Luftfahrt

„Faktische Schließung des russischen Luftraums“: Selenskyj warnt zivile Luftfahrt – Putin reagiert

Der ukrainische Präsident rechnet mit einer faktischen Schließung des russischen Luftraums. Putin spricht von „Staatsterrorismus“ und droht mit einer Reaktion.

4 Min
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine. Er warnte Airlines vor Drohnengefahr im russischen Luftraum.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine. Er warnte Airlines vor Drohnengefahr im russischen Luftraum.

© Ludovic Marin/Pool AFP/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat internationale Fluggesellschaften eindringlich vor wachsenden Gefahren durch ukrainische Drohnen im russischen Luftraum gewarnt.

Airlines, Versicherer und ausländische Regierungen müssten damit rechnen, dass der Luftraum über Russland faktisch geschlossen werde, sagte Selenskyj am Dienstag in seiner abendlichen Videobotschaft. Der russische Präsident Wladimir Putin wertete die Äußerungen als Ankündigung von „Staatsterrorismus“.

„Die sicheren Tage im russischen Luftraum sind vorbei“, erklärte Selenskyj. Über Russland würden künftig Drohnen in einem Ausmaß unterwegs sein, das Fluggesellschaften bei ihrer Planung berücksichtigen müssten. Ein „von Drohnen wimmelnder Luftraum“ sei kein Ort für die zivile Luftfahrt.

Selenskyj betonte zugleich, dass die Ukraine keine Passagiermaschinen angreifen werde. „Die Ukraine bedroht die zivile Luftfahrt nicht als solche, kein einziges ziviles Flugzeug“, sagte er. Die Warnung richtet sich nach seinen Angaben besonders an Fluggesellschaften, die weiterhin Moskau, St. Petersburg und andere große russische Flughäfen anfliegen.

Putin droht mit nicht näher genannter Reaktion

Putin bezeichnete Selenskyjs Aussagen bei einer Pressekonferenz nach einem Gipfeltreffen in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek als „Erklärung des Staatsterrorismus“. Sollte es zu entsprechenden Tragödien kommen, werde Russland wissen, wie es darauf reagieren müsse. Konkrete Gegenmaßnahmen nannte er nicht.

Der Kreml-Chef stellte zudem einen Zusammenhang mit Selenskyjs Forderung nach einem persönlichen Treffen her. „Sie fordern uns auf, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Aber mit Terroristen verhandelt man nicht“, sagte Putin.

Gleichzeitig erklärte er nach Angaben von Reuters, Moskau sei grundsätzlich offen für Gespräche, wenn diese auf ein Ende und nicht lediglich auf ein Einfrieren des Krieges zielten. Vermittler, die einen konkreten Beitrag leisten könnten, seien willkommen. Die von den USA angestoßenen Verhandlungen liegen seit Monaten weitgehend auf Eis.

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Ukraine will internationale Organisationen informieren

Selenskyj kündigte an, das ukrainische Außenministerium werde internationale Organisationen ausführlich über die Risiken im russischen Luftraum informieren. Auch die Botschafter ausländischer Staaten in Kiew und Moskau sollten ihre Regierungen und die jeweiligen Fluggesellschaften warnen.

Europäische und amerikanische Airlines meiden den russischen Luftraum bereits. Fluggesellschaften aus China, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen Golfstaaten nutzen ihn dagegen weiterhin.

Die Ukraine sei bereit, ihre Drohneneinsätze zeitweise und auf bestimmten Routen auszusetzen, wenn Partner dies für diplomatische Reisen verlangten, sagte Selenskyj. Auf Bitten der USA habe Kiew seine Angriffe auf Moskau und St. Petersburg vom 25. bis 27. August unterbrochen. Auch für eine Reise von CIA-Direktor John Ratcliffe nach Moskau sei ein sicheres Zeitfenster geschaffen worden.

Kiew verstärkt Angriffe auf russische Infrastruktur

Die Ukraine greift seit einiger Zeit verstärkt Raffinerien, Öldepots, Häfen und andere Einrichtungen in Russland an, die nach ihrer Darstellung den Krieg finanzieren oder militärisch genutzt werden. Drohnenangriffe auf Moskau und andere Städte führten wiederholt zur vorübergehenden Schließung von Flughäfen und zu Flugausfällen. Zuletzt trafen ukrainische Drohnen am Montag den Novatek-Komplex im Ostseehafen Ust-Luga.

Selenskyj stellte die Ausweitung der Angriffe als Folge des russischen Angriffskrieges dar. Die Eskalation könne nicht auf ukrainisches Gebiet begrenzt bleiben. Russland habe seit Februar 2022 durch seine Raketen- und Drohnenangriffe dafür gesorgt, dass der ukrainische Luftraum für die zivile Luftfahrt geschlossen sei.

In der Nacht zum Dienstag wurden bei russischen Angriffen auf Kiew und die umliegende Region nach ukrainischen Angaben mindestens zwölf Menschen getötet und 21 weitere verletzt. Russland hatte die ukrainische Hauptstadt damit die sechste Nacht in Folge angegriffen. Selenskyj sprach von „russischem Terror gegen Zivilisten“.

Moskau beharrt in möglichen Friedensgesprächen unter anderem auf der Abtretung der gesamten ostukrainischen Gebiete, die Russland für sich beansprucht. Kiew lehnt diese Forderung ab.

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