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Kunsthunger? Berlin hat bei der 15. Art Week reich gedeckt!

Die 15. Berlin Art Week lädt ein: Hunderte Partner – Museen, Kunsthäuser, Galerien, Projekträume, Kirchen, Privatsammlungen – haben geöffnet. Was Sie nicht verpassen sollten.

6 Min
Michael Sailstorfer: „o.T“ (zum Thema brüchige Gewissheiten), 2026, Installation in der Galerie Judin.

Michael Sailstorfer: „o.T“ (zum Thema brüchige Gewissheiten), 2026, Installation in der Galerie Judin.

© Galerie Judin/Michael Sailstorfer

Alle Jahre wieder im September ist die Berlin Art Week, nun zum 15. Male, Brennpunkt für Leute, für die Kunst ein Lebensmittel ist. In Zeiten wie diesen, krisengeschüttelt, verstörend zerrissen und aller Gewissheiten ledig, ist Kunst, wie einer der Top-Ten-Maler der Welt; der Kölner Gerhard Richter sagt: „die höchste Form der Hoffnung“.

Die Berlin Art Week trotzt fatalen politischen Gemengelagen und Sparzwängen, die Macher investieren ungeheure Kreativität. Und die vor 80 Jahren gegründete Berliner Volksbank, die größte regionale Genossenschaftsbank Deutschlands, ermöglicht das magnetische Ereignis abermals als Hauptsponsor.

Die Berlin Art Week ist in ihrem 15. Jahr ein Gradmesser dafür, wie eng sich die Institutionen, Galerien und die freie Szene mit ihren Projekträumen mittlerweile verzahnen. Sichtbarstes Zeichen ist der Berlin-Art-Week-Garten, der zum Jubiläum am Kulturforum campiert: fünf Tage Workshops, Gespräche und Filmabende kostenlos und unter freiem Himmel. Und zum Finale am Sonntag gibt es den „Tag im Grünen“ mit der Bürgertafel.

Nebenan in der Neuen Nationalgalerie,  wo schon die Sensationsschau „Night“ des italienischen Kunst-Eulenspiegels Maurizio Cattelan begann,  gibt es „Perform!“. BE-Künstler Ersan Mondtag und Nadim Samman  führen in der Gemäldegalerie zwischen Cranach und Rembrandt durch lebende Bildgestalten den „Reigen“ des ewigen Werdens und Vergehens auf.

Salomé Chatriot: „Every boundary is bait“, 2026, Malerei mit Emaille-Lack auf Aluminium. in der Galerie Office Impart

Salomé Chatriot: „Every boundary is bait“, 2026, Malerei mit Emaille-Lack auf Aluminium. in der Galerie Office Impart

© Office Impart/Marjorie Brunet Plaza

Ohne eine Route vorzugeben, greifen wir hier für weitere Tipps in das riesige Art-Week-Füllhorn:

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Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank, Kaiserdamm 105: Die Stiftung des Art Week-Hauptsponsors lädt in die Ausstellung „Vietnam. Kunst. DDR. Reclaiming Solidarity“, die Themen wie Gastarbeiter in der DDR, Migration, Erinnerungskultur und Solidarität aufgreift.

Galerie Thomas Schulte, Charlottenstr. 24: Mit der Filmarbeit „Life–Death“ geht die berühmte Berliner Fotokünstlerin Katharina Sieverding  zurück nach West-Berlin und in andere Hochschulstädte der BRD des Jahres 1969: Studentenrevolte. Sie erfasste historische Momente, indem sie den Furor, den Umbruch verdichtete. Sieverding, damals Studentin von Beuys in Düsseldorf, drehte auf 16-mm-Film Szenen von den institutionellen Konflikten und Protesten.

C/O im Amerikahaus an der Hardenbergstr. 22/24: Hier zeigt die 73-jährige Amerikanerin Carrie Mae Weems ihre in Massachusetts fotografierte „Kitchen Table Series“, mit der sie das häusliche Leben schwarzer Frauen zur politischen Bühne macht. Als Künstlerin der Berliner Galerie Thumm zeigt sie zur Art Week die herbschöne Serie „Seaside“ und menschliche Körper, die kühn Ozeane durchqueren.

Galerie Barbara Thumm, Markgrafenstr. 68: Hier gehört die Halle (neben einem Raum mit Weems-Bildern) einer Werkserie der Britin Fiona Banner (die sich auch The Vanity Press nennt). Deren „Poems for Helicopter Blades“ haben eine Bildsprache, die um Kampfflugzeuge herum konstruiert zu Statements gegen Gewalt und Krieg wird.

Im Hamburger Bahnhof, Haus der Nationalgalerie, Invalidenstr. 50, das gerade sein 30‑jähriges Bestehen feiert, wird zur Art Week ein Symposium zu West- und Ostkunst organisiert. Hier eröffnete soeben die erste Europa-Retrospektive des japanischen Komponisten Ryuichi Sakamoto: sieben raumgreifende Klanginstallationen, darunter ein vom Tsunami zerstörtes Klavier, das Erdbebendaten in Echtzeit vertont.

Fiona Banner (aka The Vanity Press): „Helicopter“, 2026, in der Galerie Thumm

Fiona Banner (aka The Vanity Press): „Helicopter“, 2026, in der Galerie Thumm

© Galerie Barbara Thumm/Fiona Banner

Wilhelm Hallen, Kopenhagener Str. 60–65, Reinickendorf. Hier erwartet Freunde junger Kunst eine riesige, vor Energie pulsierende Gruppenschau. Wichtige Berliner Galerien wie Esther Schipper, ChertLüdde, Mehdi Chouakri oder Office Impart zeigen in den pittoresken alten Industriehallen raumgreifende Werke. Auch Kunsthäuser aus anderen  deutschen Städten geben Sehproben ihrer Programme.

