LIVE

Wahlen

Liveblog zur Sachsen-Anhalt-Wahl:BSW-Chefin Wittig: „Undemokratisch, die AfD nicht an der Regierung zu beteiligen“

Laut Hochrechnungen wird die AfD stärkste Kraft bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet von vor Ort – die wichtigsten Informationen hier im Liveblog.

Alice Weidel und Claudia Wittig im ARD

Alice Weidel und Claudia Wittig im ARD

© Screenshot ARD

In Sachsen-Anhalt wählen die Menschen am Sonntag einen neuen Landtag. 1,7 Millionen Wähler sind dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Ersten Hochrechnungen zufolge liegt die AfD bei über 44 Prozent.


Sonntag, 6. September

19.35 Uhr: Pantisano bezeichnet Chrupalla als „größte Flachzange“

In der ARD-Wahlsendung geraten Tino Chrupalla (AfD), Tim Klüssendorf (SPD) und Luigi Pantisano (Linke) aneinander. Chrupalla sprach von „Milliarden, die im Ausland verpulvert werden“.

Klüssendorf nannte Chrupalla den „verlängerten Arm Putins“. Pantisano kritisierte Chrupalla wegen dessen hohen Gehalt und sagte erbost: „Herr Chrupalla, Sie sind die größte Flachzange, die in Berlin rumläuft“. Alice Weidel hatte Mitglieder der Bundesregierung im Sommerinterview bereits als „Flachzangen“ bezeichnet. Chrupalla entgegnete: „Im Gegensatz zu Ihnen weiß ich wenigstens, was eine Flachzange ist“.

19.30 Uhr: „Wir haben jedenfalls nicht verloren“ - BSW

Halle an der Saale, kleine Wahlparty des BSW im Paulusviertel unterhalb des Wasserturms. Bei Bier und Currywurst verbreiten ein Dutzend BSWler  gute Stimmung. Sogar zwei japanische Journalisten haben sich eingefunden. „Alles unter vier Prozent wäre sch*** gewesen“, klingt es über den Tisch, „wir haben jedenfalls nicht verloren.“

Im Konflikt mit den Thüringer Abtrünnigen stehen die Hallenser an der Seite von Sarah Wagenknecht. Der Austritt in Erfurt zwei Tage vor der Wahl wird als übles Manöver interpretiert: „Das hätten sie auch am Montag machen können.“ Die Aktion habe der Partei ein Prozent gekostet, mindestens.

Das gute Abschneiden der AfD kommentiert man pragmatisch: Bei der hohen Wahlbeteiligung sei nun wenigstens klar, was die Mehrheit wolle. Addiere man zum Ergebnis der AfD und der CDU die Unionsanhänger, die nur aus taktischen Gründen SPD oder Grüne gewählten hätten, dann komme das Lager rechts der Mitte auf über zwei Drittel. Das könne nicht ohne Konsequenzen bleiben.

19.20 Uhr: Junge Union fordert Schulze-Rücktritt

Nach dem schwachen Abschneiden der CDU bei der Landtagswahl verschärft sich der interne Druck massiv: Laut einem Bericht des Stern fordert die Junge Union Sachsen-Anhalt nun geschlossen den Rücktritt des Landesvorsitzenden Sven Schulze.

Nach der Niederlage der CDU bei der Landtagswahl fordert die Junge Union Sachsen-Anhalt personelle Konsequenzen. Der Landesvorstand der Nachwuchsorganisation verlangt in einem Beschluss einen „Rücktritt und eine zeitnahe Neuwahl der gesamten Landesführung – vom Landesvorsitzenden bis zum gesamten Landesvorstand“. Die Verantwortung für das Wahlergebnis liege bei der „gesamten Parteiführung“.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Die JU bezeichnet die CDU als „Verliererin dieser Wahl“ und warnt davor, das Ergebnis zu „beschönigen oder relativieren“. Der Regierungsbildungsauftrag liege „zweifellos bei der AfD“. Zugleich wendet sich die Junge Union dagegen, dass sich die CDU künftig ausschließlich von linken oder ausschließlich von rechten Parteien abhängig mache. Für einen Neustart brauche es neben personellen Konsequenzen auch eine inhaltliche Neuaufstellung.

19.15 Uhr: FDP fliegt aus dem Landtag – Partei spricht von „Enttäuschung“

Die FDP verpasst nach den ersten Hochrechnungen den Wiedereinzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt. Bei der Landtagswahl 2021 hatte sie noch 6,4 Prozent erreicht.

Die Partei bezeichnet das Ergebnis als „eine Enttäuschung und nicht zufriedenstellend“. Wirtschaft und Wohlstand seien aus Sicht der FDP die entscheidenden Fragen für Sachsen-Anhalt. Dass sie mit ihrem Programm gerade in diesen Bereichen nicht habe durchdringen können, enttäusche die Partei.

Spitzenkandidatin Lydia Hüskens dankt Wählern, Wahlkämpfern und Kandidaten. Die FDP habe in den vergangenen Wochen gezeigt, „dass wir lebendig und frohen Mutes sind“. Das stimme hoffnungsvoll für einen Wiederaufstieg in den kommenden Jahren.

Die FDP ist mit Spitzenkandidatin Lydia Hüskens (l.) an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert

Die FDP ist mit Spitzenkandidatin Lydia Hüskens (l.) an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert

© Hendrik Schmidt/dpa

19.14 Uhr: Siegmund lehnt AfD-geführte Minderheitsregierung ab

Der sachsen-anhaltinische AfD-Spitzenkandidat und Wahlsieger Ulrich Siegmund unterstrich im ZDF seine Ambitionen und erteilte einer möglichen Minderheitsregierung eine klare Absage. 

Nach dem Wahlsieg werde es „keine Konstellationen geben mit Minderheitsregierung oder sowas“, sagte Siegmund. Prinzipiell wäre die AfD zwar offen für eine Koalition mit einer Partei, die einen neuen Kurs in der Migrations- und Energiepolitik umsetzen wolle, einen derartigen Partner sehe er aber derzeit nicht. „Wir möchten uns nicht verbiegen für irgendwelche Machtoptionen“, betonte Siegmund.

18.58 Uhr: Weidel und Wittig - Harmonie unter Profis

Zwischen der AfD-Spitze und dem BSW deutet sich eine politische Annäherung an. Während Alice Weidel die Rolle des BSW als potenziellen „Königsmacher“ mit Spannung beobachtet und die kommenden Tage abwarten will, zeigt sich die sachsen-anhaltinische BSW-Chefin Claudia Wittig offen für eine punktuelle Zusammenarbeit, etwa bei der „Energiepreisproblematik , das kann man mit der AfD zusammen machen“, sagte Wittig. Zugleich gebe es „andere Punkte, wo wir eher nicht so große Schnittmengen sehen“. Wittig sagte auch: „Wenn 44 Prozent der Wähler die AfD gewählt haben, wäre völlig undemokratisch, sie nicht in irgendeiner Weise an der Regierung zu beteiligen“.

Alice Weidel und Claudia Wittig im ARD

Alice Weidel und Claudia Wittig im ARD

© Screenshot ARD

18.48 Uhr: Weidel spricht von „historischem Wahlsieg“

AfD-Chefin Alice Weidel bezeichnete das Wahlergebnis in der ARD als „historisch“ und „sensationell“ und leitete daraus einen klaren Regierungsauftrag für einen politischen Wechsel ab. Während sie das Abschneiden der CDU als „desaströs“ titulierte und mutmaßte, dass diese künftig keine Wahl mehr gewinnen werde, hielt sie die Tür für Gespräche mit „konstruktiven Kräften“ – explizit auch Teilen der CDU – durch Ulrich Siegmund offen.

Bezüglich einer möglichen Rolle des BSW als „Königsmacher“ gab sich Weidel zurückhaltend und verwies auf die kommenden Tage, während Claudia Wittig für das BSW klarstellte, dass man sich inhaltlich von Fall zu Fall entscheiden werde. Auf die konkrete Frage, ob man Siegmund zum Ministerpräsidenten wählen würde, sagte Wittig, dass sie Siegmund nicht wählen möchte.

18:38 Uhr: SPD-Generalsekretär zufrieden

Angesichts der ersten Hochrechnung, die die SPD bei 8,2 Prozent sieht, zeigte sich Generalsekretär Tim Klüssendorf in der ARD erfreut über das Abschneiden seiner Partei. Die SPD habe den Einzug in den Landtag „sehr, sehr stabil geschafft“, betonte er. Das Ergebnis sei ein Zeichen dafür, dass mit der SPD weiterhin zu rechnen sei.

18.32 Uhr: Erste Hochrechnung

Die erste Hochrechnung zeigt: Die AfD gewinnt deutlich mit 44,5 Prozent (39 Sitze), während die CDU ihr Ergebnis auf 18,5 Prozent (16 Sitze) halbiert. Die Linke kommt auf 9,4 Prozent, die Grünen auf 8,9 Prozent und die SPD auf 8,2 Prozent. Das BSW schafft mit genau 5 Prozent den Einzug, während die FDP mit 2,1 Prozent deutlich scheitert.

