Atomkraft

AKW Akkuyu vor dem Start: Türkei weitet Atomgeschäft mit Russland aus

Akkuyu soll noch 2026 erstmals Strom liefern. Erdogan treibt bereits weitere Atomprojekte voran – und Russland will auch beim nächsten AKW mitbauen.

Katharina Erschov
Katharina Erschov
3 Min
Beim SCO-Gipfel in Kirgistan machten Erdogan und Putin deutlich, dass auf Akkuyu weitere Atomkraftwerke folgen sollen.

Beim SCO-Gipfel in Kirgistan machten Erdogan und Putin deutlich, dass auf Akkuyu weitere Atomkraftwerke folgen sollen.

© Vyacheslav Prokofyev/Russian Gov/imago

Die Türkei steht vor der Inbetriebnahme ihres ersten Atomkraftwerks. Gebaut wird Akkuyu maßgeblich mit russischer Hilfe. Der erste Reaktor des türkischen Atomkraftwerks Akkuyu soll noch bis Ende 2026 den Betrieb aufnehmen. Die Testphase habe bereits begonnen, sagte der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar Anfang der Woche laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Anlage wird aus vier Reaktoren bestehen und eine Gesamtleistung von 4,8 Gigawatt aufweisen. Nach vollständiger Inbetriebnahme soll sie rund zehn Prozent des türkischen Strombedarfs decken – ungefähr so viel, wie die Metropole Istanbul verbraucht.

Erdogan plant nach Akkuyu bereits weitere Atomkraftwerke

Das erste türkische Atomkraftwerk entsteht nahe dem Dorf Akkuyu in der Mittelmeer-Provinz Mersin. Im Mai 2010 hatten die Regierungen in Ankara und Moskau dazu ein Abkommen unterzeichnet. Federführend ist der russische Staatskonzern Rosatom.

Bei einem Treffen mit dem Kreml-Chef Wladimir Putin am Rande des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) in Kirgisistan vergangene Woche kündigte Recep Tayyip Erdogan an, dass mit der Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Akkuyu auch die ersten Schritte zum Bau weiterer Kernkraftwerke eingeleitet würden.

Erdogan beschrieb die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zudem als „heute auf einem wesentlich fortgeschritteneren Niveau als in jeder früheren Zeit“. Putin bezeichnete die Türkei unterdessen als „einen unserer privilegierten Partner“.

Rosatom bleibt Eigentümer und Betreiber von Akkuyu

Eine Analyse der Fachzeitschrift Nature Energy zeigt, dass Rosatom zudem in der Lage ist, strategisch wichtigen Partnern wie der Türkei Sonderangebote zu unterbreiten. Das Kraftwerk Akkuyu wird nach einem Geschäftsmodell errichtet, bei dem das russische Unternehmen die Mehrheitsbeteiligung am Kraftwerk sowie einen garantierten Preis für den Stromverkauf behält, jedoch alle finanziellen, baulichen und betrieblichen Risiken trägt.

Bedenken gibt es laut den Autoren auch aus sicherheitspolitischer Sicht. Denn Rosatom wird sowohl Eigentümer als auch Betreiber des Kraftwerks. Damit behält ein russisches Staatsunternehmen langfristige Kontrolle über eine strategisch wichtige Energieanlage in der Türkei.

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Die Türkei ist von Energieimporten abhängig; rund 70 Prozent ihres Energiebedarfs werden durch ausländische Quellen gedeckt. Laut internationalen Handelszahlen der Vereinten Nationen beliefen sich die türkischen Importe aus Russland im vergangenen Jahr auf 42,37 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 29,8 Milliarden US-Dollar auf den Energiesektor.

322 türkische Nuklear-Fachkräfte arbeiten bereits für Akkuyu

Das türkische Energieministerium und türkische Quellen betonen allerdings den hohen Lokalisierungsgrad des Projekts, der bei über 50 Prozent liege. Nach jüngsten Angaben Bayraktars sind mehr als 400 türkische Unternehmen an Akkuyu beteiligt. Im Rahmen des Projekts wurden zudem Wissen vermittelt und qualifizierte Fachkräfte ausgebildet.

Studierende erhielten die Möglichkeit, an verschiedenen Universitäten in der Russischen Föderation eine Ausbildung im Nuklearbereich zu absolvieren, um anschließend im Kernkraftwerk Akkuyu zu arbeiten. Von diesen Studierenden wurden 251 für ein Bachelorstudium der Nukleartechnik und 146 für ein Masterstudium entsandt. 322 Absolventen wurden für das Kernkraftwerksprojekt eingestellt.

Auf dem Wirtschaftstreffen in Kirgistan wurde signalisiert, dass Russland die gewonnenen Erfahrungen und Fachkräfte in das geplante Kernkraftwerk in Sinop einbringen wolle und auch am Projekt in Thrakien interessiert sei, schreibt das türkische Medium T24. Die Türkei führe Gespräche mit Russland sowie mit Kanada, China und Südkorea über weitere Kraftwerke und strebe den Bau von acht weiteren Reaktoren an, heißt es dort.

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