Island hat die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union abgelehnt. Nach dem endgültigen Ergebnis stimmten 118.040 Menschen beziehungsweise 52,8 Prozent mit Nein. 105.399 Wählerinnen und Wähler beziehungsweise 47,2 Prozent stimmten für die Wiederaufnahme der Gespräche, wie der isländische Rundfunksender RÚV berichtet.
Insgesamt wurden 225.031 Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag damit bei 82,5 Prozent. Laut RÚV war dies die höchste Wahlbeteiligung bei einer Abstimmung in Island seit der Parlamentswahl im April 2009, als 85,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben.
Fische, Freiheit, Europa: Island steht vor einer schwierigen EU-Frage
Entscheidung über neue Verhandlungen
Die isländische Regierung will sich am Sonntagmittag zum Ausgang des Referendums äußern. Ministerpräsidentin Kristrún Frostadóttir sowie Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir und Bildungsministerin Inga Sæland haben für 13 Uhr eine Pressekonferenz angekündigt. Dort wollen sie das Ergebnis erörtern und Fragen von Journalisten beantworten, wie RÚV berichtet.
Die Abstimmung sollte zunächst nicht über einen EU-Beitritt entscheiden, sondern darüber, ob Island die Beitrittsverhandlungen mit Brüssel wieder aufnehmen soll. Über einen tatsächlichen EU-Beitritt hätte anschließend in einem weiteren Referendum entschieden werden müssen.
Debatte um Wirtschaft und Fischerei
Island hatte bereits 2009 einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt. Hintergrund war damals eine schwere Finanzkrise. Die Beitrittsverhandlungen wurden 2013 gestoppt.
In der aktuellen Debatte standen vor allem wirtschaftliche Fragen, die Fischerei und die Lebenshaltungskosten im Mittelpunkt. Befürworter einer Annäherung an die EU verwiesen laut Reuters unter anderem auf die hohen Zinsen in Island. Sie argumentieren, eine EU-Mitgliedschaft und möglicherweise die Einführung des Euro könnten die wirtschaftliche Lage verbessern. Gegner befürchteten dagegen Einschränkungen der nationalen Souveränität und einen Verlust von Einfluss auf die eigenen Fischereigewässer.
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