18.27 Uhr: Schulze gratuliert der AfD

„Es ist für uns eine Niederlage“, gestand der Ministerpräsident in einer ersten Stellungnahme ein. Es gebe Menschen die sagen: Es ist ein schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt. Dem widerspricht Schulze: „Das ist Demokratie.“

18.25 Uhr: Stimmen aus MV und Berlin: Holm und Brinker äußern sich

Leif-Erik Holm, AfD-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, spricht angesichts der ersten Zahlen bereits von einem „Sieg“. Für ihn hat das Ergebnis in Sachsen-Anhalt auch Signalwirkung für die eigene Landtagswahl in zwei Wochen. Holms Ziel: ebenfalls deutlich mehr als 40 Prozent und die Ablösung von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

Direkt nach Leif-Erik Holm spricht Kristin Brinker, Spitzenkandidatin der Berliner AfD. Auch in der Hauptstadt wird bereits in zwei Wochen gewählt. Brinker kündigt an, dort ebenfalls „ein starkes Ergebnis einfahren“ zu wollen.

Von den Mehrheitsambitionen Holms in Mecklenburg-Vorpommern ist die Berliner AfD allerdings weit entfernt. In den jüngsten Umfragen kommt sie auf 18 Prozent. Damit liegt sie allerdings nur knapp hinter CDU und Linken: Infratest dimap sieht die CDU derzeit bei 21 Prozent, die Linke bei 19 und die AfD gleichauf mit den Grünen bei 18 Prozent.

18.21 Uhr: Tillschneider: Ambitionen auf Bundesebene

Während noch offen ist, ob es für die AfD in Sachsen-Anhalt zur absoluten Mehrheit reicht, richtet Hans-Thomas Tillschneider den Blick bereits auf die Bundesebene. Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende zeigt sich überzeugt, dass seine Partei dort künftig sogar Ergebnisse von mehr als 50 Prozent erreichen werde.

Sollte die absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt am Ende knapp verfehlt werden, werde das am Kurs der Partei nichts ändern, kündigt Tillschneider an. Die AfD werde genauso weitermachen wie bisher.

18.15 Uhr: „We are the World“

Auf der Grasfläche vor dem Magdeburger Dom steht ein Flügel. Ein Mann spielt „We Are the World“ und „Here Comes the Sun“, während sich dahinter auf dem Domplatz immer mehr Menschen versammeln. Hier finden Kundgebungen für ein weltoffenes Sachsen-Anhalt statt – getragen vom Antifaschistischen Bündnis Solidarisches Magdeburg, von Omas gegen Rechts, Greenpeace und dem DGB. Zum Ende des Liedes ertönt vom Domplatz die Sirene des antifaschistischen Protestbusses „Adenauer SRP+“.

Flügel vor dem Magdeburger Dom.

Flügel vor dem Magdeburger Dom.

© Dahahm Choi/Ostdeutsche Allgemeine

18.15 Uhr: Höcke: „Deutschland, aber normal“

Kurz nach Bekanntgabe der ersten Zahlen ergreift Björn Höcke das Wort. Der Thüringer AfD-Chef spricht nur kurz. Er habe „schlottrige Knie“, sagt Höcke vor den jubelnden Anwesenden.

Die von ihm als „Kartellparteien“ bezeichneten politischen Konkurrenten seien „letztlich zu einem Flohzirkus zusammengeschrumpft“. Sachsen-Anhalt habe an diesem Abend „eine Weiche gestellt“, nun werde es weitergehen.

Am Ende seiner Rede sagt Höcke, er sei „völlig gerührt“. Es gebe jetzt „nur noch eine Richtung“. Dann ruft er: „Deutschland, aber normal.“

18.10 Uhr: Weidel sieht Regierungsauftrag

Alice Weidel (AfD) sieht nach den ersten Prognosen einen Regierungsauftrag für die AfD in Sachsen-Anhalt.

Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt sieht die Bundesvorsitzende Alice Weidel den Regierungsauftrag bei ihrer Partei. „Das ist ein historisches Ergebnis, und es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag“, sagte Weidel am Sonntagabend im ZDF. In welcher Form die AfD in Sachsen-Anhalt regieren werde - „durch eine Tolerierung oder durch eine Koalition, das wird sich einfach noch zeigen“, fügte sie hinzu.

18.05 Uhr: 44,5 Prozent für die AfD – Jubel im Saal

Kurz vor 18 Uhr wird im Saal das ZDF eingeschaltet. Auf der Bühne haben sich die wichtigsten Vertreter der AfD versammelt. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund selbst ist noch nicht vor Ort. Er verfolgt die ersten Zahlen gemeinsam mit den anderen Spitzenkandidaten in der Messehalle und soll erst später zur Wahlparty kommen.

Dann erscheinen die ersten Zahlen auf der Leinwand: Als für die CDU 18,5 Prozent eingeblendet werden, brandet bereits Jubel auf. Wenige Augenblicke später folgt die AfD: 44 Prozent. Im Saal bricht ohrenbetäubender Jubel aus. Nach der ersten Prognose fehlt der Partei damit nur ein Sitz zur absoluten Mehrheit.

Bei der AfD bricht bei der Verkündigung der ersten Prognose Jubel aus.

Bei der AfD bricht bei der Verkündigung der ersten Prognose Jubel aus.

© Sophie-Marie Schulz/Ostdeutsche Allgmeine

18 Uhr: AfD laut erster Prognose bei 44,5 Prozent

Der ersten Prognose der ARD um 18 Uhr zufolge gewinnt die AfD die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich. Die Partei liegt demzufolge bei 44,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung liegt demzufolge bei 76,5 Prozent.

17.35 Uhr: Doppelte Kontrollen und Sprengstoffhunde bei AfD-Wahlparty

Die Sicherheitsvorkehrungen bei der AfD-Wahlparty in Magdeburg sind massiv. Das Gelände ist weiträumig abgesperrt. Auch für akkreditierte Journalisten gibt es eine doppelte Kontrolle. Taschen und andere mitgebrachte Gegenstände müssen abgegeben werden und werden von Sprengstoffspürhunden untersucht. Anschließend wird jeder Besucher noch einmal am Körper abgetastet.

Eine halbe Stunde vor den ersten Hochrechnungen füllt sich die AfD-Wahlparty zunehmend. Ständig kommen neue Gäste hinzu. Ausgelassene Stimmung herrscht bislang nicht, niedergeschlagen wirkt allerdings auch niemand.

In der Schlange zur Anmeldung sagt ein AfD-Politiker dieser Zeitung: „Es war ein langer Wahlkampf, der irgendwann enden muss. Und heute ist es so weit.“

Blick in den Veranstaltungssaal vor Beginn der Veranstaltung gegen 17:20 Uhr am WahlabendLandtagswahl Sachsen-Anhalt 2026.

Blick in den Veranstaltungssaal vor Beginn der Veranstaltung gegen 17:20 Uhr am WahlabendLandtagswahl Sachsen-Anhalt 2026.

© IMAGO/Chris Emil Janssen

17 Uhr: Didi Hallervorden auf der CDU-Wahlparty

Der Schauspieler Dieter „Didi“ Hallervorden ist bei der Wahlparty der CDU. Sven Schulze hatte Hallervorden kürzlich in einem Instagram Beitrag noch als „Freund“ bezeichnet. Hallervorden war im Wahlkampf mehrfach gemeinsam mit Schulze aufgetreten.

16.25 Uhr: Wahlbeteiligung schon jetzt höher als 2021

Die Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt liegt bereits zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale über dem Endwert der vergangenen Landtagswahl. Bis 16 Uhr wurden 65,3 Prozent gemeldet. 2021 beteiligten sich am Ende insgesamt 60,3 Prozent der Wahlberechtigten.

Zum Vergleich: Um 16 Uhr 2021 hatte die Beteiligung erst bei 41 Prozent gelegen. Die aktuellen Zwischenstände beruhen auf einer Stichprobe repräsentativer Urnenwahlbezirke und enthalten die Briefwahl noch nicht. Die vollständige landesweite Wahlbeteiligung wird erst im Laufe des Wahlabends feststehen.

Landeswahlleiterin Christa Dieckmann ruft die Wahlberechtigten dazu auf, die verbleibenden zwei Stunden noch für die Stimmabgabe zu nutzen.