Office Impart, Waldenserstraße 2–4, ist in den Wilhelmhallen dabei, zeigt indes am angestammten Galerieort in Moabit die Schau „Void is Seductive“ der Französin Salomé Chatriot (bis 30. Oktober), mit realen wie virtuellen Räumen, in denen Maschinen, elektronische Skulpturen und digitale Bilder aufeinandertreffen. Ausgangspunkt dieser Kunst ist, wie die Wissenschaft und Hightech Körper sinnlich in Daten übersetzen.

Galerie Judin, Potsdamer Str. 83 (Hof): Hier stehen wir vor Michael Sailstorfers „Pull the Rug“ (bis 10. Oktober), einer verstörenden Installation der brüchigen Gewissheiten. Der Boden unter den Füßen kann jederzeit wanken. Der aus Bayern stammende Künstler versteht es, solche Erfahrungen pointiert in eine sinnliche Situation zu übersetzen. In seinen Skulpturen geht es um Bewegung, Zeit und Raum, um Geräusche, Gerüche. Und ums Verschwinden.

Gordon Matta-Clark: „On Site,  Conical Intersect“, 1975, postume Kettensägen-Intervention im Rohbau von berlin modern (neben  der Neuen Nationalgalerie)

Gordon Matta-Clark: „On Site, Conical Intersect“, 1975, postume Kettensägen-Intervention im Rohbau von berlin modern (neben  der Neuen Nationalgalerie)

© Courtesy of the Estate of Gordon Matta-Clark © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Haus der Visionäre, Eichenstr. 4a, Kreuzberg: Das Festival „Soft Power“ vereint Ausstellungen, Konzerte, Performances, DJ-Sets, Podien und gemeinsames Essen. Initiiert von der aus Teheran stammenden Kuratorin Anahita Sadighi, untersucht das Gesamtkunstwerk, wie Kultur Einfluss jenseits von Zwang und ökonomischer Macht nehmen kann. „Soft Power“ zeigt subtilere, selbstverständlichere Formen der Gemeinschaft.

Katharina Sieverding: aus „Life Death“ (IV/3), 1969 (Selbstporträt), in der Galerie Thomas  Schulte

Katharina Sieverding: aus „Life Death“ (IV/3), 1969 (Selbstporträt), in der Galerie Thomas  Schulte

© Galerie Thomas Schulte/VG Bild Kunst 2026/K.Mettig

Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10: Hierher sind Teile der 36. Biennale São Paulo gewandert (noch bis 6. Dezember). Leitthema ist ein Gedicht von Conceição Evaristos: „Nicht alle Reisenden / folgen Wegen. / Es gibt verborgene Welten, / in die nur die Stille / der Poesie vordringt.“ Entworfen als Moderne-Wahrzeichen, befindet sich Oscar Niemeyers Biennale-Pavillon in São Paulos Ibirapuera-Park, am Wasser des Córrego do Sapateiro. Das aus derselben Epoche stammende Gebäude des HKW, die von Hugh Stubbins entworfene einstige Kongresshalle am Berliner Tiergarten, liegt direkt an der Spree. Beide Orte sind Schwellen zwischen Architektur und Landschaft.

Carrie Mae Weems: „Freedom without Borders“, 2025/26, Fotografie (in der Galerie Thumm und im C/O)

Carrie Mae Weems: „Freedom without Borders“, 2025/26, Fotografie (in der Galerie Thumm und im C/O)

© Carrie Mae Weems/Forough Alaei

Baustelle „berlin modern“, Potsdamer Str., neben der Neuen Nationalgalerie. Leider nur für die wenigen Tage der Art Week, aber erstmals wird im Rohbau des künftigen Moderne-Museums eine temporäre Ausstellung gezeigt: „On Site“, die fünf ausgewählte Werke von Gordon Matta-Clark zusammenführt. Der New Yorker Architekt (1943–1978) wurde mit seinen martialischen „Cuttings“ berühmt, die das Gebäude als  Skulptur und die Motorsäge als Ausdrucksmittel benutzten. Er rückte nicht intakten Bauten, sondern urbanen Ruinen zu Leibe, indem er  sie zerteilte. Weil Matta-Clark ausgerechnet durch Zerstörung Neues hervorbrachte, wurde sein Name zum Inbegriff einer dekonstruktiven Kunst. Zugang vom Scharounplatz nur mit Zeitfenster-Online-Tickets: museumsportal.de

Akinbode Akinbiyi: (Klimaanlagen) Fassade in São Paulo, die 36. Biennale São Paulo zu Gast im HKW Berlin

Akinbode Akinbiyi: (Klimaanlagen) Fassade in São Paulo, die 36. Biennale São Paulo zu Gast im HKW Berlin

© Akinbode Akinbiyi/HKW(

Positions Berlin Art Fair, Flughafen Tempelhof: Die einzige Kunstmesse Berlins findet bis 13. September 2026 in den Hangars 5 und 6 des Flughafens Tempelhof statt. Sie bietet einen konzentrierten Überblick über aktuelle Strömungen moderner und zeitgenössischer Kunst und ist zudem zentraler Treffpunkt von Sammlern und Kunstfans. Zu den Höhepunkten gehören Albert Scopins wiederentdeckte Chelsea-Hotel-Fotos.

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