Nahost-Krieg

Angriffe auf verdeckt fahrende Öltanker verschärfen Krise in der Straße von Hormus

Zwei Schiffe mit saudischem Rohöl werden getroffen. Gleichzeitig erwägt Trump neue Angriffe auf iranische Stellungen in der Meerenge.

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Öltanker auf See. In der Straße von Hormus spitzt sich die Lage weiter zu.

Öltanker auf See. In der Straße von Hormus spitzt sich die Lage weiter zu.

© Tolga Ildun/imago

Zwei mit saudischem Rohöl beladene Supertanker sind beim Verlassen der Straße von Hormus innerhalb weniger Minuten von unbekannten Geschossen getroffen worden. Das berichten unter anderem Reuters und Bloomberg unter Berufung auf das maritime Sicherheitsunternehmen Marisks.

Die Tanker „Sidr“ und „Senegal Prosperity“ hatten nach Daten des Analyseunternehmens Kpler vergangene Woche jeweils zwei Millionen Barrel Rohöl am saudischen Terminal Juaymah aufgenommen. Zusammen transportierten sie damit rund vier Millionen Barrel.

Wer für die Angriffe am späten Montagabend verantwortlich war, blieb zunächst unklar. Gleichzeitig prüft US-Präsident Donald Trump laut Axios begrenzte weitere Militärschläge gegen den Iran.

Drei Geschosse treffen zweiten Supertanker

Die unter saudischer Flagge fahrende „Sidr“ wurde nach Angaben von Marisks gegen 21.52 Uhr deutscher Zeit rund 31 Kilometer nordöstlich der omanischen Exklave Khasab getroffen. Wenige Minuten später schlugen demnach drei unbekannte Geschosse in die unter liberianischer Flagge fahrende „Senegal Prosperity“ ein. Der zweite Angriff ereignete sich etwa 31 Kilometer östlich von Khasab.

Alle Besatzungsmitglieder seien in Sicherheit. Zum Ausmaß möglicher Schäden lagen zunächst keine Angaben vor. Die britische Seefahrtsbehörde UKMTO bestätigte, dass ein Tanker beim Verlassen der Meerenge von drei Geschossen getroffen worden sei. Der Name des Schiffes wurde nicht genannt.

Nach Daten zur Schiffsverfolgung lag die „Sidr“ anschließend nahe der omanischen Küste vor Anker. Beide Tanker hatten laut Bloomberg zuvor ihre AIS-Transponder abgeschaltet, über die Schiffe ihre Position und ihren Kurs übermitteln. Die Betreiber Bahri und Sinokor äußerten sich zunächst nicht.

Trump prüft „begrenzte Angriffe“ auf den Iran

Die neuen Zwischenfälle ereigneten sich vor dem Hintergrund amerikanischer Überlegungen zu weiteren Militärschlägen in der Meerenge. Trump und seine ranghohen Berater prüfen nach Angaben von Axios Angriffe auf iranische Radarstellungen, Luftabwehrsysteme und Fähigkeiten zum Einsatz von Anti-Schiffs-Raketen.

Das US-Zentralkommando Centcom habe den Plan in der vergangenen Woche ausgearbeitet. Verteidigungsminister Pete Hegseth unterstütze ihn. Trump habe bislang jedoch keine Entscheidung getroffen. Das Weiße Haus erklärte lediglich, dem Präsidenten stünden weiterhin alle Möglichkeiten offen.

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Die amerikanische Regierung hatte zunächst dazu tendiert, auf neue Angriffe zu verzichten, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Iranische Raketenangriffe auf US-Stützpunkte in Jordanien am Sonntag könnten diese Einschätzung laut Axios jedoch verändert haben. Trump kündigte daraufhin an, die USA würden reagieren und den Iran „hart treffen“.

USA fürchten Wiederaufbau iranischer Fähigkeiten

Nach Darstellung amerikanischer Regierungsvertreter versucht Iran, seine zuvor geschwächten militärischen Kapazitäten an der Straße von Hormus wiederherzustellen. Besorgnis habe unter anderem der Abschuss einer iranischen Flugabwehrrakete in Richtung eines amerikanischen F-35-Kampfjets ausgelöst. Die Rakete sei dem Flugzeug nicht gefährlich nahe gekommen, der Vorfall werde aber als Warnsignal gewertet.

Centcom hält dem Bericht zufolge wiederholte begrenzte Angriffe für notwendig, um täglich Dutzende Öltanker möglichst sicher aus dem Persischen Golf begleiten zu können. Die US-Streitkräfte hatten in den vergangenen zwei Monaten nach eigenen Angaben iranische Minen beseitigt, militärische Stellungen geschwächt und Schiffe durch die Meerenge geleitet.

Ölpreis steigt auf mehr als 92 Dollar

Die fast zeitgleichen Angriffe gefährden die zuletzt einsetzende Erholung der Ölexporte aus der Golfregion. Nach Angaben von Bloomberg hatte der Schiffsverkehr durch verdeckte Pendelfahrten wieder etwa die Hälfte seines Vorkriegsniveaus erreicht. Saudi Aramco nahm im August zudem die Verladung von Öl an Terminals innerhalb der Meerenge wieder auf.

Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg am Dienstag zeitweise um zwei Prozent auf mehr als 92 Dollar. Vor Beginn des Krieges der USA und Israels gegen Iran vor mehr als sechs Monaten passierte etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung die Straße von Hormus. Vermittlungsversuche Katars und Omans für eine Wiederöffnung brachten bislang keinen Durchbruch.

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