16.10 Uhr: Stimmen vom Gartenzaun

Eide aus Quedlinburg blickt kritisch auf die heutige Landtagswahl. Ihre Entscheidung habe sie bereits getroffen – „ich habe hoffentlich meine beiden Kreuze richtig gesetzt“, sagt sie am Zaun ihres Kleingartens. Ihre Erwartung an die künftige Politik bringt sie denkbar einfach auf den Punkt: Es müsse einfach „alles gut laufen“.
Für Unverständnis sorgt bei ihr eine bildungspolitische Entwicklung: Das Ende der Schulpflicht halte sie für „idiotisch“.
Über ihre eigene Situation könne sie sich hingegen nicht beklagen – sie beziehe eine gute Rente und Witwenrente. Seit 70 Jahren bewirtschafte sie zudem ihren Garten in Quedlinburg, den schon ihre Eltern vor ihr gepflegt hätten.

15.50 Uhr: Rund 50 Antifaschisten demonstrieren am Magdeburger Hauptbahnhof

Am Magdeburger Hauptbahnhof demonstrieren rund 50 Antifaschisten, einige von ihnen vermummt, gegen Kapitalismus und einen daraus entstehenden Faschismus. Teilnehmer sind nach Angaben einer Sprecherin der sozialistischen Jugendorganisation „Young Struggle“ aus Sachsen-Anhalt, Berlin, Leipzig und weiteren Städten angereist.

Die AfD sei ein Produkt von Unzufriedenheit und Perspektivlosigkeit, sagt die Sprecherin. Bürgerliche Politik werde diese Probleme nicht lösen. „Das Deutschland, das ich kenne, wählt heute vielleicht einen Faschisten zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt“, sagt sie. Zugleich kritisieren Redner die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands, Kürzungen bei sozialer Infrastruktur und eine mögliche Wehrpflicht.

„Es gibt eine Alternative und das ist nicht die AfD. Das ist der Sozialismus“, heißt es bei der Kundgebung. „Young Struggle“ ist nach eigenen Angaben seit rund einem Jahr in Magdeburg aktiv und bundesweit bereits seit 2011.

Antifaschisten-Demo am Bahnhof in Magdeburg.

Antifaschisten-Demo am Bahnhof in Magdeburg.

© Sven Versteegen/Ostdeutsche Allgemeine

15.40 Uhr: Erstwähler: „Ulrich Siegmund? Kenne ich nicht.“

„Ich war noch nie wählen“, erzählt Winnfried. Nun hat der Rentner aus Tangermünde zum ersten Mal sein Kreuz gemacht. „Ich hoffe, ich habe die richtige Partei gewählt.“ Ob er Ulrich Siegmund kennt? „Kenne ich nicht“, beteuert Winnfried. Trotzdem ist von der Wahl ein kleines bisschen enttäuscht. „Ich dachte Erstwähler bekommen wenigstens Blumen“. Er hofft, dass „sich etwas ändert.“

Winnfried hat noch nie gewählt, jetzt hat er sein Kreuz gemacht.

Winnfried hat noch nie gewählt, jetzt hat er sein Kreuz gemacht.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

15.35 Uhr: „Ehrlich gesagt habe ich große Angst“

Am Magdeburger Hauptbahnhof ist die Anspannung vor dem Wahlergebnis auch bei Mitarbeitern der Geschäfte zu spüren. Eine Mitarbeiterin eines Lotto-Ladens sagt dieser Zeitung: „Ich glaube schon, dass heute noch etwas passieren wird. Ehrlich gesagt habe ich große Angst, ob ich sicher nach Hause komme.“

Zwar seien „unzählige Polizisten“ im und rund um den Bahnhof im Einsatz. Beruhigen könne sie das aber nur bedingt. „Wenn die AfD gewinnen sollte, dann weiß doch niemand, ob plötzlich Tausende Verrückte durch die Straßen ziehen, weil sie gegen die AfD sind. Dieses Gefühl ist nicht schön.“

15.20 Uhr: Zwischen Kirchturm und Wahlurne

Ditmar und Rainer waren heute noch nicht wählen. Sie stehen am Eingang der Blasiikirche in Quedlinburg, betreuen Gäste und erzählen ihnen von der Geschichte des Hauses. Die beiden Männer sind bei der Stadt angestellt und engagieren sich hier ehrenamtlich. Mit Blick auf die Landtagswahl beschäftigen sie vor allem die Themen Migration und Wirtschaft.

Rainer lebt bereits seit 18 Jahren in Quedlinburg und hat die Entwicklung der Stadt hautnah miterlebt. „Die Stadt hat sich gut entwickelt – das sieht man auch an den Touristen, die herkommen“, ergänzt Ditmar. Von der zukünftigen Landesregierung wünschen sich beide vor allem eine bessere Gesundheitspolitik. „Man muss so viel selbst bezahlen“, sagt Ditmar – früher habe die Krankenkasse deutlich mehr übernommen. Nach Feierabend wollen beide noch ihre Stimme abgeben.

Ditmar (links) und Rainer waren heute noch nicht wählen. Sie stehen am Eingang der Blasiikirche in Quedlinburg und betreuen Gäste.

Ditmar (links) und Rainer waren heute noch nicht wählen. Sie stehen am Eingang der Blasiikirche in Quedlinburg und betreuen Gäste.

© Dahahm Choi/Ostdeutsche Allgemeine

14.30 Uhr: Wahlbeteiligung bei 54,4 Prozent

Bis 14 Uhr haben 54,4 Prozent der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt ihre Stimme abgegeben. Bei der Landtagswahl 2021 waren es zum gleichen Zeitpunkt 27,1 Prozent. Die Beteiligung liegt damit bislang rund doppelt so hoch wie vor fünf Jahren.

Die Zahlen beruhen auf Rückmeldungen aus repräsentativen Urnenwahlbezirken. Briefwähler sind darin noch nicht enthalten. Die landesweite Wahlbeteiligung einschließlich der Briefwahl wird erst ab 18 Uhr ermittelt und mit dem vorläufigen Wahlergebnis veröffentlicht.

Insgesamt sind rund 1,706 Millionen Menschen wahlberechtigt. Das sind 82.973 weniger als bei der Landtagswahl 2021. Parallel zur Landtagswahl finden in mehreren Gemeinden außerdem Bürgermeister-, Ortsvorsteher- und Ergänzungswahlen statt.

14.15 Uhr: Autobahn A14 wieder freigegeben

Wie die Polizeidirektion Stendal auf der Plattform X mitteilte, wurde das brennende Motorrad auf der A14 gelöscht und abgeschleppt. Die Polizei gab die Autbahn in Fahrtrichtung Dresden wieder frei.

13.25 Uhr: „Aber wen wählt man?“ – fragt 83-Jährige

„Man kennt ja gar nicht alle Kandidaten“, sagt Anneliese Knepper in Hadmersleben. Mit der aktuellen Regierung sei sie jedenfalls unzufrieden. „Aber wen wählt man?“, fragt sie sich. „Da steht man wie die Kuh vor dem neuen Tor.“

Entschieden hat sie sich letztlich anhand zweier Themen: Altersvorsorge und Migration. Zu Letzterem sagt sie, sie habe sich für zugewanderte Menschen engagiert und auch Kleidung gespendet. Doch den Satz von Angela Merkel halte sie rückblickend für falsch – es seien schlichtweg zu viele gekommen, das System sei überfordert.
Darüber hinaus beschäftigt sie die Eingemeindung nach Oschersleben: Seitdem seien die Gebühren für Kitas und Friedhof gestiegen, zudem lasse die Sauberkeit im Ort zu wünschen übrig. Manchmal, sagt die 83-Jährige, Oma von insgesamt elf Enkeln, „wünsche ich mir die DDR zurück.“

Anneliese Knepper in Hattersleben trifft ihre Wahlentscheidung anhand von zwei Themen.

Anneliese Knepper in Hattersleben trifft ihre Wahlentscheidung anhand von zwei Themen.

© Dahahm Choi/Ostdeutsche Allgemeine

13.15 Uhr: Unfall auf der A14 – großer Stau

Auf der A14 in Richtung Magdeburg geht nichts mehr. Kurz vor der Anschlussstelle Colbitz verunglückte ein Motorradfahrer. Dichter, schwarzer Rauch bildet sich über der Autobahn. Das Motorrad brannte völlig aus. Ein enormer Stau bildete sich. Die herbeigeilten Einsatzkräfte versorgten den Verunfallten. Der Mann sei verletzt, aber noch ansprechbar, hieß es von der Unfallstelle. „Hoffentlich , geht es gleich weiter“, sagte eine Autofahrerin zu OAZ-Reportern „Ich muss noch nach Magdeburg, wählen“.

Auf der A14 hat sich ein langer Stau gebildet.

Auf der A14 hat sich ein langer Stau gebildet.

© Alexander Schumann / Ostdeutsche Allgemeine

12.45 Uhr: Wahlbeteiligung deutlich höher als vor fünf Jahren

Bis 12 Uhr haben in Sachsen-Anhalt 34,72 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bei der Landtagswahl 2021 waren es zum gleichen Zeitpunkt 22,4 Prozent. Damit liegt die Beteiligung am Mittag deutlich über dem damaligen Wert.

Die rund 2130 Wahllokale hatten am Morgen pünktlich geöffnet. Nach Angaben der Landeswahlleiterin verlief die Abstimmung am Vormittag reibungslos, unverhältnismäßig lange Wartezeiten habe es nicht gegeben.

Auch wer seine Wahlbenachrichtigung verlegt oder verloren hat, kann wählen, sofern er im Wählerverzeichnis seines Wahlbezirks eingetragen ist. Auf Verlangen muss er sich mit Personalausweis, Reisepass oder einem anderen amtlichen Lichtbilddokument ausweisen.

Bei einer plötzlichen Erkrankung können Wahlberechtigte außerdem eine Vertrauensperson bevollmächtigen, die Briefwahlunterlagen bis 15 Uhr beim Wahlamt abholt. Die Unterlagen müssen anschließend bis spätestens 18 Uhr an der auf dem Wahlbrief angegebenen Anschrift abgegeben werden. In einem normalen Wahllokal ist das nicht möglich.

12.30 Uhr: Niederländischer Jugendtrainer blickt mit Sorge auf die Wahl

Trainer Nico Geurtsen vom SV Eintracht Gröningen kommt nach dem Fußballspiel in Hadmersleben vom Platz. Wählen darf der 42-jährige Niederländer nicht. Er lebt seit 20 Jahren in Sachsen-Anhalt und trainiert seit neun Jahren die C-Jugend.

„Die Unzufriedenheit mit der jetzigen Regierung ist so groß, dass die Menschen zu stark nach links oder rechts wählen“, sagt er. Die Politik schüre Zukunftsängste und Planungsunsicherheit. Angst habe er selbst aber nicht: Keine neue Landesregierung könne alle ihre Vorhaben umsetzen.

Ein Paar, das sich als Familie Freitag vorstellt, fürchtet, Sachsen-Anhalt könne unter einer AfD-Regierung wirtschaftlich zurückfallen. Auch der Jargon der Partei schrecke beide ab. Ministerpräsident Sven Schulze mache seine Arbeit nicht schlecht, leide aber unter der Bundespolitik. Ihr Wahlziel sei klar: „Die AfD verhindern.“

12.10 Uhr: Landwirt fordert weniger Bürokratie und mehr Eigenverantwortung

Seit den frühen Morgenstunden ist Landwirt Claus-Christian Kühne auf den Feldern rund um Wanzleben unterwegs. „Wählen war ich bislang noch nicht, wir haben noch einiges zu tun“, sagt er – mit „wir“ meint er auch seinen Sohn, der im Hintergrund mit dem Traktor über die Felder fährt.

Der Landtagswahl blickt Kühne mit gemischten Gefühlen entgegen. Egal wie sie ausgehe, sei keine einfache Situation zu erwarten, sagt der Landwirt, der selbst CDU-Mitglied ist. Als wichtigstes Thema sieht er, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen – daran arbeite auch seine eigene Partei bereits.

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche der vergangenen Jahre führt Kühne auch auf die Einführung von Künstlicher Intelligenz zurück: „Die fordert und überfordert uns teilweise.“ Von der künftigen Regierung erhofft er sich weniger Bürokratie, weniger Vorschriften und mehr Fokus auf die Eigenverantwortung der Menschen. „Die Menschen sollen sich nicht nur auf den Staat verlassen“, so Kühne.

Landwirt Claus-Christian Kühne hat noch nicht gewählt.

Landwirt Claus-Christian Kühne hat noch nicht gewählt.

© Dahahm Choi/Ostdeutsche Allgemeine

11.50 Uhr: Siegmund hält an Wahlziel von 45 Prozent fest

Ulrich Siegmund wurde vor dem Wahllokal von zahlreichen Freunden, Bekannten und Anhängern lautstark empfangen. Viele der Anwesenden begrüßte er persönlich. „Wir holen uns unser Land zurück. Ohne euch wäre das nicht möglich gewesen“, rief er ihnen zu. Er glaube auch weiterhin an das Wahlziel von 45 plus X, sagte Siegmund vor Journalisten. Er sehe eine Aufbruchstimmung im Land. Gleichzeitig betonte Siegmund, dass er für Zusammenhalt werbe. Er sehe eine Aufbruchstimmung im Land, eine andere Politik sei möglich.

Den Wahlmorgen hat er entspannt mit seiner Familie verbracht, verriet Ulrich Siegmund unserem OAZ-Reporter. Zum Frühstück gab es Cornflakes und Joghurt, dann seien seine Frau und er mit einer Schwalbe zum Wahllokal gekommen. „Diese Schwalbe begleitet mich meinen gesamten Wahlkampf, eigentlich schon mein gesamtes Berufsleben lang. Ich habe sie damals mit 17 gekauft.“ Eine Symbolik, die er gerne beibehalten würde. Siegmund zur OAZ: „Und die nächste Fahrt mit dieser Schwalbe geht vom Landtag in die Staatskanzlei, nämlich nach der Wahl zum Ministerpräsidenten.“

Zahlreiche Freunde, Fans und Follower waren erschienen. Hier dankt Ulrich Siegmund seinem Vater.

Zahlreiche Freunde, Fans und Follower waren erschienen. Hier dankt Ulrich Siegmund seinem Vater.

© Alexander Schurmann/Ostdeutsche Allgemeine

11.38 Uhr: Wirtschaftsweise Schnitzer warnt vor AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt

Wirtschaftsfachleute warnen vor schweren wirtschaftlichen Folgen im Fall einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt. Angesichts des Wahlprogramms sei zu erwarten, dass bei einer Regierungsübernahme der AfD das Bundesland als Standort für Fachkräfte und Unternehmen deutlich an Attraktivität verlieren würde, sagte die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, dem Kölner Stadtanzeiger (Montag). Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, nannte in der Rheinischen Post (Samstag) eine Zuwanderungspolitik nach den Vorstellungen der AfD für Sachsen-Anhalt „ruinös“.

11.35 Uhr: AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat gewählt

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat am Sonntagvormittag der Spitzenkandidat der AfD, Ulrich Siegmund, seine Stimme abgegeben. Der 35-Jährige und seine Ehefrau Julia fuhren auf einem Simson-Moped vor einem Wahllokal in seiner Heimatstadt Tangermünde vor.

Kurz vor der Stimmabgabe von Siegmund hatte es vor dem Wahllokal einen Notarzteinsatz gegeben. Laut Polizei musste ein Mann reanimiert werden. Ob er überlebt hat, war zunächst unklar.

11.20 Uhr: Schulze gibt Stimme ab – „Ganz Deutschland blickt auf diese Wahl“

Im Wahllokal im AWO Lebensverband in Magdeburg hält sich der Andrang am Sonntagvormittag in Grenzen – bis auf die Pressevertreter, die Ministerpräsident Sven Schulze bei seiner Stimmabgabe erwarten. Für ihn sei es wichtig gewesen, am Wahltag persönlich zur Urne zu gehen, sagt Schulze auf Nachfrage der OAZ. „Jede Wahl ist gleich viel wert“, betont der CDU-Spitzenkandidat mit Blick auf die Möglichkeit der Briefwahl. Seine Botschaft an die noch Unentschlossenen: möglichst überhaupt wählen gehen.

„Ganz Deutschland, vielleicht die ganze Welt blickt auf diese Wahl“, sagt Schulze nach der Stimmabgabe. Es reiche nicht, nur Sprüche zu machen – man müsse auch Lösungen präsentieren. Zugleich hoffe er auf „eine große Unterstützung“ für sich und seine Ziele für Sachsen-Anhalt sowie auf einen „positiven Ausblick in die Zukunft“. Auf die Frage, was die CDU verändern müsse, um ehemalige Protestwähler der AfD zurückzugewinnen, geht Schulze an diesem Morgen nicht mehr ein. Mit Blick auf den Wahlabend rechnet er mit einer hohen Wahlbeteiligung und – auch wegen der Briefwahl – mit einem späten Endergebnis.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze gibt am Vormittag seine Stimme in Magdeburg ab.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze gibt am Vormittag seine Stimme in Magdeburg ab.

© Dahahm Choi/Ostdeutsche Allgemeine

11.15 Uhr: Magdeburger Wähler fordert Reformen und Stärkung des ländlichen Raums

Christian Plath unterstützt eine Partei, der er schon immer grundsätzlich zugeneigt ist. Die Wahl des 30-Jährigen wurde besonders von Themen wie der Modernisierung von Verwaltungen hin zur Digitalisierung beeinflusst, aber auch die wirtschaftliche Entwicklung im Land sowie die Migrationspolitik sind für ihn wichtige Themen. Was die zukünftige Landesregierung als Erstes in Angriff nehmen sollte? „Die katastrophale Haushaltslage.“ Auch der öffentliche Dienst bedarf einer Umstrukturierung. Die Politik müsse außerdem erkennen, dass Sachsen-Anhalt auch vom ländlichen Raum funktioniere und auch von dort gedacht werden müsse. Besonders die Schulen sollten auf dem Land gezielt gefördert und gestärkt werden, betont er.

11.05 Uhr: Rentnerin blickt zuversichtlich auf die Wahl

Im selben Wahllokal, in dem wenig später auch Ministerpräsident Sven Schulze seine Stimme abgeben wird, hat Rentnerin Anita Riehn in Magdeburg gewählt. Sie schaut entgegen der allgemeinen Stimmung optimistisch auf die heutige Wahl. „Ich blicke trotz allem sehr zuversichtlich auf den heutigen Tag“, so die 79-Jährige. Die Situation sei sicherlich verfahren, dennoch lasse sie sich ihren Optimismus nicht nehmen. Ihre Stimme habe sie denjenigen gegeben, die ihre wichtigsten zwei Punkte ins Zentrum stellen. „Für mich sind die zentralen Baustellen die Ertüchtigung der Infrastruktur und die Arbeitslosigkeit. Wir werden es schaffen, einen ordentlichen Zustand in diesem Land hinzukriegen“, ist sie überzeugt.

Rentnerin Anita Riehn hat in Magdeburg ihre Stimme abgegeben.

Rentnerin Anita Riehn hat in Magdeburg ihre Stimme abgegeben.

© Dahahm Choi/Ostdeutsche Allgemeine

10.50 Uhr: AfD-Wähler kündigt bei CDU-Regierung Montagsproteste an

Roßla, Gemeinde Südharz. Im Landtagswahlkreis Sangerhausen, wo heute rund 49.000 Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben können, schnitt die AfD bei der Wahl 2021 mit 24,5 Prozent der Zweitstimmen überdurchschnittlich ab. Sieger war die CDU mit 38,7 Prozent.

Heute dürfte das Ergebnis deutlich anders ausfallen. Vor dem Wahllokal in der Grundschule liegt ein Hauch von „Wir sind das Volk“ in der Luft. Peter F.*, Angestellter in der Produktion, sagt: „Wenn die CDU nach der Wahl einfach weiterregiert, gehen wir auf die Straße. Das wird Ulrich Siegmund organisieren. Jeden Montag. Es geht nicht an, dass die stärkste Partei nicht den Regierungsauftrag erhält. Wir gehen so lange auf die Straße, bis das kippt. Man kann nicht 40 Prozent der Wähler einfach beiseite schieben.“ Am Kopfnicken der Umstehenden lässt sich erkennen, dass er mit seiner Meinung nicht alleine ist. 

*Richtiger Name ist der Redaktion bekannt

9.40 Uhr: Tangermünde: Menschen warten auf Siegmund

In wenigen Minuten wird AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zur Stimmabgabe in seinem Wahllokal in Tangermünde erwartet. Zahlreiche Menschen und Medienvertreter sind erschienen

8.15 Uhr: Die ersten Frühaufsteher haben schon gewählt

Andrang am Wahllokal. Stefan ist schon um 7.30 Uhr an seinem Wahllokal in der Makarenkoschule in Magdeburg-Neu-Olvenstedt eingetroffen. Der gelernte Lackierer ist im Abbruch tätig. Erst geht er wählen, dann fährt der Fußballfan nach Berlin. FC Magdeburg gegen Hertha BSC. „Ich hoffe, dass ich um 18 Uhr wieder in Magdeburg bin. Und dass die richtige Partei gewinnt“, sagt Stefan vielsagend.

Stefan hat bereits gewählt und fährt nun nach Berlin. Es spielt: FC Magdeburg gegen Hertha BSC.

Stefan hat bereits gewählt und fährt nun nach Berlin. Es spielt: FC Magdeburg gegen Hertha BSC.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

Auch Hartmut und Carola haben schon gewählt. „Normalerweise wählen wir nicht so zeitig“, sagt Hartmut. „Aber wir fahren heute noch in den Urlaub“, ergänzt Carola. Erst geht es in die Schweiz und danach nach Italien. Den Wahlabend verfolgen sie heute Abend im Hotel im Fernsehen.

Hartmut und Carola gehören zu den ersten Wählern am Morgen in Sachsen-Anhalt.

Hartmut und Carola gehören zu den ersten Wählern am Morgen in Sachsen-Anhalt.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

8 Uhr: Die Wahllokale sind geöffnet

In Sachsen-Anhalt hat die Landtagswahl begonnen. Um 8 Uhr öffneten am Sonntag die Wahllokale. Knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte sind in dem Bundesland zur Stimmabgabe aufgerufen. Ministerpräsident Sven Schulze kämpft für die CDU darum, weiterregieren zu können. In den Umfragen lag allerdings die AfD weit vorn.

Erste Prognosen werden mit der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr erwartet. Die Landeswahlleiterin rechnet mit einem vorläufigen Endergebnis am frühen Montagmorgen. Die Abstimmung in Sachsen-Anhalt könnte Signalwirkung für die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern in zwei Wochen und auch für die Bundespolitik haben.

6.40 Uhr: Antifa-Demo in Halle – Polizei zieht Bilanz

Beim Aufmarsch der Antifa in Halle sind nach Angaben der Polizei insgesamt 2500 Menschen durch die Innenstadt gezogen. Das teilte sie nach Ende der Veranstaltung mit. Im letzten Drittel der Demonstration wurde Pyrotechnik gezündet, die Polizei leitete zwei Ermittlungsverfahren ein. Die übrigen Veranstaltungen und Versammlungen im Stadtgebiet verliefen nach Angaben der Polizei störungsfrei.

6.25 Uhr: Wahllokale öffnen um 8 Uhr, 1,7 Millionen Menschen sind zur Wahl aufgerufen

In Sachsen-Anhalt öffnen heute die Wahllokale um 8 Uhr. Knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte sind zur Stimmabgabe aufgerufen. In den Umfragen lag die AfD mit großem Abstand vor der regierenden CDU von Ministerpräsident Sven Schulze. Die Partei strebt eine Alleinregierung an und will erstmals einen Ministerpräsidenten stellen. Ob ihr dies gelingt, hängt auch davon ab, wie viele Parteien in den Landtag einziehen.

Die bisherige Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP hat laut Umfragen keine Mehrheit mehr. Eine denkbare Option nach der Wahl wäre eine CDU-geführte Minderheitsregierung, die wie in Sachsen und Thüringen auf eine Zusammenarbeit mit der Linken angewiesen wäre.

Samstag, 5. September

21.02 Uhr: Aufgeheizte Stimmung bei Protest der Antifa in Halle am Abend vor der Wahl

Die Stimmung auf der Ludwig-Wucherer-Straße in Halle (Saale) ist am Abend aufgeheizt. „Mörder, Lügner, Bullenschweine“, skandieren Teilnehmer des Aufmarschs. In der Luft liegt der Geruch abgebrannter Pyrotechnik. Offenbar wurde innerhalb des Demonstrationszugs zuvor Pyrotechnik gezündet.

Protest der Antifa in Halle.

Protest der Antifa in Halle.

© Adrian Schintlmeister/Ostdeutsche Allgemeine

Politisch scheint sich der Antifa-Block allerdings nicht in allen Fragen einig zu sein. Als ein Demonstrant einen „Free Palestine“-Ruf anstimmt, bekommt er lautstarken Widerspruch aus den eigenen Reihen. Andere Teilnehmer schreien ihn nieder. Der Ruf setzt sich im Demonstrationszug nicht durch.

Der Antifa-Aufmarsch hat am Abend den Hauptbahnhof in Halle erreicht. Damit nähert sich die Demonstration nach dem Zug durch die Innenstadt ihrem Ende. Für einen größeren Teil der Teilnehmer geht es nun offenbar zurück nach Leipzig. Nach Informationen vor Ort sind zahlreiche Demonstranten von dort nach Halle angereist.

Antifa-Umzug kurz vor Ankunft am Hauptbahnhof

Antifa-Umzug kurz vor Ankunft am Hauptbahnhof

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

Antifa-Anhänger werben für Weltoffenheit und "unsere Demokratie".

Antifa-Anhänger werben für Weltoffenheit und "unsere Demokratie".

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

Am Hauptbahnhof in Halle läuft inzwischen die Abschlusskundgebung des Antifa-Aufmarschs. Einer der Redner spricht dabei über Migration und gesellschaftliche Vielfalt. „Vielfalt ist Realität“, sagt er. In diesem Zusammenhang fordert er auch, dass deutsche Kinder arabische Volkslieder lernen sollten.

Auch Menschen, die sich aufgrund ihrer Herkunft nicht zugehörig fühlten, spricht er direkt an: „Ihr müsst eure Identität nicht verstecken. Ihr müsst euch nicht kleiner machen.“ Zum Ende folgt die zentrale Botschaft seiner Rede: „Vielfalt ist kein Problem, das gelöst werden muss. Vielfalt ist unsere Realität und Solidarität ist unsere Antwort.“

19.26 Uhr: Linksextremer Aufmarsch in Halle – Polizei lässt Vermummte weiterziehen

In Halle (Saale) zieht am Samstagabend ein großer Antifa-Aufmarsch durch die Innenstadt. An der Ludwig-Wucherer-Straße ist der Demonstrationszug inzwischen zum Stehen gekommen. Nach Angaben der Polizei beteiligen sich rund 2300 Menschen. Zahlreiche Polizeikräfte begleiten die Demonstration. Unter den Teilnehmern sind Vermummte, andere ziehen hinter großen Bannern durch die Straßen. Immer wieder skandiert die Menge: „Siamo tutti antifascisti“ – „Wir sind alle Antifaschisten“.

Polizei: 2300 Teilnehmer auf Demo gegen die AfD in Halle.

Polizei: 2300 Teilnehmer auf Demo gegen die AfD in Halle.

© Adrian Schintlmeister/Ostdeutsche Allgemeine

Bei der Demonstration spielt auch die sogenannte „Antifa Ost“ eine Rolle. Unter diesem Namen fassen Sicherheitsbehörden ein linksextremistisches Netzwerk zusammen, dessen Angehörigen schwere Gewalttaten gegen tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten zugerechnet werden.

Bekannt wurde der Komplex insbesondere durch den Prozess gegen Lina E., die 2023 unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und gefährlicher Körperverletzung verurteilt wurde. Weitere Verfahren gegen mutmaßliche Mitglieder laufen.

19.08 Uhr: Rund 15.000 verfolgen Wahlkampfabschluss der AfD im Livestream – Siegmund zeigt sich zuversichtlich

Der Wahlkampfabschluss der AfD findet längst nicht nur im Veranstaltungssaal statt. Rund 15.000 Menschen verfolgen das Event am frühen Abend  über den Livestream im Internet. Damit erreicht die Partei online ein Vielfaches der Zahl der Besucher, die den Auftritten von Siegmund, Weidel und Chrupalla direkt im Saal folgen.

Nach Alice Weidel gehört die Bühne dem Mann, auf den an diesem Abend alles zuläuft: Ulrich Siegmund. Der AfD-Spitzenkandidat beginnt seine Rede mit einer Kampfansage für die letzten Stunden vor der Landtagswahl. Nach all den Wochen und Monaten des Wahlkampfs sei noch lange nicht Schluss. „Jetzt fangen wir erst richtig an“, sagt Siegmund unter dem Jubel seiner Anhänger.

Es ist die Botschaft, die zum gesamten Abend passt, denn die AfD präsentiert ihren Wahlkampfabschluss weniger als Ende eines Wahlkampfs und mehr als Auftakt für das, was nach der Wahl kommen soll.

18.45 Uhr: FPÖ-Politikerin Fürst betont in Sachsen-Anhalt enge Allianz mit der AfD

Der zuvor angekündigte Überraschungsgast kommt aus Österreich: Susanne Fürst, stellvertretende Klubobfrau und außenpolitische Sprecherin der FPÖ, hält die nächste Rede. Die Partei von Herbert Kickl liegt in einer aktuellen Umfrage bei 39 Prozent und damit knapp vor der 40-Prozent-Marke.

Fürst betont in ihrer Rede die engen Verbindungen zwischen FPÖ und AfD. Beide Parteien unterstützten einander und stünden in engem Austausch. Wie eng dieser inzwischen ist, zeigte sich erst vor wenigen Tagen in Berlin: Eine FPÖ-Delegation besuchte die Berliner AfD. Doch Berlin liegt zwei Stunden entfernt und spielt mit Blick auf die bevorstehende Wahl am nächsten Tag nur bedingt eine Rolle.  Fürst spricht stattdessen von „weltoffenen Bürgern“ und meint damit alle Ostdeutschen im Saal. „Absurd“ seien hingegen jene, die beim parallel stattfindenden Demokratiefest glaubten, selbst weltoffen zu sein, „in Wahrheit“ aber „die Nachfolger der SED“ seien.

„Die Menschen in Sachsen-Anhalt haben ein Recht darauf, dass es endlich wieder bergauf geht“, sagt Fürst. Auffällig ist ihre Prognose für den Wahlsonntag: Anders als mehrere AfD-Redner vor ihr spricht sie nicht ausdrücklich von einem Wahlsieg. Sie sagt stattdessen voraus, dass Ulrich Siegmund „mit einem weiten Vorsprung vor den anderen Parteien liegen wird“.

18.25 Uhr: Bis zu 8000 Menschen beim Demokratiefestival in Magdeburg

Zum Demokratiefestival sind nicht nur Menschen aus Sachsen-Anhalt gekommen. Einige sind etwa aus Berlin angereist, um sich über Ländergrenzen hinweg zu solidarisieren. Andere stammen aus Sachsen-Anhalt, leben inzwischen woanders und sind für die Veranstaltung zurückgekehrt, weil ihnen die politische Entwicklung im Land nicht egal sei.

In der Spitze waren nach Angaben der Polizei rund 8000 Menschen vor Ort. Besondere Vorkommnisse habe es nicht gegeben. Die Veranstaltung verlief damit auch trotz der Anwesenheit von Streamern unterschiedlicher politischer Richtungen ruhig.

18.15 Uhr: Gastronom ächzt unter Bürokratie: „Es muss sich etwas ändern“

Das urige Schiffsrestaurant Marie Gerda ist am Samstagabend gut gefüllt. Eine Sängerin singt 90er-Jahre-Pop, die Stimmung ist ausgelassen. Die meisten werden morgen wählen gehen.

Junggastronom Camillo Hauke ist Kapitän der Maria Gerda. Das Ausflugsrestaurant ist direkt am Elbradweg gelegen.

Junggastronom Camillo Hauke ist Kapitän der Maria Gerda. Das Ausflugsrestaurant ist direkt am Elbradweg gelegen.

© Alexander Schumann

Camillo Hauke ist Chef des beliebten Ausflugsrestaurants in Breitenhagen direkt an der Elbe. Eigentlich sei er ganz zufrieden, schildert der Junggastronom im Gespräch. Auf die Politik schaut er trotzdem mit gemischten Gefühlen. Hauke zeigt auf die Fähre, die vor dem Ausflugsrestaurant vertraut ist. „Seit fünf Jahren ist die Fähre wegen Versandung regelmäßig außer Betrieb.“ Der Kommune fehlen die nötigen Geldmittel um die Versandung zu entfernen, das Wasserstraßenschifffahrtsamt fühle sich nicht zuständig. Außerdem lebe hier ein streng geschützte Biber.

Für den Gastronom und seine Gäste ist der Stillstand bei der Fähre mehr als ärgerlich. Zumal der Elbradweg direkt am Lokal vorbeiführt. Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP), die bei ihm zu Gast war, versprach Abhilfe. Doch seitdem sei wenig passiert. „Es ist diese Unentschlossenheit in der Politik“, sagt der Gastronom. „Das macht die Leute sauer.“ Er hofft, dass sich nun etwas ändert. „Es muss etwas passieren.“

17.40 Uhr: AfD-Wahlkampfabschluss: „Werden gewinnen“

Mit rund einer halben Stunde Verspätung geht es in Magdeburg los. Um 17.30 Uhr werden zunächst die prominenten Gäste gemeinsam auf die Bühne geholt: Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, die beiden Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla, Sebastian Münzenmaier und Dennis Hohloch. Schon bei der Begrüßung ist vom großen Ziel für Sonntag die Rede: Man werde die Wahl „gewinnen“.

Reden halten die Politiker zunächst allerdings nicht. Stattdessen werden sie vom Moderator wieder „auf ihre Plätze geschickt“. Die Bühne gehört einem Musiker. Er stimmt „Alles ist möglich“, passend zu jenem Slogan, mit dem die AfD in Sachsen-Anhalt in den Wahlkampf gezogen ist.

Beginn der Abschlussveranstaltung unter anderem mit Ulrich Siegmund, Alice Weidel, Tino Chrupalla, Sebastian Münzenmaier, Martin Reichardt.

Beginn der Abschlussveranstaltung unter anderem mit Ulrich Siegmund, Alice Weidel, Tino Chrupalla, Sebastian Münzenmaier, Martin Reichardt.

© IMAGO/Chris Emil Janssen/imago

Nach der Musikeinlage betritt Martin Reichardt die Bühne. Erst vor wenigen Tagen hatte der AfD-Landesvorsitzende mit einer Rede bei der Jugendorganisation Generation Deutschland für Schlagzeilen gesorgt. Damals sprach er unter anderem von einem „nach Dope stinkenden Staat“.

Heute schlägt Reichardt zunächst andere Töne an – und beschwört den bevorstehenden Wahlsieg. Hinter seiner Partei liege ein Wahlkampf, „der in der Geschichte der Bundesrepublik“ einmalig sei. Es sei ein Kampf aller anderen Parteien gegen „die Volkspartei AfD“ gewesen. Mehrfach bezeichnet Reichardt die politischen Konkurrenten als „volksfeindliche Parteien“.

