Dani Sophia ist völlig überraschend nach Berlin gekommen. Gemeinsam mit ihrer neuen Band Blue Medusa hat sie am Freitagabend, dem 4. September, im Neuköllner Huxleys Neue Welt performt. Es war die allererste Live-Show der erst dieses Jahr gegründeten Metal-Band. Und sie war ein gut gehütetes Geheimnis.
Nach ihren europäischen Festival-Konzerten 2025 als Teil der Solo-Band von Rammstein-Sänger Till Lindemann ist die US-amerikanische Gitarristin Dani Sophia nun Teil von Blue Medusa, einer Vocal-Metal-Formation rund um die kanadische Sängerin Alissa White-Gluz, bekannt aus ihren früheren Bands The Agonist und Arch Enemy.
Der Berliner Surprise-Gig von Blue Medusa war Teil der ausverkauften Corrupted Blood Club Show in der Venue dicht am Neuköllner Hermannplatz. Blue Medusas Auftritt war zuvor nicht offiziell angekündigt gewesen.
Die frisch gegründete Band setzt sich zusammen aus Alissa White-Gluz an den Vocals, Alyssa Day an der Gitarre, Alicia Vigil am Bass, Dani Sophia an der Gitarre und Delaney Jaster am Schlagzeug.
Bei ihrer Live-Feuertaufe haben Blue Medusa dem Berliner Publikum vier Songs kredenzt – drei eigene Lieder und eine Coverversion. Los ging es mit der bereits im Mai erschienenen Self-Empowerment-Single „Flying Monkey“. Darauf folgte der brandneuen Blue-Medusa-Song „Crocodile.“ rund um ein Krokodil.
Worum geht es im Blue-Medusa-Song „Crocodile.“?
In der zweiten Hälfte ihres Vier-Song-Sets servierten die fünf Metal-Girls dann „The Wolf You Feed“ und zum Finale „Checkmate“, zu Deutsch: Schachmatt. Anhand einer groß angelegten Schach-Allegorie schlägt das lyrische Ich (natürlich die Dame, die Königin) in diesem Lied gnadenlos zurück, um das Spiel doch noch für sich zu entscheiden.
„The Wolf You Feed“ ist streng genommen eine Coverversion von Nita Strauss, bekannt von The Iron Maidens, einer weiblichen Coverband von Iron-Maiden-Songs. Allerdings war auch beim Nita-Strauss-Original des Liedes schon Alissa White-Gluz als Feature-Gast mit von der Partie. So gesehen ist der Song sowieso eng mit Blue Medusa verbandelt.
„Crocodile.“, der gerade am Freitag, nur wenige Stunden vor dem Berlin-Konzert, releaste Blue-Medusa-Song, wiederum erzählt eine Verwandlungsgeschichte: vom Opfer zum Raubtier, also zum Krokodil. Die Ich-Erzählerin darin wurde offenbar von einer Art Sekte zum Sündenbock erklärt – und unter vermeintlich frommen Läuterungsgesten ertränkt.
Konzepte von Taufe, Buße und Sünde dienen in dem Liedkontext bloß als Deckmantel für Grausamkeit („Sanctifying malice in a martyr’s name“). Doch statt unterzugehen, taucht das lyrische Lied-Ich wieder auf; nicht gebrochen, sondern kraftvoll zum Krokodil transformiert: unter der Oberfläche lauernd, aber dann bereit zum tödlichen „Death Roll“.
„Crocodile.“ von Blue Medusa in Berlin: ein Racheakt
Der Song seziert religiöse und soziale Heuchelei – falsche Propheten, willige Jünger, ein Kollektiv, das Schuld auf Einzelne abwälzt, um sich selbst reinzuwaschen. Gegen das laute Pathos der Verfolger setzt der Text die Stille als Waffe: „Silence has the sharpest bite.“ Keine Anklage, kein Geschrei – nur das Wissen, das unter der glatten Wasseroberfläche wartet. Im Kern ist „Crocodile.“ ein Racheakt in Zeitlupe, eine Hymne auf die Überlebende, die sich weigert, Beute zu bleiben.
Im Interview mit dem Szenemagazin Metal Hammer gaben Blue Medusa übrigens soeben preis, dass sie gerade an ihrem Debüt-Album arbeiten. Auch das soll, wie schon die Singles, ausgesprochen melodisch, catchy, energisch und mit mit viel Liebe zu den Klangdetails ausgestattet werden.
Blue Medusa: 2027 Wiedersehen in Wacken
Dani Sophia selbst, wohnhaft in Denver, Colorado, scheint von Berlin wieder begeistert gewesen zu sein: „Danke schön Berlin“, schrieb sie in einem Post auf Instagram, garniert mit rosa Herzchen. Schon in der Vergangenheit hat sie ihre große Liebe zu Berliner Techno kundgetan: „Berliner Hardcore-Techno hat mein Leben verändert“, schrieb sie einst.
Ob sie nach dem Blue-Medusa-Konzert wohl noch durch die Berliner Clubs getingelt ist? Auf jeden Fall kommen Blue Medusa 2027 wieder nach Deutschland: Dann werden sie auf dem legendären Wacken-Festival spielen. Vielleicht ja schon mit dem neuen Album im Gepäck?
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