von mehr als 40 Drohnen abgewehrt. „Nach ersten Berichten gab es keine Opfer. Eine Industrieanlage, mehrere Wohngebäude und Fahrzeuge wurden beschädigt“, schrieb er auf dem Dienst MAX.

Zwei Tote in Lipezk, neun Tote in einem Bus in Luhansk

In der Region Lipezk kamen nach russischen Angaben ein Mann und ein 14-jähriges Mädchen ums Leben. Eine Drohne sei auf ihr Haus gestürzt und habe es in Brand gesetzt, teilte Gouverneur Igor Artamonow nach Angaben von Interfax mit. In der Region Belgorod wurde laut örtlichen Behörden eine Frau bei einem Drohnenangriff getötet, wie Reuters berichtete.

Im russisch kontrollierten Teil der Region Luhansk starben nach Darstellung des von Moskau eingesetzten Gouverneurs Leonid Passetschnik zudem neun Menschen, als ein Bus von Lyssytschansk nach Kadijiwka getroffen wurde. Nähere Umstände nannte er nicht.

Beide Kriegsparteien weisen seit Beginn des russischen Überfalls im Februar 2022 zurück, gezielt Zivilisten anzugreifen.

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Selenskyj spricht von 16 getroffenen Zielen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf der Plattform X, die Ukraine habe Angriffe auf 16 Ziele in Russland geflogen. Getroffen worden seien Objekte der Öl-Infrastruktur, Flugplätze, eine Raketeneinheit und ein Logistikzentrum.

Auch die im Jahr 2014 von Russland annektierte Halbinsel Krim geriet ins Visier. Drei ukrainische Marschflugkörper vom Typ Flamingo seien über dem Schwarzen Meer abgefangen worden, teilte der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, in sozialen Netzwerken mit.

Im Bezirk Bachtschyssaraj und in Simferopol sei der Strom in der Nacht zum Dienstag wiederholt für etwa eine Stunde ausgefallen, berichtete der proukrainische Telegram-Kanal Crimean Wind. Explosionen habe es zudem im Bezirk Saky und nahe Jewpatoria gegeben.

Warum die Ukraine russische Online-Händler angreift

Wildberries ist der größte Onlinehändler Russlands. Nach Angaben von Reuters greift die Ukraine dessen Standorte seit Mitte Juli an und weitete die Angriffe zuletzt auf den wichtigsten Konkurrenten Ozon aus.

Insgesamt seien mehr als 20 Lagerhäuser beider Firmen getroffen worden, berichtete Reuters unter Berufung auf eine Auswertung von Satellitenbildern. Mindestens 1,9 Millionen Quadratmeter Lagerfläche seien durch Feuer schwer beschädigt.

Beide Konzerne dominieren laut Reuters einen der am schnellsten wachsenden Bereiche der russischen Wirtschaft, die nach viereinhalb Jahren Krieg ansonsten nahe der Stagnation stehe.

Die Ukraine begründet die Angriffe auf die großen russischen Online-Händler vor allem damit, dass deren Logistikzentren nicht ausschließlich dem zivilen Handel dienten.

Nach Angaben aus Kiew werden über die Plattformen von Wildberries und Ozon auch sogenannte Dual-Use-Güter sowie Komponenten für die russische Kriegsführung vertrieben, darunter Navigationssysteme und Teile für die Drohnenproduktion. Die Angriffe sollen damit russische Logistik- und Versorgungsketten stören und zugleich die wirtschaftlichen Kosten des Krieges erhöhen.

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