Die Dresdner Galerie Ines Schulz erinnert vom 11. September bis zum 10. Oktober 2026 mit einer Einzelausstellung an den Bildhauer Hans Scheib, der am 10. April 2026 im Alter von 76 Jahren in Berlin gestorben ist. Die Vernissage findet am 10. September um 19 Uhr in den Räumen am Obergraben 21 und 10 statt, die Eröffnungsrede hält Rudolf Koloc. Zur Schau erscheint ein broschierter Katalog mit einem Einführungstext der Kunsthistorikerin Isabell Stickler.
Gezeigt werden Arbeiten aus den Jahren 1987 bis 2024, darunter Holz- und Bronzeskulpturen sowie ausgewählte Zeichnungen und Siebdrucke. Ein Schwerpunkt liegt auf Werken der letzten Lebensjahre des Künstlers. Zu sehen sind unter anderem die 1997 entstandene Bronze „Sphinx B“, die farbig gefasste Holzarbeit „Pique Dame“ von 2000 und die Holzfigur „Vögelchen“ aus dem Jahr 2022.
Hans Scheib, Sphinx B, 1997, Bronze/Farbe, 145 x 355 x 55 cm
© Sebastian Schobbert
Im Zentrum von Scheibs Werk stand die Figur – Mensch oder Tier, in Holz oder Bronze. Mit Kettensäge, Hammer und Meißel bearbeitete er das Holz, ohne die hinterlassenen Spuren zu kaschieren. Kräftige Farbanstriche verstärkten die expressive Wirkung seiner Arbeiten und trugen zu ihrem Wiedererkennungswert bei.
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Häufig diente eine Holzskulptur als Vorlage für einen Bronzeguss. Seine Motive fand Scheib in Mythologie und Religion, in Märchen und Literatur ebenso wie in Alltagsbeobachtungen; Frauenfiguren nahmen dabei einen besonderen Platz ein, wie Kunsthistorikerin Isabell Stickler in ihrem Katalogtext zur aktuellen Dresdner Ausstellung ausführt.
Ein Leben zwischen Ost-Berlin und dem Westteil der Stadt
Scheib wurde 1949 in Potsdam geboren und wuchs in Berlin auf. Von 1971 bis 1976 studierte er Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Dort fand er Gleichgesinnte, die ebenfalls die sozialistischen Idealbilder ablehnten. Mit engsten Künstlerfreunden wie Peter Herrmann, Strawalde und A.R. Penck gehörte er zu den jungen neoexpressiven Künstlern der DDR.
Ab 1976 arbeitete er als freischaffender Künstler zunächst in Ost-Berlin, ab 1985 – nach seiner Ausreise – im Westteil der Stadt. In knapp fünf Jahrzehnten entstand ein umfangreiches Œuvre, das heute in Museen weltweit zu sehen ist.
Rückblick in den Kunstsommer 2002, eine Ausstellung im KaDeWe: Bildhauer Hans Scheib vor seiner Skulptur Jette zu Pferd III
© Raimund Müller/imago
Scheib blieb bis zuletzt in der Kunstszene präsent. Noch ein halbes Jahr vor seinem Tod hatte er trotz seiner Krebserkrankung und eines nachfolgenden Schlaganfalls den Weg aus Berlin ins Odervorland auf sich genommen, um eine Ausstellung der Bildhauerin Sabina Grzimek in der Galerie des Golem-Hofes zu besuchen.
Der Bildhauer gehörte zu jener Generation, die aus dem Kunstumfeld von Dresden und Ost-Berlin hervorging und an der Figuration festhielt – aus der Überzeugung heraus, dass ein ungeschöntes Menschenbild in der Kunst nicht verloren gehen dürfe, auch wenn diese Haltung nach 1990 dem Kunstmarkt weniger entgegenkam.
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Nachruf auf Hans Scheib: Expressives, groteskes, verletzliches Menschenbild
Die Galerie Ines Schulz im Dresdner Barockviertel ist dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Alle Arbeiten der Ausstellung werden ab dem 11. September auch online unter www.galerie-ines-schulz.de zu sehen sein.
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