Wer einen Kākāpō sucht, riecht ihn meistens zuerst. Die Vögel verströmen einen intensiven Duft, den Programmleiterin Deidre Vercoe von Neuseelands Naturschutzbehörde als moschusartig und fruchtig beschreibt. Für eingeschleppte Katzen, Ratten und Marder war diese Duftnote über Jahrzehnte eine Einladung zum Abendessen.
Umso erstaunlicher ist, was Neuseelands Department of Conservation (DOC) jetzt gemeldet hat: Es gibt wieder mehr als 300 dieser Papageien.
90 Jungvögel aus der Brutsaison 2026 zählen seit Montag offiziell zur Population. Damit leben 325 Kākāpō, vorher waren es 235. Es ist der höchste Stand seit Beginn des modernen Schutzprogramms.
90 Küken in einer Saison: Rekord seit 1995
Mitgezählt wird ein Küken erst, wenn es 150 Tage alt und selbstständig ist. Das jüngste Weibchen der Saison heißt Awarua-A3 und schlüpfte am 30. März.
Wie groß der Sprung ist, macht ein Vergleich deutlich, den Vercoe in der Mitteilung der Behörde zieht: In den Anfangsjahren des Programms habe es 16 Jahre gedauert, bis überhaupt 90 Küken herangewachsen waren. Diesmal reichte eine einzige Saison.
Das letzte Mal, dass mehr als 300 Kākāpō gelebt haben dürften, liegt laut Vercoe womöglich 75 Jahre zurück. Belastbar ist diese Zahl nicht, sie ist eine Schätzung der Behörde.
Sicher ist dagegen der Tiefpunkt. Als das Kākāpō Recovery Programme 1995 begann, waren noch 51 Tiere bekannt, darunter nur 20 Weibchen. Und 1974 war kein einziger lebender Kākāpō mehr bekannt, bis Forscher Ende der Siebzigerjahre im Süden des Landes doch noch eine Restpopulation fanden.
Warum der Kākāpō nur alle paar Jahre brütet
Der Kākāpō richtet sein Liebesleben nach einem Baum. Erst wenn der Rimu massenhaft Früchte trägt, gehen die Weibchen in die Brut, und das passiert alle zwei bis vier Jahre. Diesmal lagen vier Jahre dazwischen.
Effizient ist die Balz auch nicht. Die Männchen graben sich Kuhlen in den Boden, pumpen Luftsäcke in der Brust auf und lassen daraus ein tiefes Wummern hören, das kilometerweit durch den Wald trägt. Dann warten sie darauf, dass ein Weibchen den weiten Weg auf sich nimmt.
Auf zwei Inseln im Fiordland fiel die Rimu-Ernte in diesem Jahr üppig aus, die Weibchen dort brauchten kein Zufutter. Auf Whenua Hou / Codfish Island dagegen reiften die Früchte nicht, dort mussten die Ranger nachhelfen.
Zehn Küken entstanden durch künstliche Besamung. Drei Weibchen brüteten mit vier Jahren erstmals, so jung wie nie zuvor.
Funksender, Nestkamera und 100.000 Zuschauer
Jeder Kākāpō trägt einen kleinen Sender, über den sich Standort und Aktivität aus der Ferne verfolgen lassen. Die Ranger schauten deshalb seltener selbst ins Nest als früher.
Nur zwei Küken wurden von Hand aufgezogen, beide nach einer medizinischen Behandlung. Alle anderen zogen die Mütter allein groß. Wie gut sich das ansehen lässt, zeigte ein Livestream aus einem Nest, den während der Brutzeit mehr als 100.000 Menschen verfolgten.
Tāne Davis, Vertreter des Māori-Stammes Ngāi Tahu im Schutzprogramm, beschreibt den Rückzug der Menschen als Richtungswechsel. Man wolle künftig genauer bestimmen, wo Eingriffe noch nötig seien und wo sich das Brutgeschehen wieder der Natur überlassen lasse.
Dazu passt eine Neuerung, über die Kākāpō-Fans womöglich weniger begeistert sein werden: Ein Teil der diesjährigen Küken soll namenlos bleiben. Bislang trug jeder erwachsene Vogel einen eigenen Namen.
Der Papagei, der Stephen Fry zum Lachen brachte
Berühmt wurde die Art 2009 durch ein Männchen namens Sirocco. Vor laufender BBC-Kamera kletterte er dem Zoologen Mark Carwardine auf den Kopf und versuchte, sich mit ihm zu paaren, während Moderator Stephen Fry am Rand vor Lachen fast zusammenbrach.
Der Clip lief millionenfach im Netz, Sirocco wurde offizieller Botschafter des neuseeländischen Artenschutzes. Für Freiwillige entwickelten die Forscher später sogar einen Spezialhelm zum Auffangen von Sperma. Er funktionierte nicht und steht heute im Nationalmuseum Te Papa in Wellington.
325 Kākāpō – und trotzdem zu wenig Platz
Gerettet ist die Art damit nicht. Die geringe genetische Vielfalt sorgt weiter für Unfruchtbarkeit und schlechte Schlupfraten.
Vor allem aber sind die raubtierfreien Inseln inzwischen voll. Wissenschaftler Andrew Digby sagte dem neuseeländischen Radiosender RNZ, spätestens nach der nächsten Brutsaison brauche man dringend einen weiteren Standort.
Davis' Wunsch ist die Rückkehr auf die Insel Rakiura, von der fast alle Gründertiere der heutigen Population stammen. Dafür müsste die Insel erst von Katzen, Ratten und Mardern befreit werden. Das ist ein Projekt für Jahrzehnte, nicht für eine Legislaturperiode.
Die nächste Brutsaison könnte laut den Modellen des Programms schon 2028 kommen. Ein Vogel, der 80 Jahre alt wird, kann warten. Die Inseln, auf denen er lebt, eher nicht.
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