Prozess

Prozess gegen den ersten Nord-Stream-Verdächtigen beginnt im Oktober

Vier Jahre nach den Sprengungen an den Ostsee-Pipelines beginnt der erste Prozess. Ein früherer ukrainischer Offizier steht ab 14. Oktober in Hamburg vor Gericht.

3 Min
Das vom dänischen Verteidigungskommando zur Verfügung gestellte Foto zeigt das Nord-Stream-2-Gasleck in der Nähe von Bornholm aus der Luft.

Das vom dänischen Verteidigungskommando zur Verfügung gestellte Foto zeigt das Nord-Stream-2-Gasleck in der Nähe von Bornholm aus der Luft.

© -/Danish Defence Command/dpa

Der Prozess um die Anschläge auf die Nord-Stream-Gasleitungen beginnt am 14. Oktober am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg. Das Gericht habe die Anklage gegen den ukrainischen Staatsangehörigen Serhij K. zur Hauptverhandlung zugelassen, teilte eine Gerichtssprecherin mit. Bis zum 17. Dezember seien zunächst 16 Prozesstermine angesetzt, weitere sollen im Januar und Februar 2027 folgen.

Der Staatsschutzsenat sei nach vorläufiger Bewertung zu dem Schluss gekommen, dass der Angeklagte als Mittäter hinreichend verdächtig erscheine, so die Sprecherin. Ihm werde das Kriegsverbrechen des Einsatzes verbotener Methoden der Kriegsführung durch Angriff gegen zivile Objekte vorgeworfen. Hinzu kämen die Vorwürfe des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, der Zerstörung von Bauwerken sowie der Störung öffentlicher Betriebe.

Explosionen nahe Bornholm im September 2022

Mehrere Sprengungen in der Nähe der dänischen Ostseeinsel Bornholm hatten die beiden Nord-Stream-Pipelines im September 2022 so stark beschädigt, dass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte. Durch Nord Stream 1 floss zuvor russisches Erdgas nach Deutschland, Nord Stream 2 war noch nicht in Betrieb genommen worden.

Nach Einschätzung der Ermittler begab sich Serhij K. spätestens am 8. September 2022 mit sechs Mittätern im Hafen von Wiek auf Rügen auf die zuvor gecharterte Segelyacht Andromeda. Die Gruppe soll nahe Bornholm bei Tauchgängen in bis zu 80 Metern Tiefe vier mit Zeitzündern versehene Sprengsätze an den Gasleitungen befestigt haben. Serhij K. soll damals Offizier einer Spezialeinheit der ukrainischen Streitkräfte gewesen sein.

Festnahme in Italien und Auslieferung

Der mutmaßliche Drahtzieher wurde Ende August 2025 auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls an der italienischen Adriaküste im Urlaub mit seiner Familie gefasst. Über Monate wehrte sich Serhij K. gegen seine Auslieferung. Am 27. November wurde er nach Deutschland überstellt, einen Tag später setzte ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof den Haftbefehl in Vollzug. Anfang Juli wurde Anklage erhoben.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Ein mutmaßlicher Mittäter, der Ukrainer Wolodymyr Z., sitzt in Kroatien in Auslieferungshaft. Er war am 19. August in der Küstenstadt Pula festgenommen worden, wie das kroatische Fernsehen HRT berichtete. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm unter anderem das gemeinschaftliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor. Z. soll einer der Taucher gewesen sein, die die Sprengladungen angebracht hatten. (mit AFP, dpa)

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner