Energiepreise

675 Euro mehr im Jahr: Nur in drei Ländern der Welt ist Strom teurer als in Deutschland

Strompreise weltweit im Vergleich: Deutschland liegt mit 35,6 Cent pro Kilowattstunde auf Platz vier, teurer sind nur Irland, Bermuda und Belgien.

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Deutsche Haushalte zahlen im Schnitt 35,6 Cent pro Kilowattstunde. Teurer ist Strom nur in Irland, auf Bermuda und in Belgien. (Symbolbild)

Deutsche Haushalte zahlen im Schnitt 35,6 Cent pro Kilowattstunde. Teurer ist Strom nur in Irland, auf Bermuda und in Belgien. (Symbolbild)

© Imago/Bernd Feil

Ein Berliner Haushalt in der Grundversorgung zahlt derzeit 37,93 Cent pro Kilowattstunde Strom. Der bundesweite Durchschnitt liegt darunter – und reicht trotzdem für Platz vier der teuersten Länder der Welt.

Im zweiten Quartal 2026 kostete die Kilowattstunde in Deutschland im Schnitt 35,6 Cent. Das zeigt eine Preisanalyse des Vergleichsportals Verivox für 144 Länder, die auf Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices beruht.

Strompreise weltweit: Irland, Bermuda und Belgien liegen vorn

Teurer als in Deutschland ist Strom nur in Irland mit 42,6 Cent, auf Bermuda mit 38,8 Cent und in Belgien mit 37,4 Cent.

2021 stand Deutschland mit 31,8 Cent noch auf Platz eins. Dass es heute Rang vier ist, liegt weniger an einer Entlastung hierzulande als an kräftigen Aufschlägen anderswo: Der deutsche Preis stieg seither um rund zwölf Prozent.

Teuerster G20-Staat: 675 Euro mehr im Jahr

Unter den G20-Staaten zahlt niemand mehr als Deutschland. Es folgen Italien mit 34,5 Cent und Großbritannien mit 32,4 Cent, während der Durchschnitt der Gruppe bei 16,3 Cent liegt.

Auch die großen Handelspartner liegen deutlich darunter: Frankreich kommt auf 23,3 Cent, die USA auf 18,3 Cent.

Greifbar wird der Unterschied bei der Jahresrechnung. Ein Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch zahlt in Deutschland rechnerisch rund 1246 Euro im Jahr, zum G20-Durchschnitt wären es 571 Euro. Macht 675 Euro Unterschied.

Das ist eine Modellrechnung. Was tatsächlich abgebucht wird, hängt von Tarif, Anbieter, Grundpreis und Verbrauch ab.

Netzentgelte und Abgaben: Warum Strom hier so teuer ist

Teuer ist in Deutschland nicht der Strom selbst, sondern das, was um ihn herum berechnet wird. Die Erzeugung macht nach Angaben von Verivox-Energieexperte Thorsten Storck nur etwa ein Drittel des Haushaltspreises aus.

Der Rest entfällt auf Netzentgelte sowie auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Zusammen liegt dieser Anteil bei mehr als 60 Prozent der Rechnung.

Netzentgelte sind dabei keine Steuer, auch wenn sie oft in einem Atemzug mit ihr genannt werden. Es sind regulierte Gebühren für Betrieb und Ausbau der Stromnetze, die der Versorger an den örtlichen Netzbetreiber weiterreicht – rund ein Viertel des Endpreises. Die Stromsteuer selbst beträgt für Haushalte 2,05 Cent je Kilowattstunde.

Strompreis Berlin: 37,93 Cent in der Grundversorgung

Für Berliner Haushalte fällt der Vergleich unangenehm aus. Wer bei Vattenfall im Grundversorgungstarif „Basis“ bleibt, zahlt seit dem 1. April 37,93 Cent je Kilowattstunde und liegt damit über dem deutschen Durchschnitt.

Der Arbeitspreis sank im Frühjahr zwar um 6,46 Cent, gleichzeitig stieg der Grundpreis von 10,90 auf 13,40 Euro im Monat. Für einen Haushalt mit 2200 Kilowattstunden bleibt nach Angaben des Versorgers eine Entlastung von rund 112 Euro im Jahr.

An den Netzkosten liegt der hohe Berliner Preis nicht: Mit 8,6 Cent je Kilowattstunde liegt die Stadt 2026 im unteren Mittelfeld der Bundesländer.

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Anbieterwechsel: Was Berliner Haushalte sparen können

Günstige Berliner Tarife lagen Ende August bei rund 29 Cent. Bei 3500 Kilowattstunden Verbrauch trennen Grundversorgung und günstigsten Anbieter mehrere hundert Euro im Jahr.

Ob Sie in der Grundversorgung stecken, steht auf der Jahresabrechnung: Tarifnamen wie „Basis“ oder „Grundversorgung“ sind das Erkennungszeichen. Wer nie aktiv einen Vertrag abgeschlossen hat, ist fast immer dort gelandet.

Kündigen lässt sich die Grundversorgung mit einer Frist von zwei Wochen, den Wechsel übernimmt der neue Anbieter. Beim Vergleich lohnt der Blick auf die Preisgarantie und darauf, ob der günstige Preis nur durch einen Bonus im ersten Jahr zustande kommt.

Kaufkraft: Deutschland fällt auf Platz 24

Der nominale Vergleich blendet aus, wie viel die Menschen in einem Land verdienen. Verivox hat die Preise deshalb zusätzlich mit dem Kaufkraftfaktor der Weltbank umgerechnet.

In dieser Rechnung liegt Deutschland mit 50,1 Cent je Kilowattstunde auf Platz 24. Vorn stehen dann Sierra Leone mit 96,6 Cent und Ruanda mit 93,7 Cent – gemessen am Einkommen ist Strom für Haushalte in ärmeren Ländern also deutlich teurer.

Bei allen Rankings dieser Art gilt: Verglichen werden nationale Durchschnitte, keine einzelnen Verträge. Wechselkurse verzerren das Bild, und stark subventionierte Preise sagen wenig über die tatsächlichen Kosten der Erzeugung aus.

Stromsteuer: Das Versprechen an die Haushalte steht aus

Politisch bleibt der Preis ein Streitthema. Der Bund bezuschusst die Übertragungsnetzentgelte seit Januar mit 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds; zusammen mit dem Wegfall der Gasspeicherumlage sollen Haushalte damit bis zu 150 Euro im Jahr sparen.

Die Senkung der Stromsteuer auf den EU-Mindestsatz gilt dagegen dauerhaft nur für rund 600.000 Betriebe aus produzierendem Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD steht sie „für alle“.

Der Grünen-Politiker Michael Kellner forderte nach Bekanntwerden der neuen Zahlen, die Bundesregierung solle dieses Versprechen noch vor Weihnachten einlösen. Bis dahin bleibt Haushalten der Tarifwechsel – die einzige Entlastung, über die sie selbst entscheiden.

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