„Wir sind der Auftakt zur Rettung unseres Vaterlandes“, ruft Reichardt schließlich in den Saal. Das Publikum reagiert mit lautem Jubel.

Als Nächster tritt Oliver Kirchner ans Rednerpult. Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende nimmt zunächst CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze ins Visier, der zeitgleich beim Demokratiefest in Magdeburg auftritt. „Diese CDU ist unwählbar“, sagt Kirchner.

Dann kommt er auf Angela Merkel und deren berühmten Satz „Wir schaffen das“ zu sprechen. Kirchner dreht ihn für den Wahlsonntag um: Wenn alle „Migranten zu Hause bleiben“, dann „schaffen wir das auch“, sagt er.

Nach rund 45 Minuten Programm betritt Tino Chrupalla die Bühne des Amo-Kulturhaus. Techno schallt durch den Saal, das Publikum empfängt den AfD-Bundesvorsitzenden mit lauten „Tino, Tino, Tino“-Rufen.

Chrupalla beginnt mit einer Botschaft, die an diesem Abend in Magdeburg durchaus auffällt: Die AfD sei längst kein reines Ost-Phänomen mehr, betont er. Auch im Westen habe sich die Partei mittlerweile als politische Kraft etabliert.

Dann landet Chrupalla schnell bei Friedrich Merz. Er arbeitet sich am Bundeskanzler und dessen dreiwöchigem Urlaub ab. „Wir brauchen eine Politik, die handelt und nicht nur quatscht“, ruft der AfD-Chef.

Danach folgt eine klassische Wahlkampfrede mit den bekannten Themen: Chrupalla kritisiert die deutschen Ausgaben für die Ukraine, spricht von Geld, das für Dinge ausgegeben werde, „die kein Mensch braucht“, und wirft Merz vor, angekündigte Reformen nicht umzusetzen.

17.35 Uhr: Rechter „Bürgerjournalist“ gerät mit Demokratie-Aktivisten aneinander

Beim Demokratiefestival in Magdeburg sind auch Streamer unterwegs. Jonas Greindberg, „Bürgerjournalisten“, sagt der OAZ: „Ich wurde schon als Faschist und Nazi bezeichnet.“ Der Tag sei bislang allerdings friedlich verlaufen. Dabei klingt Greindberg leicht enttäuscht. Zuletzt sei er nach eigenen Angaben von der Polizei aus einer Veranstaltung verwiesen worden.

„Bürgerjournalist“ Greindberg im Gespräch mit Teilnehmer des „Demokratiefestivals“.

„Bürgerjournalist“ Greindberg im Gespräch mit Teilnehmer des „Demokratiefestivals“.

© Sven Versteegen/Ostdeutsche Allgemeine

Kurz darauf liefert er sich eine verbale Auseinandersetzung mit dem Team von „maximal.demokratisch“. Hinter dem Kanal steht der 17-jährige Aktivist Max Schneller aus Sachsen-Anhalt, der auf Instagram mehr als 100.000 Follower hat.

17.30 Uhr: Student rechnet mit CDU-Minderheitsregierung

Paul, Student in Magdeburg, erwartet nach der Landtagswahl keine absolute Mehrheit der AfD. „Die Angst ist vorübergehend gebannt“, sagt der 24-jährige. Er rechnet stattdessen mit einer CDU-geführten Minderheitsregierung.

Trotzdem sei es wichtig, sich weiter für demokratische Werte, Weltoffenheit und Vielfalt einzusetzen. „Falls es zu einem Worst Case kommt, müssen wir zusammenhalten“, sagt Paul. Fotografieren lassen wollte er sich nicht.

17.15 Uhr: Von Angern: Nicht von der AfD „am Nasenring durch die Manege führen lassen“

Beim Demokratiefestival in Magdeburg hat Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern davor gewarnt, die politische Debatte ständig um die AfD kreisen zu lassen. Stattdessen müsse stärker über Lösungen gesprochen und die Hoffnungen der Menschen müssten auch erfüllt werden.

Linken-Kandidatin Eva von Angern im Gespräch mit fünf jungen Frauen.

Linken-Kandidatin Eva von Angern im Gespräch mit fünf jungen Frauen.

© Sven Versteegen/Ostdeutsche Allgemeine

Zu fünf jungen Frauen sagte von Angern: „Ihr werdet die Welt noch retten.“ Nach der Wahl müsse es gelingen, sich von der AfD nicht „am Nasenring durch die Manege führen“ zu lassen.

17.10 Uhr: Knapp 1000 Gäste beim AfD-Wahlkampfabschluss

„Alles ist möglich“ verspricht die AfD bei ihrer Abschlussveranstaltung.

„Alles ist möglich“ verspricht die AfD bei ihrer Abschlussveranstaltung.

© Chris Emil Janssen/imago

Der große Saal im Magdeburger Amo-Kulturhaus ist gut gefüllt. Knapp 1000 Gäste sind zum Wahlkampfabschluss der AfD gekommen. Auch zahlreiche bekannte AfD-Politiker und Abgeordnete aus anderen Landesverbänden sind angereist. Unter den Gästen sind etwa Parteivertreter aus Baden-Württemberg.

Schon vor Beginn der Veranstaltung herrscht vor dem Gebäude reger Betrieb. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, steht vor dem Eingang und gibt bereitwillig Interviews. Außerhalb der Absperrung stehen gut ein Dutzend Streamer und vereinzelt „Omas gegen Rechts“.

Nicht nur deutsche Journalisten berichten aus Magdeburg. Auffällig ist die Präsenz ausländischer Medienvertreter. Eine Journalistin berichtet nach eigenen Angaben für ein japanisches Medium, zwei weitere Frauen arbeiten für ein französisches Medium und produzieren unter anderem Inhalte für soziale Netzwerke.

17 Uhr: Neubauer verteidigt Brandmauer auf vollem Magdeburger Domplatz

Luisa Neubauer warnt beim Demokratiefestival in Magdeburg vor einer „bequemen Analyse“ der politischen Lage. Durch die Brandmauer sei bislang verhindert worden, dass Deutschland von „Faschisten“ regiert werde. Das sei eine „demokratische Errungenschaft“, auf die Europa mit Neid blicke.

Luisa Neubauer spricht auf dem Magdeburger Domplatz.

Luisa Neubauer spricht auf dem Magdeburger Domplatz.

© Sven Versteegen/Ostdeutsche Allgemeine

Neubauer kritisiert Kürzungen bei Demokratieprojekten und die Übernahme „rechtsradikaler Rhetorik“. Während ihrer Rede ist es auf dem vollen Domplatz still. Applaus bekommt sie, als sie kritisiert, bei der Psychotherapie werde „die Kettensäge“ angesetzt. „Und jetzt soll die Brandmauer das Problem sein?“, fragt Neubauer.

16.20 Uhr: Demonstrationen in ganz Sachsen-Anhalt

Im ganzen Bundesland fanden am Samstag Kundgebungen und Feste statt. In der Landeshauptstadt Magdeburg zählte die Polizei acht angemeldete Versammlungen sowie zahlreiche Spontanversammlungen, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Der Demonstrationszug vom Hauptbahnhof zum Domplatz mündete dort in ein „Demokratiefest“ unter dem Motto „Wir haben die Wahl“, zu dem sich weitere 2000 bis 3000 Menschen einfanden. Eingeladen hatte ein Bündnis aus Initiativen, Vereinen und Verbänden.

Tausende Teilnehmer des Demokratiefestivals jubeln auf dem Domplatz in Magdeburg.

Tausende Teilnehmer des Demokratiefestivals jubeln auf dem Domplatz in Magdeburg.

© Jan Woitas/dpa

Für das Bündnis „Sachsen-Anhalt. Weltoffen!“ sagte Sprecher Peter Herrfurth, es gehe darum, ein Zeichen „für unser Land“ und die demokratische Gesellschaft zu setzen: „Wir stehen mit unserem Gesicht für unsere Haltung.“ Herrfurth ist Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Neben den Kirchen beteiligten sich unter anderem Gewerkschaften, Diakonie, Caritas und AWO.

In Halle kamen nach Angaben der Veranstalter rund 200 Menschen auf dem Riebeckplatz zusammen, um an einem langen Freundschaftsband zu knüpfen. Insgesamt sollten 450 Meter Industrieseil zu einem zehn Meter langen bunten Band verwoben werden. Für den frühen Abend war eine Antifa-Demonstration mit 500 Teilnehmern angemeldet. Auf dem Marktplatz in Dessau wurde zu einem „Demokratiefest“ unter dem Motto „Demokratie bewahren – Sachsen-Anhalt retten!“ eingeladen.

15.30 Uhr: Kanzler attackiert AfD-Landeschef Reichardt

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine schärfere inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD gefordert. „Wir müssen die Auseinandersetzung mit dieser Partei besser führen“, sagte Merz bei einer CDU-Veranstaltung in Hannover. Man müsse sich mit den Inhalten und der Wortwahl der Partei befassen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht auf einer Veranstaltung der CDU Niedersachsen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht auf einer Veranstaltung der CDU Niedersachsen.

