Alexander Bartsch ist mit dem Klappern des Mühlrades aufgewachsen. Er wollte nie etwas anderes sein als Müllermeister und führte damit in vierter Generation die Mühle im Triebischtal im Landkreis Meißen. Die Mühle ist nicht nur eine der ältesten noch aktiven Wassermühlen in Sachsen. Sie ist auch bekannt für ihre vielen Bio-Mehle, die Demeter-zertifiziert sind. Alexander Bartsch setzte die Handwerkstradition seines Urgroßvaters fort, teilweise sogar mit historischer Technik. Bis zum 6. August diesen Jahres, da verstarb er überraschend im Alter von nur 53 Jahren.
Die Auftragsbücher sind voll. Das Korn kommt größtenteils aus der Region und hier sitzen auch die Abnehmer, darunter der Ökohof Mahlitzsch, die Klipphausener Bäckerei Unser Bäcker oder regionale Bioläden im Raum Dresden, Leipzig und Freital. Auch wenn die diesjährige Getreideernte nach Hitze- und Trockenheitsperioden unterdurchschnittlich war, gibt es gut zu tun. Die vier Mitarbeiter der Mühle sind dabei derzeit nach dem Tod ihres Chefs auf sich allein gestellt. Seine Lebensgefährtin Doreen Düring kümmert sich um die Buchhaltung.
Müller gesucht - auch ohne Meisterbrief
Sie ist, mit dem Einverständnis der beiden Kinder, nun auf der Suche nach einem neuen Müllermeister. „Das wäre im Sinne von Andreas“, sagt sie und erklärt, man sehe sich auch gegenüber den langjährigen Geschäftspartnern und Kunden in der Pflicht.
Doreen Düring geht bei der Suche nach einem Müller ungewöhnliche Wege und startet einen Aufruf in den sozialen Medien. Es gab schon zahlreiche Interessenten, aber nicht jeder ist geeignet. Viele denken an die Mühlenromantik mit dem Rauschen des Baches und dem Klappern des Mühlrades, „aber das Müllersein bedeutet viel, viel mehr“, sagt Doreen Düring.
„Wir wünschen uns jemanden mit Interesse am traditionellen Müllerhandwerk, Verantwortungsbewusstsein und Freude daran, einen gewachsenen Familienbetrieb zu erhalten und weiterzuentwickeln“, heißt es in dem Aufruf.
Wer die Mühle fortführen will, muss das Handwerk gelernt haben. Der Meisterbrief ist keine Pflicht mehr, seitdem der Beruf nicht mehr in der Handwerksrolle steht. Und auch der Name hat sich geändert. Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Getreidewirtschaft heißt heute – wenig romantisch – die Berufsbezeichnung der Müller.
Müller ist ein Beruf mit Beschäftigungsgarantie, so der Mitteldeutsche Müllerbund. Die Branche hat ein ernstes Nachwuchsproblem. Aus Altersgründen scheiden mehr Müller aus dem Beruf aus als neue Fachkräfte nachwachsen. Der Berufsverband hält dagegen - mit Ausmalheften in Kindergärten und Werbeaktionen in der Schule. Im Vordergrund steht nicht die Mühlenromantik, sondern die Präsentation eines hochmodernen Berufs.
Das gilt für die großen Mühlen, sagt Dorren Düring. „Bei uns muss der Müller beides können, vertraut sein mit dem alten Handwerk und versiert im Umgang mit den neuen Technologien.“ Das mache die Suche nach einem neuen Müller nicht leichter.
Bundesweit gibt es noch rund 700 aktive Mühlen. Die Option, dass einer der Müllermeister Miltitz mit übernimmt, besteht nicht. „Ein Müller muss vor Ort sein“, so Doreen Düring. Denn zu tun gibt es immer.
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Der Beruf hat viele Facetten. Das Getreide muss bei der Anlieferung auf Qualität, Feuchtigkeit und Schädlinge untersucht werden. In der Produktion geht es darum, Mahl- und Reinigungsmaschinen einzustellen, zu überwachen und zu warten. Das fertige Mehl muss getestet werden, um die entsprechenden Back- oder Nährstoffeigenschaften zu garantieren. Und dann ist das noch die Lagerung in den großen Silos. Mit einer guten Lüftung und Kühlung wird das Getreide vor Schimmel geschützt. Die Aufgaben verlangen Fachwissen, das ein Quereinsteiger nicht mitbringt.
Neben der Handwerkskammer hat auch der Mitteldeutsche Müllerbund die Anzeige von Dorren Düring verteilt und es gibt erste Rückmeldungen. Wie solide die seien, werde sich zeigen, sagt die Lebensgefährtin des verstorbenen Müllers. Sein Werk soll fortgesetzt werden. Aus der Mühle eine reine Ausflugsgaststätte zu machen, sei daher keine Option.
Allerdings gäbe es einen Antrag auf Vergrößerung des Mühlenladens mit Café-Erweiterung, der bereits genehmigt ist. Auch die Fördermittel wurden schon bewilligt. Selbst ein Zuhause hätte der Müller im angrenzenden Wohnhaus. Verkauf, Verpachtung, Mietkauf – alles ist möglich, sagt Doreen Düring und freut sich über Nachrichten ehrlicher Interessenten unter Mail [email protected].
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