Nach dem Angriff auf das Stromnetz in Südbrandenburg gehen die Ermittler davon aus, dass auch die Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückgeht. Unbekannte hätten Kabel über die Oberleitung gebracht und so einen Kurzschluss verursacht, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU). „Das war Absicht. Wer da rangeht, greift unser Land an.“
Die Ermittler sehen Parallelen zwischen beiden Vorfällen. In der Nähe der Tatorte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden, die womöglich bereits vor längerer Zeit dort installiert worden waren.
Sechs Vorrichtungen im Maisfeld
In Bergheim entdeckten Einsatzkräfte der Polizei bei einer Suchaktion in einem Maisfeld insgesamt sechs Abschussvorrichtungen. Diese seien so gebaut, dass mit pyrotechnischen Gegenständen ein Draht über die Stromleitungen geführt werden konnte. In der Folge seien mehrere Kraftwerksblöcke abgeschaltet worden, die lebenswichtige Versorgung der Bevölkerung sei dadurch bedroht gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke gingen nach dem Kurzschluss am Dienstagabend gegen 20 Uhr vom Netz. Der Netzbetreiber Amprion versicherte: „Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt davon betroffen und die Systemstabilität immer gewährleistet.“
Selbstgebaute Flugkörper in Brandenburg
In Brandenburg hatten Unbekannte am Dienstagmorgen versucht, in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde die Stromversorgung zu stören. Dazu lenkten sie nach Angaben von Innenminister Jan Redmann (CDU) mit Hilfe selbstgebauter Flugkörper, die Silvesterraketen ähnelten, leitfähiges Material in Richtung Höchstspannungsleitungen. Man habe „verdammtes Glück“ gehabt, sagte Redmann. Nach jetzigem Stand habe nur einer von mehr als einem Dutzend „raketenähnlichen Gegenständen“ mit Treibsatz sein Ziel erreicht – jedoch ohne Auswirkungen. Das betroffene Umspannwerk zähle zu den relevantesten in Deutschland. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung.
Ermittler prüfen zwei Richtungen
Wer hinter den Vorfällen steckt, ist noch offen. „Wir prüfen zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus“, sagte Reul. Nach Angaben Redmanns unterscheidet sich die Tatausführung in Brandenburg von bisherigen Anschlägen auf die Stromversorgung, die der linksextremistischen Szene zugeordnet werden.
Breiter in den Blick nehmen die Ermittler nun auch den Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen im Juni, bei dem rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen zeitweise ohne Strom waren. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. Anfang des Jahres hatte ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin einen großflächigen Stromausfall ausgelöst, hier vermuten die Ermittler linksextremistische Täter. Die betroffenen Länder wollen sich nun stärker vernetzen.
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