© Moritz Frankenberg/dpa

Merz verwies auf eine Äußerung des sachsen-anhaltischen AfD-Landeschefs Martin Reichardt, der auf einem Bundeskongress der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland gesagt hatte, der Staat sei heute „ein nach Dope stinkender, fauler Asi“. Das zeige, „was diese Leute von unserem Land halten“, sagte Merz. „Wir lassen uns von diesen Leuten unser Land nicht kaputtreden.“

15.15 Uhr: Autokorso zieht mit Deutschlandflaggen durch Magdeburg

Bei einem Autokorso sind am Samstag knapp 40 Fahrzeuge durch Magdeburg unterwegs, wie die Polizei mitteilt. An vielen Autos hängen Deutschlandflaggen. Über Lautsprecher laufen Musik und der Ruf „Wir sind das Volk“.

Ein Autokorso blockiert für eine Viertelstunde den Magdeburger Hasselbachplatz.

Ein Autokorso blockiert für eine Viertelstunde den Magdeburger Hasselbachplatz.

© Sven Versteegen/Ostdeutsche Allgemeine

„Wir möchten einfach nur Frieden“, sagt ein Mann über den Lautsprecher. Auf Plakaten an den Fahrzeugen stehen unter anderem „Friedensfahrt“ sowie „Frieden und Bargeld erhalten“.

15.10 Uhr: Luisa Neubauer bei Protestcamp in Bitterfeld

Auch die ehemalige Klimaaktivistin Luisa Neubauer ist in Sachsen-Anhalt unterwegs, sie hofft bis zuletzt, Unentschlossene von einer Wahlentscheidung für die AfD abzubringen. Im Stadtpark von Bitterfeld, der Grünen Lunge, besuchte Neubauer ein alternatives Protestcamp. In einer kämpferischen Rede vor gut 50 Zuhörern warnte Neubauer vor Faschismus und einer Machtübernahme der AfD.

Mit Blick auf das Erstarken der Partei sagte Neubauer zur OAZ: „Die Zivilgesellschaft darf da nicht mitmachen. Sie muss zeigen: Ey, wir geben die Menschlichkeit nicht auf und wir geben dieses wunderschöne Bundesland und dieses wunderschöne Land nicht auf. Und wir lassen uns nicht einreden, dass Menschenverachtung der Weg nach vorne ist.“

Luisa Neubauer im Gespräch mit OAZ-Redakteur Adrian Schintlmeister.

Luisa Neubauer im Gespräch mit OAZ-Redakteur Adrian Schintlmeister.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

Wenige Meter weiter steht Gastronomin Anika. Die Wirtin des Kartoffelhauses nahe des Marktplatzes hatte sich so auf das Bitterfelder Stadtfest gefreut, das eigentlich an diesem Wochenende hätte stattfinden sollen, aber kurzfristig abgesagt werden musste. „Das ist traurig für Bitterfeld“, sagt Anika. „Es ist das einzige Fest, das wir noch haben. Und eine der wenigen Gelegenheiten, wo wir Bitterfelder noch zusammenkommen.“ Anika hofft auf einen Regierungswechsel.

Erst am vergangenen Wochenende wurde bekannt, dass die Stadtfest-Organisatoren die Sicherheitsauflagen der Stadt nicht erfüllen konnten. Der Veranstalter des Camps, das unter dem Motto „Schlechte Grüße aus Bitterfeld“ stattfand, hatte vorab 3000 Teilnehmer angemeldet. Am Ende waren es „geringfügig weniger“, sagte ein Polizist süffisant am Rande des Protestcamps. Das Protestcamp soll noch bis morgen Mittag gehen. Die Teilnehmer dürfen im Stadtpark campieren. „Wir schaffen hier einen Ort für Vielfalt, Demokratie und ein buntes Sachsen-Anhalt“, sagte der Protestcamp-Veranstalter zur OAZ.

Wirtin Anika hofft auf einen Regierungswechsel.

Wirtin Anika hofft auf einen Regierungswechsel.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

14.50 Uhr: AfD beendet Wahlkampf mit Großveranstaltung in Magdeburg

Einen Tag vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommt die AfD am Samstagnachmittag zu ihrem Wahlkampfabschluss in Magdeburg zusammen. Im AMO Kulturhaus will die Partei ab 17 Uhr noch einmal ihre Anhänger mobilisieren.

Angekündigt sind neben Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auch die beiden AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Auf der Rednerliste stehen außerdem Landeschef Martin Reichardt, der stellvertretende Landesvorsitzende Oliver Kirchner, Hans-Thomas Tillschneider sowie der rheinland-pfälzische AfD-Landespolitiker Sebastian Münzenmaier. Zudem kündigt die Partei einen bislang nicht genannten „Überraschungsgast“ an.

Die AfD spricht selbst von einem „Zeichen des Aufbruchs“ und ruft dazu auf, die Landtagswahl am Sonntag zu einem politischen „Wendepunkt“ zu machen.

14.35 Uhr: Vor Landtagswahl - AfD in Umfragen klar vorn

Die AfD liegt in Umfragen zur Landtagswahl seit Wochen klar vorne. In einer aktuellen Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF von Freitag kommt die Partei auf 41 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze liegt unverändert bei 23 Prozent und damit weit dahinter.

Die Linke käme mit 11,5 Prozent auf Platz drei, die SPD mit 8,5 Prozent auf Platz vier. Die Grünen würden mit sechs Prozent den Einzug in den Landtag schaffen. Hingegen würden das BSW und die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

13 Uhr: „Es ändert sich doch nichts“

Otto verfolgt Nachrichten und Politik aufmerksam. Seine Wahlentscheidung stand schon lange fest. Der 87-jährige hat sich für die Briefwahl entschieden. Trotzdem verfolgt er die Abstimmung mit gemischten Gefühlen, erzählt er. „Es ändert sich doch nichts. Unser Land ist zu schwach.“

Rentner Otto blickt mit gemischten Gefühlen auf die Wahl: „Es ändert sich doch nichts.“

Rentner Otto blickt mit gemischten Gefühlen auf die Wahl: „Es ändert sich doch nichts.“

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

Briefwahl komme für sie nicht in Frage, berichtet hingegen die 79-jährige Elisabeth. Elisabeth hat soeben Blumen an der Neustädter Passage in Halle gekauft und ist auf einen Rollator angewiesen. Trotzdem geht sie morgen gemeinsam mit ihrem Mann ins Wahllokal. „Wir gehen immer gemeinsam wählen. Das ist bei uns Tradition.“ Der Briefwahl vertraut sie hingegen nicht.

12 Uhr: Einsatzkräfte im Plattenbauviertel Halle-Neustadt wollen an die Urne

Auch unsere Einsatzkräfte stimmen ab. Feuerwehrfrau Michele aus Dessau-Roßlau ist morgen nicht im Dienst. Sie geht deshalb „ganz normal“ wählen, erzählt die 26-jährige Frau am Rande des Feuerwehrlaufes Saalerun in Halle-Neustadt.

Feuerwehrfrau Michele hat am Sonntag frei und will ihre Stimme abgegeben.

Feuerwehrfrau Michele hat am Sonntag frei und will ihre Stimme abgegeben.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

Rettungssanitäter Sven vom Deutschen Roten Kreuz ist dagegen morgen sehr wohl im Dienst. „Status 12 – einsatzbereit. Doch wenn die Zeit es zulässt, steuert der 40-jährige mit seinem Rettungswagen das Wahllokal an. „Briefwahl habe ich mal versucht, ist aber nicht mein Ding“, sagt der Retter.

Rettungssanitäter Sven vom Deutschen Roten Kreuz ist am Wahltag im Dienst. Er will zwischendurch versuchen sein Wahllokal anzusteuern.

Rettungssanitäter Sven vom Deutschen Roten Kreuz ist am Wahltag im Dienst. Er will zwischendurch versuchen sein Wahllokal anzusteuern.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

9 Uhr: Tausende zu Kundgebungen vor Wahl in Sachsen-Anhalt erwartet

Am Wahlwochenende werden in Sachsen-Anhalt mehrere tausend Menschen zu Demonstrationen und Kundgebungen erwartet. Nach Polizeiangaben sind ein Dutzend Veranstaltungen in der Landeshauptstadt Magdeburg und mehrere Kundgebungen für Demokratie in Halle (Saale) angemeldet. Die größte findet ab heute Nachmittag auf dem Magdeburger Domplatz statt: Hier erwartet ein Bündnis aus Gewerkschaften und Zivilgesellschaft rund 8000 Teilnehmer. Daneben begeht die in Umfragen haushoch vor der CDU führende und auf eine Alleinregierung hoffende AfD ihren offiziellen Wahlkampfabschluss.

(mit dpa/AFP)

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner