Deutschland, Dänemark, die Niederlande, Österreich, Finnland und Schweden wollen den geplanten EU-Finanzrahmen für 2028 bis 2034 deutlich verkleinern. Die sechs EU-Staaten stellten sich bei einem Treffen mit Merz in Berlin gegen den Umfang des von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Haushalts.
Sie fordern, den Vorschlag der Europäischen Kommission von nahezu zwei Billionen Euro um mehrere hundert Milliarden Euro zu reduzieren. Zugleich sollen die Ausgaben stärker auf Sicherheit und Verteidigung, Wettbewerbsfähigkeit, Migration und europäische Souveränität ausgerichtet werden.
Die Kommission schlägt für die Jahre 2028 bis 2034 einen Finanzrahmen von knapp zwei Billionen Euro vor. Finnlands Regierung beziffert den Entwurf auf 1,893 Billionen Euro. Der Mehrjährige Finanzrahmen legt die Ausgabenobergrenzen der EU für sieben Jahre fest.
Bundeskanzler Friedrich Merz (2. v. r.) mit Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker, Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin am 27. August 2026.
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Kürzungen sollen alle Bereiche betreffen
Die sechs Staaten wollen die Einsparungen nicht auf einzelne Haushaltsposten beschränken. In ihrer gemeinsamen Erklärung heißt es, alle Haushaltsrubriken müssten zu den Kürzungen beitragen.
Deutschland hatte eine solche Position bereits zuvor vertreten. „Wir brauchen deswegen einen Budgetentwurf mit Kürzungen in allen Bereichen, und zwar insgesamt um mehrere 100 Milliarden Euro“, sagte Merz bereits Ende Juli.
Zugleich fordern die Regierungen eine Überprüfung der Zahlungsströme und eine Korrektur „übermäßiger Ungleichgewichte“ bei den Nettosalden der Mitgliedstaaten.
Schwerpunkt auf Verteidigung und Wettbewerbsfähigkeit
Trotz des geringeren Gesamtvolumens sollen bestimmte politische Prioritäten stärker berücksichtigt werden. Dazu zählen Verteidigung, Wettbewerbsfähigkeit, Migration und die europäische Souveränität. Nach Reuters-Angaben wollen die sechs Länder zudem EU-Mittel stärker an die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien knüpfen.
Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo erklärte, der Kommissionsvorschlag sei insgesamt zu groß. Zugleich entsprächen die vorgesehenen Schwerpunkte grundsätzlich den finnischen Zielen. Die Mittel müssten auf zentrale Aufgaben wie Verteidigung und strategische Wettbewerbsfähigkeit konzentriert werden.
Keine neuen gemeinsamen EU-Schulden
Die sechs Nettozahler lehnen außerdem eine Finanzierung zusätzlicher Ausgaben über neue gemeinsame EU-Schulden ab. Auch eine Ausweitung des Personals der EU-Institutionen unterstützen sie nicht. Nach Angaben von Reuters sollen die Institutionen ihre Aufgaben mit den vorhandenen Stellen bewältigen.
Die Position trifft auf Widerstand von EU-Staaten, die stärker von gemeinsamen Mitteln profitieren und an umfangreichen Ausgaben für den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt festhalten wollen.
Über den Finanzrahmen müssen die 27 Mitgliedstaaten einstimmig entscheiden. Zudem ist die Zustimmung des Europäischen Parlaments erforderlich.
Von der Leyen verteidigt geplantes EU-Budget
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verteidigte derweil den Umfang des geplanten Finanzrahmens. Der neue Haushalt müsse Europa unabhängiger und widerstandsfähiger machen, plädierte sie laut Politico.
Angesichts geopolitischer Veränderungen müsse die EU stärker in Verteidigung, Energie, Technologie und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit investieren. Ein größerer Haushalt sei deshalb aus ihrer Sicht kein Selbstzweck, sondern solle die Union in die Lage versetzen, ihre strategischen Interessen eigenständiger zu verfolgen.
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