Eine russische Drohne hat nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Freitag den Sitz des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU in Kiew getroffen. Der Angriff habe „direkt" auf das Büro des Geheimdienstchefs gezielt, erklärte Selenskyj im Online-Dienst Telegram. Reporter der Nachrichtenagentur AFP sahen mehrere Krankenwagen nahe dem Gebäude im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt.
Nach Behördenangaben wurden zwölf Menschen verletzt. Der Angriff erfolgte kurz vor einem Besuch der US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Kiew.
Brand in Stadtbezirk Solomjanskyj
Zuvor hatte der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko auf seinem Telegram-Kanal mitgeteilt, im Stadtbezirk Solomjanskyj sei bei dem Drohnenangriff ein Feuer auf einem unbebauten Grundstück ausgebrochen. Rettungskräfte seien auf dem Weg zum Einsatzort. Welches Gelände betroffen ist, nannte Klitschko nicht.
SBU-Chef Oleksandr Poklad blieb bei dem Angriff unverletzt. Bei einem Treffen mit Poklad beauftragte Selenskyj laut AFP den Geheimdienstchef nach eigenen Worten, „eine angemessene und spürbare Antwort“ auf den russischen Angriff zu entwickeln. Diese solle die russische Attacke „nach Möglichkeit spiegeln“.
Unterschiedliche Angaben zum Ziel
In sozialen Netzwerken kursierten nach einem Bericht der englischsprachigen Zeitung „Kyiv Post" Videos, die einen größeren Brand und eine Rauchsäule zeigen sollen. Unbestätigte Berichte nannten zunächst als mögliches Ziel entweder einen Umschlagplatz des Paketdienstes Nova Poshta oder ein Flugzeug am Kiewer Flughafen Schuljany.
Der ukrainische Abgeordnete Oleksij Gontscharenko behauptete, eine Drohne habe ein Flugzeug in Schuljany getroffen. Betroffen seien zwei ältere Passagiermaschinen vom sowjetischen Typ Jak-40. Gontscharenko brachte den Angriff mit einer möglichen Reise des US-Sondergesandten Steve Witkoff und des Präsidentenberaters Jared Kushner in Verbindung, die nach seinen Angaben am Sonntag in Kiew erwartet würden.
Der Angriff auf die SBU-Zentrale stelle eine „schwere Eskalation“ dar und erfordere „entschlossene Antworten“, erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha laut AFP. Moskau habe den Angriff gestartet, während gerade „ein neuer Vorstoß für Frieden“ laufe, betonte der Außenminister. Die russische Regierung demonstriere damit ihre „Ablehnung jeder Diplomatie“.
Die Nachrichtenagentur AP berichtete, Russland setze seit einigen Tagen verstärkt schnelle Drohnen mit Düsenantrieb ein und greife Kiew inzwischen auch am Tag an.
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