Nigerdelta

Kraftstoffleitung angezapft: Dutzende Tote durch giftige Dämpfe in Nigeria

Anwohner berichten, mehr als 100 Menschen seien in Holzbooten zu dem Anleger für Tanker gekommen. Die genaue Opferzahl steht noch nicht fest.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
2 Min
Menschen kamen in Holzbooten zu dem Anleger in Okrika, an dem sich der tödliche Vorfall ereignete.

Menschen kamen in Holzbooten zu dem Anleger in Okrika, an dem sich der tödliche Vorfall ereignete.

© Bob Burch/imago

An einer illegal angezapften Kraftstoffleitung im südnigerianischen Bundesstaat Rivers sind nach Angaben einer Umweltorganisation mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte das Youths and Environmental Advocacy Centre (YEAC-Nigeria) laut der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag mit.

Der Vorfall ereignete sich demnach in der Nacht zum Donnerstag an einem Bootsanleger in der Küstengemeinde Okrika. Die Polizei des Bundesstaates bestätigte den Vorfall, nicht aber die Opferzahl.

Leichen treiben im Wasser

Nach Darstellung von YEAC-Direktor Fyneface Dumnamene hatten die Betroffenen ein Rohr an eine Leitung angeschlossen, die raffinierten Kraftstoff vom Petrochemiewerk Indorama Eleme über die Raffinerie Port Harcourt zu Exporttankern transportiert.

Während ein Tanker am Anleger beladen wurde, hätten die Männer den unter hohem Druck stehenden Kraftstoff zugleich in Boote gepumpt und die Dämpfe eingeatmet. Viele seien bewusstlos ins Wasser gestürzt. Weitere Menschen würden vermisst, einige Leichen trieben noch im Fluss.

Ein Bewohner Okrikas berichtete der Zeitung Punch, mehr als 100 Menschen seien in Holzbooten zu der Stelle gekommen. Bislang seien 37 Tote als Einwohner der Gemeinde identifiziert worden, sechs weitere Leichen konnten bislang nicht identifiziert werden. Das nigerianische Nachrichtenportal TheCable berichtete unter Berufung auf lokale Quellen von bis zu 43 Toten.

Arm trotz Ölreichtum

Die Polizeisprecherin des Bundesstaates Rivers, Blessing Agabe, erklärte, die Opfer seien beim Versuch gestorben, Öl zu stehlen.

Der örtliche Kommandeur der Bürgerwehr Civilian JTF, Igwe Godswill, wies diese Einordnung zurück. Die Menschen hätten auf dem Wasser treibenden Kraftstoff abschöpfen wollen und seien dabei von den Dämpfen überwältigt worden. Ohne andere Verdienstmöglichkeiten würden Anwohner solche Risiken weiter eingehen, sagte Godswill.

Die nigerianische Zivilschutzbehörde NSCDC erklärte laut der Nachrichtenagentur Reuters, die kursierenden Opferzahlen seien nicht offiziell bestätigt. Diebstahl und Beschädigungen an Pipelines gelten als anhaltendes Problem im ölreichen Nigerdelta.

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